POLITIK
14/07/2018 08:29 CEST | Aktualisiert 14/07/2018 08:45 CEST

Italienischer Politiker watscht Salvini ab – und der findet das witzig

Auf den Punkt gebracht.

ANDREAS SOLARO via Getty Images
Matteo Salvini

Italiens neuer Innenminister, der Rechtspopulist Matteo Salvini, hat sich auf Twitter erneut hässliche Ausfälle geleistet. Sie zeigen, dass er sich weder um Anstand noch Menschlichkeit schert. Salvini markiert damit auf widerwärtige Weise den starken Mann.

Seine neuen Tweets zeigen exemplarisch, was Salvini für ein Mensch ist. Und wo eine seiner Schwächen liegt. Die Situation auf den Punkt gebracht.

Der Anlass der widerwärtigen Tweets: 

Am Freitagabend ätzte Salvini auf Twitter: “Malta, die Schlepper und die Gutmenschen ganz Italiens und der ganzen Welt sollen wissen, dass dieses Schiff in einen italienischen Hafen nicht einfahren kann und darf. Das Thema hatten wir schon, haben wir uns jetzt verstanden?”

Anlass der Hasstirade ist ein weiteres Schiff mit 450 Flüchtlingen an Bord, das Salvini unter keinen Umständen in Italien anlegen lassen will. Das Boot sei, so Salvini, in maltesischen Gewässern gewesen, deshalb müsse sich Malta darum kümmern.

Italienische Medien berichteten, dass das Schiff nun Richtung der italienischen Insel Lampedusa fahre. Das Schiff sei 53 Seemeilen vor Lampedusa und 110 Seemeilen von Malta entfernt gewesen, als die Seenotrettungsstelle in Malta informiert worden sei, so ein Regierungssprecher in Valletta. Malta habe keine Befugnis, Anweisungen zu geben.

Unklar war, um was für ein Boot es sich genau handelt und wer es steuerte. Laut Medien handelt es sich um ein zweistöckiges Holzschiff. Das wäre eine neue Entwicklung, denn seit langem legten vor allem Schlauchboote in Libyen ab, mit denen es nicht möglich gewesen wäre, eigenständig in Italien anzukommen.

Der Hintergrund: 

Italien hat Hilfsorganisationen die Einfahrt in die Häfen des Landes verwehrt. Auch die Insel Malta sieht sich nicht für die Aufnahme zuständig. Derzeit sind keine privaten Seenotretter auf dem Mittelmeer unterwegs.

Ihnen wird vorgeworfen, indirekt den Schleppern in die Hände zu spielen, indem sie die Migranten von den schrottreifen Booten retteten und nach Italien bringen. Auch andere Schiffe mit geretteten Migranten waren bereits mehrere Tage auf dem Meer blockiert.

Womit Salvini nachlegte: 

Später am Freitagabend legte Salvini dann noch einmal nach und postete auf Twitter einen Schnipsel aus einer TV-Sendung, offenbar vom Donnerstag. Darin sagt der frühere Regierungschef und Außenminister Italiens, Massimo d’Alema, der Notfall seien nicht die anlandenden Schiffe, sondern Salvini.

Salvini garnierte den Satz mit der höhnischen Bemerkung, dass ihn das schon fast in gute Stimmung versetze. Und ließ noch einen breit lachenden Smiley folgen.

Was die Tweets über Salvini aussagen: 

Abgesehen vom menschlichen Abgrund der aus Salvinis Äußerungen spricht – so hatte er Flüchtlinge kürzlich “Menschenfleisch” genannt – zeigt Salvini letztlich auch Schwäche.

Er mag es selbst als Stärke empfinden, auf dem Altlinken D’Alema herumzutrampeln. De facto aber hat mit seiner Eitelkeit und Überheblichkeit dessen Bemerkung damit viel Aufmerksamkeit verschafft. Italienische Webseiten griffen den Post sofort auf.

Salvinis tägliches Wüten auf Twitter wirkt noch extremer als das des dafür berüchtigten US-Präsidenten Donald Trump. Dieser musste beim Nato-Gipfel diese Woche lernen, dass er damit auf internationalem Parkett nicht durchkommt. Und dass man seine Provokationen soweit möglich zu ignorieren versucht

Salvini hatte diese Woche seinen ersten deutlichen Dämpfer erhalten. Er hatte sogar ein Schiff der italienischen Küstenwache, die “Diciotti”, daran hindern wollen, Italien anzulaufen. Erst nach Intervention des Staatspräsidenten Sergio Mattarella konnte das Schiff am Donnerstag in einen Hafen.

Dass er damit seine Kompetenzen als Innenminister gegenüber dem Transport- und Verteidigungsministerium überschritten hat, kam nicht gut an. Salvini ist dabei, sich mehr und mehr Feinde zu machen.

Auf den Punkt gebracht: 

Italiens Innenminister macht sich mit seiner extrem rechten Politik und seiner zur Schau gestellten Eitelkeit und Brutalität mehr und mehr Feinde. Aber noch lange nicht genug, um seinem Wüten Einhalt zu gebieten. 

Mit Material von dpa