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22/04/2018 15:58 CEST | Aktualisiert 22/04/2018 15:58 CEST

Lasst euch nicht erzählen, ihr könntet nichts beeinflussen

Angieszka Brugger / Foto: Stefan Kaminski
Agniezska Brugger sitzt für die Grünen im Bundestag.

Zu jung. Zu unerfahren. Noch nicht bereit für die große Politik.

Viele junge Menschen, die sich in unsere Gesellschaft einbringen und politisch aktiv werden, kriegen diese Vorwürfe ständig zu hören. Genau wie die Klage, junge Menschen hätten null Bock auf und Interesse an Politik.

Ich habe in den vergangenen Wochen unter dem Hashtag #diesejungenleute viele Geschichten von jungen Frauen und Männer gelesen, die mich an meine Anfangszeit im Bundestag erinnerten. Mit 24 Jahren, Piercings, bunten Klamotten und roten Haaren musste ich mir einige schräge Sprüche anhören.

Nach acht Jahren im Bundestag sind die Piercings und roten Harre noch da. Aber meine Kolleg*innen achten inzwischen darauf, was aus dem Mund rauskommt und nicht, was am Mund dran ist.

Ich habe aber auch erlebt, dass mich viele Leute im Bundestag gleich daran gemessen haben, wie gut ich vorbereitet bin und wofür ich stehe, und nicht daran, ob ich jung oder alt bin.

Es ist unser gutes Recht, uns einzumischen 

Natürlich bekomme ich hin und wieder noch Mails und lese Kommentare von Leuten, die sich nichts über Bundeswehreinsätze und Verteidigungsausgaben, Europa oder Menschenrechte von einer jungen Frau anhören wollen.

Aber viel häufiger kommt positives Feedback von Menschen, die sich auch in diesen Fragen junge Stimmen wünschen. Unsere Generation wird von den aktuellen Herausforderungen bei Klima, Europa und Frieden noch viel länger und intensiver betroffen sein als die älteren Herrschaften, die gerade darüber entscheiden.

Es ist deshalb unser gutes Recht und auch unsere Pflicht, uns einzumischen und gern auch ein bisschen die bisherige Politik aufzumischen. Es ist schließlich unsere Zukunft, um die es geht.

Lasst euch nichts einreden! 

Die besten politischen Diskussionen habe ich oft mit Schülerinnen. Gespräche mit Schulklassen gehören für mich zu meinen schönsten und spannendsten Terminen, bei denen ich extrem viel für meine politische Arbeit mitnehme und lerne.

Viele junge Menschen sagen mir, dass sie sich von Politikerinnen nicht immer ernst genommen fühlen und sich mehr Gehör in der Politik für ihre Fragen, Probleme und Ideen wünschen. Sie haben das Gefühl, dass ihre Stimme nicht wirklich zählt.

Bei der Brexit-Abstimmung in Großbritannien gab es bei jungen Menschen eine klare Mehrheit gegen den EU-Austritt. Die Entscheidung ist aber leider anders und vor allem sehr knapp ausgegangen. Ein paar Stimmen mehr hätten dort den Unterschied ausgemacht.

Daher sage ich immer und immer wieder zu jungen Menschen: Lasst euch bitte nicht von irgendwelchen Leuten erzählen, dass ihr nichts beeinflussen könnt, es kommt auf uns alle an!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing.