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06/03/2018 16:36 CET | Aktualisiert 06/03/2018 19:57 CET

Dortmund: Jobcenter schlägt todkrankem Mann Schichtarbeit vor

38 Stunden die Woche soll er arbeiten.

  • Dieter R. aus Dortmund ist Hartz-IV-Empfänger und todkrank  
  • Trotzdem bekommt er vom Jobcenter den Vorschlag, er solle eine Schlossertätigkeit im Schichtdienst antreten
  • Im Video oben erfahrt ihr, wie deutsche Jobcenter Hartz-IV Empfänger im Stich lassen

Von sich selbst sagt Dieter R., dass er bald sterben wird. Der 57-jährige Hartz-IV-Empfänger hat Krebs und deshalb wohl andere Sorgen, als sich mit den Behörden zu streiten. 

Trotzdem will ihm das Jobcenter Dortmund Arbeit vermitteln – obwohl R. seit einiger Zeit arbeitsunfähig ist. Dies berichtet die Tageszeitung “Ruhr-Nachrichten”.

Es ist nicht der erste Vorschlag dieser Art

Vor wenigen Wochen erhielt der kranke Mann ein Schreiben. Darin die höfliche Aufforderung, er solle sich als Betriebsschlosser bei einer Zeitarbeitsfirma melden – 38 Stunden die Woche in Schichtarbeit.

Laut der “Ruhr-Nachrichten” ist es nicht der erste Vorschlag dieser Art. 

Mehr zum Thema: Jobcenter fordert 31.000 Euro von Hartz-IV-Empfänger – der Grund ist absurd

Früher soll R. als Schlosser tätig gewesen sein. 2016 machte dann die Firma, in der er angestellt war, dicht. Er meldete sich arbeitslos und erhielt kurz darauf die Schockdiagnose. 

Der Krebs breitete sich in seinem Mund- und Rachenraum und der Speiseröhre aus, wie die “Ruhr-Nachrichten” berichten. 

Nur noch 49 Kilogramm soll der todkranke Mann wiegen

Heute, nach zahlreichen Chemotherapien und Bestrahlungen, könne für den 57-Jährigen nichts mehr getan werden. Er lebe mit einer Magensonde, brauche den Infusionsständer und seinen Rollator ständig bei sich.

Nur noch 49 Kilogramm soll der 1,76 Metern große todkranke Mann wiegen – eine Palliativmedizinerin betreue ihn jetzt.

An Arbeit denkt Dieter R. wohl kaum mehr. 

Das Angebot des Jobcenter war so auch ein Fehler. Gegenüber der Tageszeitung rechtfertigt es sich mit den Worten: “In der Profilverwaltung von Herrn R. wurde versehentlich nicht eingetragen, dass Herr R. für Vermittlungsvorschläge nicht zur Verfügung steht.”

Es war wohl ein Systemfehler

Weiterhin heißt es im Bericht der “Ruhr-Nachrichten”, der Arbeitsvermittler von R. hätte schon gewusst, dass sein Klient dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe.

Dies wurde wohl jedoch nicht in das Jobcenter-System eingetragen, mit dem Arbeitnehmer für freie Stellen gesucht werden. 

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Der Fehler sei laut Angaben des Jobcenters gegenüber der Tageszeitung jetzt jedoch korrigiert worden. 

Über neue Jobangebote muss sich R. wohl in der nächsten Zeit also nicht mehr ärgern. Bleibt zu hoffen, dass er seine restliche Zeit genießen kann – unbehelligt von den Behörden. 

(jg)