POLITIK
27/02/2018 15:52 CET | Aktualisiert 27/02/2018 17:18 CET

In Brüssel verhaftet die Polizei Obdachlose, um sie vor Kälte zu schützen

“Moralisch und juristisch kann ich nicht schlafen gehen und einfach warten, bis eine Katastrophe passiert”.

Dan Kitwood via Getty Images
Tausende Obdachlose leiden unter den Minusgraden der vergangenen Wochen. 
  • Um Obdachlose vor dem Erfrieren zu bewahren, geht die Brüsseler Polizei jetzt einen radikalen Schritt
  • Die Beamten nimmt Menschen fest, die auf der Straße übernachten 

Ein sibirisches Kältehoch hat Europa seit Tagen fest im Griff. Auf bis zu Minus 15 Grad waren die Temperaturen in Thüringen, Sachsen und Bayern in der Nacht gefallen.

Für Menschen ohne ein eigenes Zuhause könne diese Temperaturen lebensgefährlich werden. Denn wer obdachlos ist und die bitterkalten Nächte auf der Straße verbringt, läuft Gefahr zu erfrieren.

Auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel ist man sich dieser Gefahr bewusst. Damit Menschen nicht zu Schaden kommen, hat der Ortsteil-Bürgermeister von Etterbeek jetzt drastische Maßnahmen ergriffen:

► Er lässt Obdachlose von der Polizei festnehmen,wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße aufgegriffen werden. Das berichtet der MDR.

Möglich macht das ein Verwaltungsgesetz der Stadt Brüssel, das laut MDR dazu dient, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu bewahren.

“Moralisch und juristisch kann ich so nicht schlafen gehen und einfach warten, bis eine Katastrophe passiert”, erklärte der Bürgermeister von Etterbeek, Vincent de Wolf, dem MDR. “Jemand, der nur wegen der Kälte stirbt, der nachts erfriert, das darf einfach nicht sein.”

Schon 10 Menschen verhaftet

Wer also nachts auf den Straßen Brüssels schläft und dabei von der Polizei aufgegriffen wird, hat keine andere Wahl: Erst geht es zu einem Arzt und danach in einen Schlafsaal, der von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird.

Laut MDR sollen in der ersten Nacht nach Einführung der Regelung bereits zehn Menschen von der Polizei verhaftet worden sein. Den Obdachlosen sei es demnach nicht gestattet, den Schlafsaal vor Morgengrauen zu verlassen.

Mehr zum Thema: “Ich baue Häuschen für Obdachlose”

In Belgien sorgt die Reaktion des Bürgermeisters auf die Kältewelle nun für Diskussionen. Die zentrale Frage: Darf man Menschen ihrer Freiheit berauben, um sie vor Kälte zu schützen?

In Deutschland gibt es bis dato kein vergleichbares Vorgehen. Hierzulande sollen Kältebusse dafür sorgen, dass Obdachlose ihre Nacht nicht auf der Straße verbringen.

Per Anruf können Passanten die Helfer auf Personen aufmerksam machen, die bei Minustemperaturen unter freiem Himmel schlafen.

(mf)