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06/12/2018 12:44 CET

Jobcenter: Junge Mutter kämpft gegen den Krebs – jetzt wird sie auch noch bestraft

Das Jobcenter scheint keine Rücksicht auf ihre Erkrankung zu nehmen.

ULLSTEIN BILD DTL. VIA GETTY IMAGES
Ein Jobcenter in Berlin-Wedding (Archivbild).
  • Eine Berliner Mutter kann wegen ihrer Krankheit nicht mehr arbeiten und bekommt nun vom Jobcenter die finanzielle Unterstützung gekürzt.
  • Harte Sanktionen des Jobcenters wie im Fall der jungen Mutter kommen regelmäßig vor. 

Eine junge Mutter aus Berlin kämpft derzeit um ihr Leben – sie hat einen aggressiven Brustkrebs und musste deshalb mehrere Chemotherapie durchstehen. Das berichtet die Boulevardzeitung “Bild”.

Als die 24-Jährige die Diagnose bekam, machte sie gerade eine Ausbildung zur Elektronikerin. Zu Beginn ihrer Krankheit versuchte die Berlinerin, sich weiterhin um ihr zweijährige Tochter zu kümmern und ihre kleine Familie zu ernähren.

Dafür nahm sie sich laut “Bild” sogar ein Jahr Urlaub von ihrer Ausbildung, um sich nicht krankmelden zu müssen und weiterhin die finanzielle Unterstützung des Jobcenters zu erhalten.

Mehr zum Thema: Sachsen: 13-Jähriger bekommt Rückzahlungsforderung, ohne je Hartz IV bezogen zu haben

Jobcenter streicht Mutter Zuschüsse

Azubis, deren Einkommen gering ist und die keine Unterstützung von den Eltern mehr bekommen, können Unterstützung bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Diese beträgt normalerweise 635 Euro im Monat. Zusätzlich werden noch Fahrtkosten mitfinanziert. 

Jedoch gilt dies nur, solange der oder die Auszubildende der Arbeit nachgeht.

Im Fall der Berliner Mutter entwickelte sich der Krebs jedoch so schlecht, dass der einjährige Urlaub nicht mehr ausreichte und die Ärzte ihr dazu rieten, die Chemotherapie fortzusetzen und sich für ein weiteres Jahr krankschreiben zu lassen, heißt es weiter im Bericht. 

Das Jobcenter scheint jedoch keine Rücksicht darauf zu nehmen, dass die Berlinerin wegen ihrer Krankheit nicht mehr der Ausbildung nachgehen kann. 

Die Mutter muss nun laut “Bild” von 550 Euro Krankengeld im Monat sich und ihre Tochter ernähren. Die Miete würde weiterhin bezahlt. 

Sanktionen des Jobcenters kommen häufig vor

Die Berliner Mutter ist jedoch nur eine von vielen Menschen, die sich mit den starren und teilweise schwer nachvollziehbaren Vorschriften des Jobcenters rumschlagen müssen.

► Hartz-IV-Empfänger scheinen regelmäßig von der Behörde benachteiligt zu werden. 

Erst vor Kurzem berichtete die HuffPost über einen Hartz-IV-Empfänger, der mit den Sanktionen des Jobcenters zu kämpfen hatte. Der 21-jährige Benjamin Grubba ist zu diesem Zeitpunkt arbeitslos sowie Hartz-IV-Empfänger gewesen und befand sich in einer prekären Situation. 

Im August sei der Leipziger vom Jobcenter sanktioniert worden, sagte der 21-Jährige dem MDR-Magazin “exakt”. Weil er sich auf ein Jobangebot nicht gemeldet habe, strich im das Jobcenter für drei Monate den Hartz-IV-Satz. Das Angebot habe er aber nie erhalten.

Weitere Berichte der HuffPost zeigen diese Ungerechtigkeiten:

Beispielsweise über einen Hartz-IV-Empfänger, der wegen einer Erbschaft sanktioniert wurde, obwohl er beteuert, diese angegeben zu haben. 

Oder über einen sehbehinderter Mann aus Wuppertal, der vom Jobcenter dazu aufgefordert wurde, sich eine kleinere Wohnung zu suchen, obwohl ihm aufgrund seiner Behinderung die damaligen 65 Quadratmeter zustanden.

Wie es bei der jungen Mutter aus Berlin weitergehen wird, bleibt unklar.

Der “Bild” sagte sie abschließend, dass sie sich gegen Ende des Monats immer Geld für Lebensmittel leihen müsse: “Ich werde gleichgestellt mit jemanden, der nicht arbeiten möchte. Dabei würde ich so gern.”