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28/06/2018 09:29 CEST

Vielen Dank für alles, Herr Löw – aber es ist jetzt leider Zeit zu gehen

Löw hätte schon 2014 gehen sollen, auf dem Höhepunkt, als Weltmeister.

Alexander Hassenstein via Getty Images
  • Kein Bundestrainer vor ihm hatte auch nur annähernd so eine konstante Bilanz wie Joachim Löw.
  • Spielerisch hob Löw Deutschlands wichtigste Fußballmannschaft auf ein unbekanntes Niveau.

Nach insgesamt 14 Jahren beim DFB bedeutet das Aus in Russland auch das Ende eines Kapitels. Leider.

Das Ende ist gekommen. Für die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland und für ein großartiges Fußballkapitel.

Mittlerweile gibt es eine Generation von Fans, die aktiv nie einen anderen Bundestrainer erlebt hat als Joachim Löw. Und damit auch nie etwas anderes als offensiven, meist schick anzuschauenden, modernen Fußball von der deutschen Nationalmannschaft. Die drei Vorrundenspiele der WM 2018 sind eine Zäsur, sie müssen es sein.

Löw führte Deutschland an die Weltspitze

Löw führte die deutsche Elf in insgesamt 14 Jahren beim DFB an die Weltspitze, dafür gebührt ihm großer Dank von allen Fußballinteressierten in diesem Land. Jetzt ist aber nur sehr schwer vorstellbar, wie er die nötigen Schnitte im Kader ansetzen, sich noch einmal aufraffen und für eine Europameisterschaft in zwei Jahren motivieren soll.

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Acht Turniere mit Co- oder Bundestrainer Löw, siebenmal mindestens Halbfinale, dreimal Finale, zwei Titel: Trotz dieser einmaligen Bilanz und dem besten Punkteschnitt im Vergleich zu all seinen Vorgängern musste Löw immer wieder harte Kritik ertragen für seine Personalentscheidungen, seine teilweise übertriebene Treue zu einzelnen Spielern.

Oft war die Kritik zu scharf und zeigte vor allem eines: Unter seiner sportlichen Führung stiegen die Ansprüche gewaltig. Das Halbfinale als Selbstverständlichkeit.

WM-Generation von 2014 für immer mit Löw verbunden

Die Generation um Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Mesut Özil, Lukas Podolski und Mats Hummels wird gedanklich für immer fest mit Löw verbunden bleiben, mit ihnen spielte Deutschland endlich nicht nur erfolgreich, sondern auch schön.

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Unendlich weit entfernt waren plötzlich die Maschinenmannschaften von 2002, 1996, 1986 oder 1982, die sich gegen spielerisch teilweise weit überlegene Gegner in Endspiele oder gar zu Titeln walzten.

Erst recht konnte man sich nicht mehr vorstellen, wie es 2000 zuging, oder 1998, oder 1994, oder 1984, nach verdorbenen Turnieren. Also ohne Halbfinale, teilweise gar mit traurigem Ausscheiden in der Vorrunde.

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Jetzt ist wieder so ein Moment. “Selbstgefälligkeit” machte Löw bei seiner Mannschaft aus nach der Pleite gegen Südkorea, auch er trägt dafür Verantwortung. Wie Oliver Kahn im ZDF richtig bemerkte: Löw hätte schon 2014 gehen sollen, auf dem Höhepunkt, als Weltmeister.

Löw muss jetzt die richtige Konsequenz ziehen

Dass er weitermachte, war sein gutes Recht, er wollte nicht den leichten Ausweg, sondern eine weitere riesige Herausforderung: Verteidigung des WM-Titels. Das hat nicht geklappt, weshalb er mit Verspätung die richtige Konsequenz ziehen muss. Auch wenn er gerade erst seinen Vertrag bis 2022 verlängert hat.

Löw vermittelte zuletzt nicht den Eindruck, der Mannschaft noch das richtige Tempo zu verpassen. Am Kader muss sich einiges ändern, aber grundsätzlich ist die Nationalelf hervorragend aufgestellt. Löw würde also sehr hohe Qualität übergeben und beste Grundlagen.

Er kann ruhigen Gewissens gehen, denn trotz des komplett enttäuschenden Turniers in Russland sollten die deutschen Fans seine Arbeit nicht vergessen. Vielen Dank für alles, Herr Löw!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Focus.de.