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20/07/2018 13:35 CEST | Aktualisiert 21/07/2018 13:41 CEST

Ich habe mit 17 ein Kind bekommen – deshalb bin ich noch lange nicht asozial

Ich kämpfte hart, um mein Stigma loszuwerden.

Molly Chesney
Molly und ihre Tochter Lara.

Ein paar Tage vor meinem 18. Geburtstag kam meine Tochter Lara auf die Welt. Ich sah sehr viel jünger aus als 18. Und das war meine Bürde. 

Ich wurde für meine Schwangerschaft hart verurteilt. Die Menschen konnten schnell erkennen, dass ich eine minderjährige Single-Mutter war und sie stempelten mich ab.

Es war schlimm für mich. Doch ich schaffte es, allen zu beweisen, dass ich trotz meiner Teenie-Schwangerschaft keine Versagerin bin.

Es war eine schwere Zeit

Bei Laras Geburt war ihr Vater war schon längst verschwunden. Aber ich hatte zu dieser Zeit einen anderen schrecklichen Freund. Mit ihm war ich viel zu lange zusammen. Aber ich hatte Angst, dass mich sonst niemand wollen würde.

Ich dachte, ich könne mich von den Vorurteilen der Gesellschaft niemals befreien. Doch es kam anders.

Die Regierung war damals sehr besorgt über den Anstieg der Teenagerschwangerschaften. Es wurden einige Statistiken veröffentlicht, die behaupteten, dass “Kinder von jugendlichen Eltern dazu neigen, schlecht in der Schule zu sein.”

Ich war wütend. Jetzt wurde nicht nur ich abgeschrieben, sondern auch meine Tochter?

Ich beschloss, zu kämpfen

Das Lesen dieser Statistiken war ein Schlüsselmoment für mich. 

Ich begann zu arbeiten. Und es war hart. Keine physisch harte Arbeit – es war nur ein Bürojob. Allerdings hatte ich nebenbei noch für ein Kleinkind zu sorgen.

Es war schwer, jeden Tag um 7:30 Uhr das Haus verlassen. Es war schwer, mit dem wuchtigen Buggy in den Bus zu steigen. Aus dem Bus zu steigen und 15 Minuten einen Berg zur Tagesmutter hochzulaufen, war schwer.

Es war auch schwer, einen weiteren Bus zu nehmen, um dann noch 20 Minuten in Wind, Regen und Schnee zur Arbeit zu laufen. Und es war auch schwer, genug Geld nach Hause zu bringen – besonders, weil es zu dieser Zeit keine 15 Stunden-Betreuung für Kinder gab. 

Ich war durchgehend mit Vorurteilen anderer Menschen konfrontiert. “Meine Tochter würde niemals mit 17 schwanger werden”, war ein Satz, den ich regelmäßig hörte.

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Ich begann mit meinem Studium

Nachdem ich meine Tagesmutter bezahlte und vier Mal am Tag Bus fuhr, hatte ich sogar zehn Pfund weniger, als wenn ich zu Hause blieb und Unterstützungsgeld bezog. Das war hart. 

► Warum ging ich also arbeiten? Weil ich die Vorurteile hasste, auf die ich reduziert wurde. Ich wusste, ich war mehr wert als das. Ich wusste, meine Tochter verdiente mehr als das. Und ich wollte es beweisen.

An einem Sonntag besuchte ich meinen Vater. Ich stöberte durch die Job-Angebote der Sunday Times – das Angebot als Marketingleiterin zog mich an. Also begann ich, Marketing zu studieren.

Ich ließ mich nicht aufhalten

An jedem Wochenende, abends und sogar in den Ferien nutzte ich jede Sekunde meiner Freizeit zum Lesen und Lernen.

Neben meinem Studium kam ein neuer Job nach dem anderen, Beförderung nach Beförderung. Mein Stigma konnte nur durch meine eigenen Taten und Leistungen verschwinden.

► Jahrelang war ich nicht einen Tag krank. Ich kam nie verkatert zur Arbeit, ich war nie zu spät.

Dass ich eine alleinerziehende Teenie-Mutter war, brachte mich am Ende dazu, so hart für meine Karriere zu arbeiten. Sobald mir klar wurde, zu was ich fähig bin, hielt mich nichts mehr auf.

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Du bist keine Versagerin

Heute bin ich stolze Besitzerin meiner eigenen Marketing-Beratung und genieße ein wundervolles Leben.

Und meine Tochter? Nachdem sie in die Schule kam, war sie die erste, die ein Lesebuch bekam. Als sie sechs Jahre alt war, las sie den E.B. White-Klassiker Wilbur und Charlotte an einem Tag. In ihren ersten Studierfähigkeitstests waren ihre Noten unter den besten zwei Prozent des Landes in Englisch und Mathe.

Sie ist heute nicht nur auch eine Mutter – was mich mit 45 Jahren zu einer stolzen Oma macht – sondern sie studiert Jura und weiß, dass sie in der Zukunft für die Rechte benachteiligter Kindern kämpfen will.

► Also: Nein, wenn du eine Teenie-Mutter wirst, heißt das nicht, dass du eine Versagerin bist.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt.

(fk)