POLITIK
07/10/2018 12:27 CEST

Jair Messias Bolsonaro: Wie "Brasiliens Trump" heute nach der Macht greift

Auf den Punkt

Adriano Machado / Reuters

Sein Name ist Programm: Jair Messias Bolsonaro versteht sich als Retter Brasiliens. Der Ex-Militär will das größte Land Lateinamerikas von Gewalt und Korruption befreien.

Der “Trump Brasiliens” hetzt gegen Homosexuelle und Schwarze und verherrlicht die Militärdiktatur (1964-1985). Trotz seiner Entgleisungen dürfte Bolsonaro die erste Runde der Präsidentenwahl am heutigen Sonntag klar für sich entscheiden.

Warum Bolsonaro in den Umfragen weit vorne liegt:

Mit 31 Prozent liegt Bolsonaro in den Umfragen zehn Prozentpunkte vor Fernando Haddad, der anstelle des inhaftierten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva für die linke Arbeiterpartei ins Rennen zieht.

In der zweiten Runde am 28. Oktober dürfte es dann zum Showdown zwischen dem ultrarechten Populisten und dem wenig charismatischen Ex-Bürgermeister von São Paulo kommen - mit ungewissem Ausgang.

Warum sich sein Erfolg mit Brasiliens Krise erklären lässt:

Vor einigen Jahren galt die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas noch als aufstrebende Regionalmacht, heute ist Brasilien ein Sorgenkind.

Durch die jüngsten Korruptionsskandale ist fast die gesamte politische Klasse des Landes diskreditiert.

Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Und die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter.

► Das Vertrauen der rund 146 Millionen Wähler in die Politiker ist schwer erschüttert.

Seit Beginn des Korruptionsskandals “Lava Jato” kreist die gesamte politische Klasse fast ausschließlich um sich selbst. Davon profitiert nun der Ex-Militär Bolsonaro, der sich als Anti-System-Kandidat präsentiert.

NELSON ALMEIDA via Getty Images
Protest in Brasilien gegen Bolsonaro.

Immer lauter wird der Ruf der brasilianischen Wutbürger nach einer Politik der harten Hand.

33 Jahre nach dem Ende der Diktatur liebäugeln nicht wenige mit einer stärkeren Rolle des Militärs im Kampf gegen Gewalt und Misswirtschaft. «Was in Brasilien gerade mit der extremen Rechten passiert, könnte einen Einfluss auf die ganze Region haben», warnt der Politikwissenschaftler Mauricio Santoro.

Warum der Trump Brasiliens selbst Teil des Systems ist:

“Ich werde den Saustall Brasília ausmisten”, verspricht der Hauptmann der Reserve.

Dabei ist der 63-Jährige selbst ein Insider: Seit fast drei Jahrzehnten mischt er in der Politik mit, saß für neun verschiedene Parteien im Parlament.

Allerdings wurde er bislang nie mit den großen Korruptionsskandalen in Verbindung gebracht.

Doch das ist nicht das einzige, was er mit dem US-Präsidenten gemein hat:

Die Politik und Kampagne von Bolsonaro weist viele Gemeinsamkeit mit jener von Donald Trump auf.

► Seine Kampagne: Bolsonaro spielt geschickt auf der Klaviatur der sozialen Medien, bringt sich mit gezielten Provokationen immer wieder neu ins Gespräch.

“Das Problem der Diktatur war, dass sie nur gefoltert, aber nicht getötet hat”, sagte er einmal. Bei anderer Gelegenheit erklärte er, eine Abgeordnete sei es nicht wert, vergewaltigt zu werden, weil sie zu hässlich sei.

Stringer . / Reuters
Bolsonaro in einem Flugzeug.

Nachdem ihn ein geistig verwirrter Mann vor einigen Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer verletzte, ist sein Mythos noch weiter gewachsen.

► Mehr Waffen: Im Kampf gegen die ausufernde Kriminalität - pro Jahr werden in Brasilien über 60.000 Menschen getötet - will er den Waffenbesitz erleichtern.

► Allianz mit den Farmern: Vor wenigen Tagen stellte sich die einflussreiche Agrarlobby des südamerikanischen Landes offiziell hinter ihn. Die Parlamentsgruppe FPA zählt 261 Abgeordnete und Senatoren. Sie ist ein wichtiger Machtfaktor in Brasilien.  

► Schulterschluss mit den Kirchen: Zusätzlichen Aufschwung erhält Bolsonaro durch die evangelikalen Bewegungen in Brasilien, die seine konservative Agenda unterstützen. Im größten katholischen Land der Welt bekennen sich bereits 27 Prozent der Menschen zu den Evangelikalen, die sich mit ihren Kampagnen gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Abtreibungen in ganz Lateinamerika immer stärker in die Politik einmischen.

► Homophobe Politik: Der hemdsärmelige Bolsonaro ist ganz auf ihrer Linie. “Wenn ich sehe, wie sich zwei Männer auf der Straße küssen», werde ich sie schlagen”, sagte der Präsidentschaftskandidat einmal.

“Bala, Boi e Bíblia” (Kugel, Vieh, Bibel) - so wird die Ideologie von Bolsonaro in Brasilien beschrieben.

Mit Material von dpa.