POLITIK
20/11/2018 17:46 CET

Jeden 3. Tag stirbt eine Frau durch häusliche Gewalt – so will Giffey helfen

"Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort”, sagte Familienminister Franziska Giffey.

Die neuen BKA-Zahlen zu Gewalt gegen Frauen in Partnerschaften sind alarmierend.

Es sind verstörende Zahlen: 138.893 Menschen wurden 2017 laut BKA-Statistik Opfer von Gewalt durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner.

Besonders alarmierend: 147 Frauen starben 2017 durch die Hand ihrer Partner oder Ex-Partner. Im Schnitt wird jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau in Deutschland auf diese Weise getötet. 

Die erschreckende Statistik zu häuslicher Gewalt in Deutschland und was Familienministerin Franziska Giffey (SPD) dagegen unternehmen will – auf den Punkt gebracht.

Das ist die erschreckende Bilanz häuslicher Gewalt: Jeden 3. Tag stirbt eine Frau durch häusliche Gewalt – so will Giffey

Laut einer statistischen Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA), die Giffey am Dienstag in Berlin vorgestellt hat, sind im letzten Jahr 138.893 Menschen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt, gestalkt oder bedroht worden.

► In den meisten Fällen waren die Opfer weiblich. 113.965 Frauen wurden laut der Statistik Opfer häuslicher Gewalt, was einem Anteil von 82 Prozent entspricht. Von den fast 140.000 Gewaltopern sucht laut Giffey nur etwa jedes fünfte Opfer Hilfe.

Zum Vergleich: 2016 waren laut Statistik rund 109.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt geworden. 

► Zwar werden auch Männer Gewalttaten in der Beziehung ausgesetzt, mit nur 18 Prozent stellen diese allerdings eine Minderheit in der Statistik dar. Häufiger werden Männer laut den Zahlen zu Tätern: Jeden Tag versucht im Schnitt ein Mann, seine aktuelle oder ehemalige Partnerin zu töten. 147 Frauen kamen im letzten Jahr auf diese Weise ums Leben.

► 86.544 mal wurden Frauen laut der BKA-Statistik Opfer einfacher Körperverletzung, 11.788 mal Opfer schwerer Körperverletzung durch den Partner.

► Giffey sagte, dass es wohl eine enorme Dunkelziffer gebe. Es sei davon auszugehen, dass nur 20 Prozent der Betroffenen Hilfe suchen würden.

Das sagt Giffey zu der Kriminalstatistik:  Jeden 3. Tag stirbt eine Frau durch häusliche Gewalt – so will Giffey

Wie die SPD-Politkerin außerdem erklärte, geht aus der Auswertung des BKA hervor, dass rund zwei Drittel der Tatverdächtigen deutsche Staatsbürger sind. Ein Migrationshintergrund werde bei den Zahlen aber nicht erfasst.

Giffey betonte, dass “häusliche Gewalt (...) durch alle Gruppen” gehe:

“Wenn man die Zeitung liest, hat man manchmal das Gefühl, nur Flüchtlinge und Migranten verprügeln und töten ihre Frauen, weil diese Fälle immer ganz groß dargestellt werden.”

Doch die Zahlen zeichnen laut Giffey ein anderes Bild.

“Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort.”

Generell sei die Gefahr höher, wenn Alkohol, Geldsorgen und psychische Probleme im Spiel seien. Doch auch in gut situierten Familien käme es zu Vorfällen. 

► Den Gewaltanstieg im Jahr 2017 erklärte die SPD-Politikerin damit, dass neue Kategorien in die Statistik aufgenommen wurden – “zum Beispiel Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei.”

Rechne man diese heraus, sei der Anteil “nahezu stabil”, sagte Giffey.

Das will Giffey gegen häusliche Gewalt unternehmen: Jeden 3. Tag stirbt eine Frau durch häusliche Gewalt – so will Giffey

Giffey will sich für einen Ausbau der Hilfsangebote in Frauenhäusern einsetzen: Derzeit könnten in den 350 Frauenhäusern und 600 Fachberatungsstellen pro Jahr 30.000 Frauen betreut werden.

Eine ähnliche Zahl melde sich jedes Jahr am anonymen Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen”. Das Angebot ist kostenlos unter 08000 116016 zu erreichen.

► Die SPD-Politkerin stellte klar: “Das reicht nicht”. Sie will im Jahr 2020 ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen mit 35 Millionen Euro fördern.

► Zudem sollen Länder und Kommunen beim Ausbau von Hilfsstrukturen unterstützt werden.

► Dafür soll laut einem Bericht von “Spiegel Online” unter anderem ein Förderprogramm in Höhe von sechs Millionen Euro aufgelegt werden. Der Betrag solle dann in den Folgejahren sukzessive erhöht werden.

(jg)