POLITIK
21/06/2018 19:19 CEST | Aktualisiert 22/06/2018 10:11 CEST

Italiens Innenminister nennt Migranten in Video "Menschenfleisch"

Salvini will Schiff mit Flüchtlingen nicht in Italien anlegen lassen.

  • Matteo Salvini hat sich in einem Video in beispielloser Abschätzigkeit über Migranten geäußert.
  • Er nannte sie “Menschenfleisch”.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat ein Video auf Facebook veröffentlicht und darin Medienberichten zufolge in menschenverachtender Weise über Flüchtlinge gesprochen. Er nannte sie “Menschenfleisch”.

In dem Video vom Donnerstag sprach der Chef der rechtsradikalen Lega Nord über deutsche Seenotretter der Organisation Lifeline, die mehr als 200 Migranten vor der libyschen Küste gerettet haben. Salvini will der Besatzung nicht erlauben, in einem italienischen Hafen anzulegen. Die Besatzung werde Italien “nur auf der Postkarte” zu sehen bekommen. 

Dies sei die “Hundertste Zuwiderhandlung eines NGO-Schiffs in libyschen Gewässern”, kritisierte Salvini auf Twitter.

Unklar, ob Schiffe weiter Italien anlaufen dürfen

Der Chef der fremdenfeindlichen Lega will die Seenotretter aus dem Mittelmeer verbannen und sie nicht mehr in Italien anlanden lassen. Dem italienischen Transportminister Danilo Toninelli zufolge gibt es bislang aber keinen “formalen Akt”, der die Schließung der Häfen für die Organisationen zur Folge hätte.

Salvinis Rede dauert fast 20 Minuten. Das Zitat fällt nach gut zwei Minuten:

Den Menschen an Bord des Schiffes könnte somit eine ähnliche Hängepartie wie dem Rettungsschiff “Aquarius” drohen. 

Vor annähernd zwei Wochen hatte Italien der “Aquarius” der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen erstmals die Einfahrt in einen Hafen verwehrt. Auch Malta verweigerte die Aufnahme, weshalb die «Aquarius» ins spanische Valencia fuhr. Salvini forderte am Donnerstag Malta und Tunesien auf, aktiv zu werden, und verlangte einen Stop der “Meerestaxis”, wie er die Rettungsschiffe der Hilfsorganisationen nannte.

Besatzung des Schiffs wartet auf Zuweisung eines Hafens

Ein Sprecher der Hilfsorganisation Mission Lifeline, deren Schiff ebenfalls unter niederländischer Flagge fährt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihr Rettungseinsatz für die 226 Migranten sei von der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom koordiniert worden und habe in internationalen Gewässern stattgefunden. Nun warte man auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. 

(mkl)