POLITIK
13/03/2018 17:17 CET | Aktualisiert 13/03/2018 17:55 CET

Regensburg: Was das Jobcenter mit dem Geld macht, das Arbeitslosen helfen soll

Es ist schon fragwürdig, wie die Gelder herumgeschoben werden.

georgeclerk via Getty Images
In den deutschen Jobcentern werden Gelder "herumgeschoben".
  • Dem Jobcenter Regensburg ist die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt offenbar nicht so wichtig
  • Ein Drittel des Budgets für entsprechende Maßnahmen soll 2017 für Verwaltungsangelegenheiten verwendet worden sein

Dem Jobcenter der Stadt Regensburg ist die Förderung der eigenen Mitarbeiter offenbar wichtiger, als ihre Klienten nachhaltig bei der Arbeitssuche zu unterstützen. 

Das zeigen Zahlen, die die Online-Lokalzeitung “Regensburg-Digital” veröffentlicht hat. 

Demnach war vergangenes Jahr der Etat für die Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt fast 4,6 Millionen Euro schwer. Nur etwas mehr als drei Millionen sollen jedoch auch für diese Zwecke ausgegeben worden sein

Der Rest des Geldes, fast ein Drittel, wurde stattdessen zur Deckung von Verwaltungskosten verwendet. Besonders fragwürdig: Das Verwaltungsbudget betrug bereits vorher schon satte 6,5 Millionen Euro. 

Umschichtungen zugunsten des Verwaltungs-Etats sind keine Ausnahme

Unter Berufung auf Statistiken des “Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe” berichtet “Regensburg-Digital” weiter, in der Vergangenheit seien immer wieder Umschichtungen zugunsten des Verwaltungs-Etats vorgenommen, allerdings nie in der Höhe wie vergangenes Jahr.

► Aus dem Etat zur Eingliederung in Arbeit werden Maßnahmen, Förderkurse, Trainings und Schulungen bezahlt, die den Arbeitslosen bessere Chancen bei der Jobsuche verschaffen sollen. 

► Das Geld aus dem Verwaltungsetat sei währenddessen für Vermittler und Leistungsabteilungen vorgesehen, die Bescheide schreiben, die Hartz-IV-Empfänger kontrollieren und Sanktionen verhängen

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Das “Rumschieben” der Gelder scheint jedoch nicht nur in Regensburg gängige Praxis zu sein. 

In Deutschland sollen laut der Lokalzeitung seit 2005 3,5 Milliarden Euro vom Etat für Eingliederung zum Verwaltungsbudget geflossen sein. Noch dazu wurden die zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt vorgesehenen Mittel drastisch gekürzt. 

Es gehe nie richtig darum, den Klienten zu helfen

Für sinnvolle Maßnahmen, die die Chancen der Jobsuchenden wirklich verbessern könnten, wird also bundesweit immer weniger Geld ausgegeben. 

Darum geht es den Jobcentern auch gar nicht”, sagt Inge Hannemann, ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin der HuffPost. 

Die Qualität und Dauer der Job-Vermittlungen seien eher nebensächlich, erzählt sie weiter. Es gehe nie richtig darum, den Klienten zu helfen. 

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Dass die Jobcenter nicht in Maßnahmen investieren, die für die Arbeitssuchenden wirklich hilfreich sind, beweist außerdem die große Zahl der gescheiterten Teilnehmer: Zwei Drittel der Menschen, die an einer Maßnahme teilgenommen haben, beziehen sechs Monate danach noch immer Hartz-IV. 

Als 2015 der Bundesrechnungshof 500 Jobcenter überprüft hatte, lautete das Urteil über die Fortbildungsmaßnahmen: “Oft nur zufällig erfolgreich” und “meist nutzlos”.

Betreuung durch geeignetes Personal sei wirksamer als externe Maßnahmen

Die ernüchternde Bilanz überrascht wenig, wenn man sieht, wie die Jobcenter die dafür vorgesehenen Gelder an andere Stellen verschieben

Birgitt Ehrl, Geschäftsführerin des Regensburger Jobcenters, rechtfertigt im Bericht von “Regensburg-Digital” diese Entscheidung, die “zwischen (…) der Agentur für Arbeit und Stadt“ getroffen worden sein soll. 

Laut ihr seien mehr als 70 Prozent des Verwaltungsbudgets in die Mitarbeiter geflossen, “die sich direkt für die Belange der Kunden einsetzen”.

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Sie erklärt laut des lokalen Portals weiter, dass eine intensivere Betreuung durch geeignetes Personal oft wirksamer sei als “externe Maßnahmen mithilfe des Eingliederungsbudgets”.

Ob sich diese Herangehensweise auszahlt, werden wohl irgendwann die Zahlen zeigen.

(cho)