POLITIK
27/02/2018 15:02 CET | Aktualisiert 27/02/2018 21:42 CET

Brexit-Streit: Wie Jeremy Corbyn Theresa May aus dem Amt warten will

Auf den Punkt gebracht.

Darren Staples / Reuters
Jeremy Corbyn verfolgt im Kampf um die politische Macht in Großbritannien eine langfristige Strategie. 

Die Haltung von Jeremy Corbyn, Chef der britischen Labour-Partei, ist klar: Brexit ja, aber nur mit einer neuen und umfassenden Zollunion mit der EU. 

Der Oppositionsführer Großbritanniens vermeidet es also, sich klar gegen einen EU-Austritt auszusprechen. Dahinter steckt das Wissen über die Brexit-Neigung der eigenen Basis – aber auch eine politische Langzeit-Strategie. 

Jeremy Corbyns Zermürbungskampf gegen Premierministerin Theresa May auf den Punkt gebracht. 

Die Lage in Großbritannien: 

► Corbyn sprach sich erst am Montag in einer Grundsatzrede für eine “neue, starke Beziehung” zum Europäischen Binnenmarkt aus – auch nach dem Brexit. Er ist für einen weitgehenden Verbleib in der Zollunion mit der EU.

► Die britische Premierministerin Theresa May schließt eine Zollunion mit der EU kategorisch aus.

► Labour-Chef Corbyn kritisierte auch: Selbst 20 Monate nach dem Referendum zum EU-Austritt sei sich die Regierung immer noch in ihrem Brexit-Kurs uneins.

► Corbyn erhöht so den Druck auf May. Die hatte sich auf dem EU-Gipfel vor wenigen Tagen vom Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, schon anhören müssen, ihre Brexit-Pläne basierten auf “purer Illusion”. 

Die Ursachen für Corbyns Haltung zum Brexit:

► Corbyn hofft darauf, dass die Mays Pläne platzen – am besten schon bei einer nach Ostern angesetzten Abstimmung im britischen Parlament über einen möglichen Verbleib Großbritanniens in der EU-Zollunion

► Eine Niederlage Mays ist durch Corbyns Bekenntnis zur Zollunion wahrscheinlicher geworden: Denn auch Rebellen in Mays Partei wollen Großbritannien per Gesetz eng an die EU-Zollunion binden.

► Die Tory-Abtrünnigen glauben ebenso wie Corbyns Labour-Partei, dass so wirtschaftlicher Schaden von ihrem Land abgewendet werden könnte. 

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Die Folgen von Corbyns Taktik für May: 

► Doch Corbyns Vorstoß zum Thema Brexit und Zollunion hat noch ein längerfristiges Ziel: Er hofft, Theresa Mays Regierung zu stürzen

► Im Verlaufe des Jahres werden die britischen Parlamentsabgeordneten über den finalen und von May ausgehandelten Brexit-Deal mit der EU abstimmen. 

Laut dem Brüsseler Magazin “Politico” hoffen Corbyn und seine Strategen, dass May bei dieser Abstimmung eine entscheidende Niederlage erleiden und abtreten wird. 

Corbyns Plan auf den Punkt gebracht: 

Der Chef der britischen Labour-Partei vermeidet es, sich klar zu EU zu bekennen und überlässt es seiner Kontrahentin May, sich mit den Vorbereitungen zum Brexit herumzuschlagen. 

Corbyns Kalkül: Irgendwann wird der Kampf mit Europa die Premierministerin ihren Job kosten – und dann will der Sozialdemokrat zur Stelle sein. In den Umfragen führt Labour derzeit jedenfalls schon. 

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Mit Material von dpa.

(ll/mf)