POLITIK
17/04/2018 15:13 CEST | Aktualisiert 17/04/2018 19:03 CEST

Hartz-IV-Anwälte: Das ist das gnadenloseste Jobcenter Deutschlands

Wie 2017 mit Hartz-IV-Empfängern in Deutschland umgegangen wurde, ist menschenverachtend.

  • Deutsche Jobcenter kannten 2017 kein Pardon, wenn es um Sanktionen ging
  • In Berlin wurden die allermeisten Sanktionen verhängt, über 40.000
  • Im Video oben seht ihr eine Zusammenfassung der Statistik 

Ein fehlendes Attest vom Arzt, ein falsch ausgefülltes Formular, ein zu leerer Kühlschrank: Immer wieder finden Jobcenter absurde Begründungen, um Hartz-IV-Empfängern die Leistungen zu kürzen.

Aktuelle Zahlen – die die Rechtsanwälte für Sozialrecht von “Hartz 4 Widerspruch” zusammengetragen haben – zeigen: Das sind die härtesten Jobcenter Deutschlands.

1. Jobcenter Berlin

2017 verdienten sich die Berliner Jobcenter den Titel Sanktionskönig: 143.601 Mal wurden Sanktionen in der Hauptstadt verhängt – nicht selten schüttelt man über die Begründung den Kopf.

Das Jobcenter Berlin-Spandau kürzte etwa einem epilepsiekranken Mann die Leistungen, weil dessen Kühlschrank zu leer war. Eine Mitarbeiterin hegte bei einem Kontrollbesuch den Verdacht, dass der Mann in Wirklichkeit bei seiner Mutter wohne und die Wohnung heimlich untervermiete. 

2. Jobcenter Hamburg

Nicht weniger betrüblich sehen die Zahlen für Hamburg aus: 27.323 Leistungskürzungen nahmen die Jobcenter in der Hansestadt vor.

Schuld sei eine Mischung aus unzureichender Ausbildung, Machtgier und ein unmenschlicher Zahlenfetischismus, schrieb die Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin Inge Hannemann zuletzt in einem Blog für HuffPost. Acht Jahre war sie in verschiedenen Hamburger Jobcenter tätig. Doch dort sei es selten darum gegangen, Hartz-IV-Empfängern zu helfen, sagt Hannemann.

Mehr zum Thema: Hartz-IV-Katastrophe: 15 Politiker erklären, wie das System reformiert werden muss

3. Jobcenter Leipzig

Das Leipziger Jobcenter hat einen besonders schlechten Ruf bei Hartz-IV-Anwälten. Denn dort wird nicht nur gnadenlos sanktioniert – 19.815 Mal im vergangenen Jahr – sondern auch grob mit den Erwerbslosen umgegangen.

2017 trug eine Hartz-IV-Empfängerin Schürfwunden und eine Prellung davon, nachdem sie der Security-Service aus dem Foyer geworfen hatte. 

4. Jobcenter Duisburg

Auch die Duisburger Behörden kannten 2017 keine Gnade. Sie verhängten 17.633 Sanktionen gegen Hartz-IV Empfänger.

Dazu sollte man wissen: Die Statistik zeigt, dass bundesweit allein 50 Prozent aller Hartz 4-Bescheide fehlerhaft sind und den Betroffenen Leistungen vorenthalten.  

5. Jobcenter Dortmund  

15.691 Sanktionen verhängte das Dortmunder Jobcenter 2017. 

Betroffen war auch Michael Hansen. Weil ihn seine Bezüge nicht bis Ende des Monats durchbringen, geht der 50-Jährige betteln. Das Jobcenter bekam Wind davon und kürzte ihm die Leistungen.

Im Klartext: Das Jobcenter stuft Betteln als Beruf ein

Jobcenter benutzen Sanktionen häufig als Druckmittel. Allerdings ist es gesetzlich verboten, dass Personen durch Leistungskürzungen unter das Existenzminimum geraten.

(tb)