WIRTSCHAFT
27/06/2018 09:57 CEST | Aktualisiert 27/06/2018 13:08 CEST

FDP-Politiker Vogel fordert ein “Recht auf Home Office”

"Wir wollen nicht mehr Arbeitszeit, sondern eine freiere Verteilung innerhalb der Woche."

Florian Gaertner via Getty Images
FDP-Politiker Johannes Vogel
  • FDP-Politiker Johannes Vogel drängt auf eine freiere Verteilung der Arbeit in der Woche.
  • Seine Kernforderung: Jeder Arbeitnehmer sollte von zu Hause arbeiten dürfen, wenn es passt und gewünscht ist. 

Noch kurz vor dem Schlafengehen die E-Mails vom Chef checken. Telefonate mit Kunden führen, während man auf die Handwerker wartet. Oder per App die Maschinen in der Werkhalle steuern.  

Die Arbeitswelt ist im Wandel, immer mehr Deutsche erleben das tagtäglich. Doch halten die gesetzlichen Vorgaben mit diesem rasanten Fortschritt mit?

Klares Nein, sagt Johannes Vogel. Der Arbeitsmarkt- und Rentenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Generalsekretär der Partei in Nordrhein-Westfalen fordert deshalb: Wir bauchen in Deutschland ein ausgewogenes “Recht auf Home Office”.

“Die Arbeit wird uns nicht ausgehen” 

Mit Neid schaut der 36-Jährige in die Niederlande, wo die dortige vier Parteien umfassende liberal-christliche Regierung faktisch ein solches Recht eingeführt und gleichzeitig das Arbeitszeitrecht flexibilisiert hat – “eine Art ‘New Deal’ für Arbeitnehmern und -geber”, wie es Vogel im Gespräch mit der HuffPost beschreibt. 

Er sagt: “Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Aber keine Sorge, die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Vielmehr entstehen Chancen für mehr Selbstbestimmung.”

Vogel arbeitet selbst gerne von zu Hause aus,  auch seine Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro “können fast vollständig ortsunabhängig arbeiten. Das einzige, was zählt, sind die Ergebnisse”, betont er. 

Das Thema Home Office betrifft Millionen Menschen in Deutschland – nun will die FDP dafür einen “klugen Rahmen” stecken. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie gebe dafür die Vorgaben. Vogel erklärt: “Wir wollen nicht mehr Arbeitszeit, sondern eine freiere Verteilung innerhalb der Woche.”

Doch im Bundestag gebe es dafür keine Mehrheit. Wenigstens auf einen ersten Schritt hofft Vogel, beispielsweise abweichend von den gesetzlichen Regelungen eigene Tarifvereinbarungen treffen zu können. Er meckert: “Es geht nicht, dass wir gar nicht vorankommen, weil die Große Koalition nicht mutig genug ist.”

Ihm sei klar, dass nicht jeder von zu Hause arbeiten will und dass einige Angst vor dem Wegfall der Grenze zwischen Privaten und Dienstlichen haben. Deshalb sollte jeder die Bedingungen mit seinem Chef aushandeln. Aber bisher gebe es schlicht keine gesetzliche Möglichkeit, seinen Arbeitsalltag nach den eigenen Bedürfnissen gestalten zu können, kritisiert Vogel.

dpa

“Chance für mehr Freiheit”

Die Digitalisierung sei viel mehr als Internet, sagt der liberale Politiker. Für ihn ist es “eine riesige Chance für mehr Freiheit”. Auch wenn vielerorts im Land die Digitalisierung noch gar nicht richtig begonnen hat – weil dafür schlicht die Infrastruktur fehlt.

“Was das mobile Breitband-Internet angeht, ist Deutschland abgehängt, selbst Afghanistan oder Weißrussland steht da besser da”, sagt Vogel. “Und bei Glasfaser sind wir die vorletzten in Europa hinter Griechenland.” Dazu kommen unklare Zuständigkeiten: “Im Bund haben wir 14 Ministerien, die sich mit dem Thema Digitalisierung befassen. Das ist einfach viel zu wenig konzentriert”, erläutert Vogel.

Ein weiterer Bereich, wo aus Sicht Vogels noch viel getan werden muss, ist die Bildung: Nach dem Studium oder der Ausbildung, dem ersten Bildungssystem, müsse künftig das zweite kommen. “Wir müssen unser ganzes Leben dazulernen. Wir brauchen das Versprechen an jede und jeden, im digitalen Wandel mithalten zu können”, erklärt Vogel.

Für dieses Vorhaben brauche es ihm zufolge drei neue Instrumente:

  1. Die Ausgaben für das Bildungssparen müssen steuerlich absetzbar sein.
  2. Ein sogenanntes Mid-Life-Bafög sollte geschaffen werden, um Weiterbildungen im digitalen Zeitalter für alle fördern zu können.
  3. Die Bundesagentur für Arbeit muss die Maßnahmen für die Beschäftigten in den Betrieben co-finanzieren, wo dies sinnvoll und nötig ist.

All das werde zu mehr Qualifikation führen – sodass weniger Menschen  arbeitslos würden.

(mkl)