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22/11/2018 19:25 CET | Aktualisiert 23/11/2018 10:01 CET

Junge Eltern verraten: So verändert sich der Sex nach der Schwangerschaft

"Eltern reden über die Form und Farbe der Scheiße ihrer Kinder, aber über die Muschi wird nicht geredet."

TuiPhotoengineer via Getty Images
Ein glückliches Pärchen. (Pärchen)
  • Mit dem Partner über Sex zu sprechen sollte normal sein – anders sieht es nach einer Schwangerschaft aus. 
  • Zwei junge Journalistinnen erklären, wie das ohne Probleme für alle Beteiligte geht. 

In ihrem rund 30-minütigen Podcast “Oh, Baby”…” spricht die Bloggerin Isabel mit ihren Freundinnen über Männer, sie verraten Intimes über ihr eigenes Sexleben und nehmen ihre Hörer mit auf einen Streifzug durch Bars, Dating-Apps und Cafés, wo sie Freunde und Fremde schamlos über ihr Sexleben ausfragen.

Wenn nötig, holen sie sich Experten in die Sendung, die professionelle Tipps und Tricks für ein besseres Liebesleben verraten. Nach einer längeren Pause sprechen sie in der aktuellen Folge von “Oh, Baby! …” über Sex nach der Schwangerschaft.

“Blut, Schmerzen beim Sex und ausgedehnte Muschis”

Ganz so routiniert wie sonst sind Isabel und Anja in ihrer neuen Podcast-Episode nicht. Drei Monate sind seit der letzten Folge vergangen. In der aktuellen Folge soll es um “Blut, Schmerzen beim Sex und ausgedehnte Muschis” gehen, wie die beiden schon in der ersten Minute versprechen.

Das Thema ist “Sex nach Schwangerschaft”. Passend, denn Isabel hat in der Zwischenzeit ein Kind bekommen. Besser gesagt, sie hat “mal kurz einen neuen Menschen aus meiner Vagina gepresst”, wie sie sagt.

Mehr zum Thema: Zwei junge Frauen verraten, wie sie sich selbst befriedigen

Sex mit ihrem Partner hätte sie sechs Wochen nach der Geburt wieder gehabt. Das sei die ärztliche Empfehlung und laut “einer australischen Studie” auch der Regelfall – 41 Prozent aller Frauen hätten sechs Wochen nach der Entbindung wieder Sex.

Ihr Partner habe das gar nicht erwarten können und sogar die Wochen gezählt. 

Sie habe sich vor dem ersten Sex etwas gefürchtet: “Ich dachte mir am Anfang immer noch: ’Alter Schwede, noch drei Wochen und dann will der wieder.”

“Ich fühle mich wie Wonder Woman”

Nach vier Wochen sei Sex für sie aber wieder vorstellbar gewesen. Zwar sei am Tag der Geburt allein schon Pinkeln eine schlimme Vorstellung gewesen, doch schon fünf Tage nach der Geburt hatte sie unter der Dusche keine bleibenden Schäden mehr entdecken können, sagte Isabel. “Seither fühle ich mich auch wie Wonder Woman.”

Die Wiesbadener Gynäkologin und Geburtshelferin Sheila de Liz sprach im Interview über mögliche Einschränkungen kurz nach der Schwangerschaft: Durch die hormonelle Umstellung beim Stillen sei die Libido generell geringer, bemerkte de Liz. Zugleich sei aber auch die Vaginalschleimhaut reizbarer, dünner und schmerzempfindlicher.

Dazu kommt: Der Beckenboden sei ausgedehnt, die Vagina sei weiter als gewohnt und fühle sich auch so an. Dagegen helfen nur “ganz, ganz, ganz konsequente Beckenbodenübungen”, sagte de Liz.

 

 Angst vor Sex

Der erste Sex nach der Schwangerschaft sei bei Isabel dann “nicht so romantisch wie man sich das vorstellt” verlaufen. “Ich hatte auch wirklich Angst”, sagt sie.

