POLITIK
13/12/2017 06:45 CET | Aktualisiert 13/12/2017 10:21 CET

Sensation in Alabama: Was der Sieg des Demokraten Doug Jones für Donald Trump bedeutet

Das Wahlergebnis ist ein schwerer Rückschlag für US-Präsident Trump.

Marvin Gentry / Reuters
  • In Alabama ist den US-Demokraten ein Wunder gelungen
  • Das erste Mal seit 25 Jahren schafft es ein demokratischer Kandidat, in den US-Senat einzuziehen
  • Der Sieg von Doug Jones ist auch ein deutliches Signal an Donald Trump

Es ist eine Riesenblamage – für die Republikaner, für ihren Kandidaten Roy Moore und für US-Präsident Donald Trump. 

Bei den Senatsnachwahlen im US-Bundesstaat Alabama hat der Demokrat Doug Jones überraschend und knapp gewonnen. Der Menschenrechtsanwalt ist der erste demokratische Senator aus dem Bundesland seit 25 Jahren. 

Die Wahl in Alabama war mehr als nur eine lokale Angelegenheit. Der republikanische Kandidat Roy Moore versetzte die USA in Entsetzen – er ist ein ausgesprochener Rassist und Schwulenhasser. In den vergangenen Wochen wurden mehrere Vorwürfe der Pädophilie gegen Moore bekannt. 

Jones Sieg gegen Moore war also auch ein Sieg des Anstands - und ein deutliches Signal an Donald Trump

Trumps Kandidaten versagen

Denn Moore zählt zu Trumps Anti-Establishment-Bewegung. Sein Wahlkampflager hatte noch am Wahltag klar gemacht, dass Moore auch gegen das Parteiestablishment der Republikaner zu Felde zieht.

Ein Establishment, das auch Donald Trump zu seinen Feinden erklärt hat – ebenso wie der ehemalige Berater des US-Präsidenten, der Breitbart-Chef Stephen Bannon. Auch Bannon stellte sich in Alabama hinter Moore, auch er und seine Manipulationstaktiken verloren. 

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Mit der Niederlage Moores wiederholt sich für die Anti-Establishment-Bewegung unter Trump und Bannon, was sie schon bei den Gouverneurswahlen in Virginia im November erlebten: Der von ihnen unterstützte republikanische Kandidat wurde abgestraft. 

Beide Wahlniederlagen senden ein klares Signal: Die Präsidentschaft von Donald Trump wirkt sich massiv negativ auf die Perspektiven der republikanischen Partei in den USA aus. 

Im Hinblick auf die Parlamentswahlen 2018 ist das für Trumps Partei eine fatale Erkenntnis. 

Für große Hoffnungen ist es zu früh

Dennoch: Von einer Trendwende in den USA hin zu einer vernünftigeren Politik ohne überbordenden Rassismus, Populismus und Sexismus zu sprechen, wäre auch nach Doug Jones überraschenden Sieg in Alabama verfrüht. 

Zwar erkannte Donald Trump den Sieg des Demokraten auf Twitter an und gratulierte ihm – er schrieb aber auch: “Es hört nie auf!”

Der von ihm unterstützte Kandidat Roy Moore kündigte am Dienstagabend (Ortszeit) zudem an, eine Neuauszählung der Stimmen zu beantragen. Er gestand seine Niederlage nicht ein, obwohl er mit über 1,5 Prozentpunkten und mehreren zehntausend Stimmen gegen Jones verlor. 

Moore wird mit seinem Antrag keinen Erfolg haben. Doch dass er – trotz all seiner Skandale, trotz der Vorwürfe von neun Frauen, er habe sie als Minderjährige sexuell genötigt – auf 48,4 Prozent der Stimmen in Alabama kam, zeigt, wie tief gespalten die US-Gesellschaft unter Trump mittlerweile ist. 

Doug Jones sprach diese Spaltung in seiner Siegesrede nach der Verkündung der vorläufigen Wahlergebnisse an. Er sagte: “Dieser Abend zeigt uns, wie wir unser Land wieder vereinen können.” 

Eine wohl gemeinte Aussage - und doch eine, die auch naiv klang. 

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(ll)