POLITIK
03/01/2018 12:01 CET | Aktualisiert 03/01/2018 12:41 CET

Mann gibt sich als Nachhilfelehrer aus und kassiert 153.000 Euro vom Jobcenter

Das Jobcenter machte ihm den Betrug leicht.

  • Ein Mann aus Wuppertal hat über drei Jahre systematisch das Jobcenter betrogen
  • Er hat Nachhilfestunden abgerechnet, die bedürftige Schüler nie erhalten haben
  • Im Video oben: Wie Jobcenter Hartz IV-Empfänger im Stich lassen

Ohne Schulabschluss eine Nachhilfeschule gründen: Mit dieser Geschäftsidee hatte ein 24-Jähriger aus Wuppertal großen Erfolg. Jedenfalls bis er anfing, dabei das Jobcenter zu betrügen - um ganze 153.000 Euro.

Der junge Mann wurde angeklagt - und gestand vergangenen Dienstag seinen Betrug vor dem Landgericht.

Dabei geht es vor allem um Schüler, die Hartz IV beziehen

Vor einigen Jahren gründete der Schulabbrecher seine Nachhilfeschule. Selbst wollte er angeblich nie unterrichten - dafür habe er Lehrer eingestellt. 

Das Geschäft lief gut an: Kurze Zeit später konnte der Gründer schon mehrere Filialen in Wuppertal und Solingen eröffnen. 

“Am Anfang ging es ums Geld. Aber dann war mir wichtig, dass ich was aufbauen konnte”, sagt der junge Mann der Lokalzeitung “Wuppertaler Rundschau”. 

Seine Masche: Nachhilfestunden berechnen, die die Schüler nie oder nur teilweise erhalten haben. 

Mehr zum Thema: Jobcenter bezeichnet Betteln als Beruf - und kürzt Dortmunder Hartz-IV-Empfänger die Bezüge

Dabei geht es vor allem um Schüler, die Hartz IV beziehen: Wenn sie Nachhilfestunden brauchen, geht das Geld vom Jobcenter direkt an die Schule. 

Jedoch haben laut dem “Solinger Tagblatt” einige dieser Schüler von mehr als 100 gebuchten Stunden nur einen Bruchteil absolviert. Oft sollen auch Fächer ausgefallen sein. 

Der 24-Jährige soll auch kassiert haben, wenn die Schüler zu den Stunden nicht erschienen sind. 

Das Jobcenter kontrollierte nicht mehr

Anfangs habe das örtliche Jobcenter noch kontrolliert, ob die Schüler die Übungsstunden auch wirklich wahrnehmen, wie die “Wuppertaler Rundschau” berichtet.

Die Eltern hätten auch jede wahrgenommene Stunde ihres Kinder unterschreiben müssen. 

2014 wurden die Kontrollen dann wohl eingestellt, das Jobcenter verlangte keine Unterschrift mehr. 

Er verlor die Kontrolle über sein Betrugsgeschäft

Ungefähr zu dieser Zeit begann der 24-Jährige, systematisch zu betrügen. Das Jobcenter hatte es ihm leicht gemacht.

Er verlor die Kontrolle über sein Geschäft und bemerkte bald, dass er vom Jobcenter zu viel kassierte. Der Mann machte aber weiter. Und erschlich sich dafür über die vergangenen drei Jahre 153.000 Euro.

“Ich habe die Stunden der Lehrer nachgehalten, weil ich die bezahlen musste. An die Schüler habe ich nicht gedacht”, gestand er laut der “Wuppertaler Rundschau”. 

Die überschüssigen Einnahmen gab der junge Mann wohl für die Kundenwerbung aus: Denn jeder Nachhilfeschüler, der weitere Interessenten an Land zog, bekam Geld. 

Anfangs hätte er dafür 30 oder 50 Euro bezahlt - zum Schluss 300, sagte er im Geständnis

Wahrscheinlich war diese Strategie bereits illegal. Dem Jobcenter war das über mehrere Jahre hinweg wohl nicht aufgefallen. Und so flossen die Gelder immer weiter. 

Mehr zum Thema: Was ich täglich als Sachbearbeiterin im Jobcenter erlebe, lässt mich am Verstand der Menschheit zweifeln

Er kenne weitere Anbieter, die nach ähnlichen Methoden arbeiten

Dass der 24-Jährige so viel Geld für das Anwerben neuer Kunden ausgeben musste, hatte einen einfach Grund: “Es gab Konkurrenz, die auf den Markt drängte”, so der Angeklagte. 

Nach seinen Angaben gebe es nämlich einige weitere Anbieter, die mutmaßlich nach ähnlichen Methoden arbeiten.

Für das umfassende Geständnis erhofft sich der 24-Jährige wohl eine mildere Strafe - ob ihm die gewährt wird, wird sich wohl in den kommenden Wochen entscheiden.