Ihr Partner habe nicht richtig penetrieren können und es sei “ein bisschen wie das Erste Mal” gewesen. Ihre Vagina habe sich “geschwollen und wund” angefühlt.

Paaren rät sie besonders vorsichtig zu sein und Gleitgel zu verwenden. “Es war okay, aber auch nicht mehr”, erinnerte sich Isabel.

Das zweite Mal Sex nach der Geburt hätten sie erst sechs Wochen nach dem ersten Versuch gehabt. Seither hätten sie auch nur alle zwei bis drei Wochen Sex. Andere elterliche Aufgaben nagten zu sehr an den Kräften.

Auch ihr Körper und Körpergefühl habe sich seit der Schwangerschaft sehr verändert, sagt Isabel. “Alles ist weicher und schlaffer geworden. Wenn ich zur U-Bahn renne, merke ich einfach, dass es herumschlabbert und dann habe ich auch einfach zwei Melonen”, sagte Isabel.

Der Körper ändert sich

Zudem leide sie unter Haarausfall. “Mir sind büschelweise die Haare ausgegangen. Mein Pferdeschwanz ist nur noch ein Drittel von dem, was es davor war.”

Trotz allem fühle sie sich nach der Geburt “unglaublich mächtig und stark” und sei von ihrem Körper beeindruckt. “Ich fühle mich jetzt sexyer als davor, weil ich weiß, was mein Körper vollbracht hat.”

Isabels Freund gibt im “Couchgeflüster”-Interview zu, vor dem ersten Sex skeptisch gewesen zu sein: “Ich hatte schon Respekt vor der Geburt und ihren Folgen, weil man sich schon denkt: ’Wie wird die Vagina aussehen danach? Wird sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren? Da geht ja ein ganzes Baby durch.”

Oralsex sei für ihn nach der Geburt erst mal nicht möglich gewesen, weil die vaginalen Geburtsverletzungen auch zwei Monate nach der Entbindung immer noch zu präsent für ihn gewesen seien. 

Isabels Brüste seien für ihn eine “Tabuzone” – und wegen des Stillens dem Sohn vorbehalten.

Das neue Körpergefühl als Mutter

In einem Einspieler sprechen die Blogger-Kollegen von “beste Vaterfreuden” auch über Sex nach der Geburt. Die beiden Männer seien auch zunächst unsicher gewesen und hätten auch beide mehrere Monate mit dem Geschlechtsverkehr nach der Schwangerschaft gewartet.

Es sei “wie das erste Mal” gewesen, aber ihre Ängste hätten sich nicht bewahrheitet und der Sex sei “nicht groß anders”.

Für ihre Partnerinnen sei der Sex an sich gut, aber “stellenweise ein bisschen unangenehm, ein bisschen schmerzhaft wegen des Dammrisses” gewesen, sagte eine junge Mutter.

Seit ihrer Geburt fühle sie sich aber generell “als Frau viel sexueller” und weiblicher und habe mehr Lust auf Sex. 

“Sex ist nicht nur Penis und Muschi.”

Die andere Partnerin beklagte vor allem ein “verlorenes Körpergefühl” im Beckenboden. Sie habe mit Liebeskugeln trainiert, doch die seien sofort wider herausgefallen. “Früher hätte ich die stundenlang drin lassen können, danach keine fünf Sekunden mehr. Das Schlimmste ist aber, dass ich nix gespürt habe”, verriet sie.

Isabel rät frischgebackenen Eltern zu Alternativen wie Handjobs oder Oralsex statt vaginalem Sex. “Sex ist nicht nur Penis und Muschi.”

Generell sei ein offener Umgang mit Sex und Sexlosigkeit wichtig, sagte sie. “Frischgebackene Eltern reden über die Konsistenz und Farbe der Scheiße ihrer Kinder, aber über die Muschi wird nicht geredet.”

(mf)