POLITIK
01/03/2018 19:33 CET

Wie der italienische Wahlkampf in Fake-News versinkt

Auf den Punkt gebracht.

Antonio Masiello via Getty Images
Zerrissene Wahlplakate der neofaschistischen Partei Fiamma Tricolore (Dreifarbige Flamme) in Rom.

Auch vor den italienischen Parlamentswahlen wiederholt sich, was bereits in Deutschland oder Frankreich zu sehen war: Falschnachrichten greifen im Internet massiv um sich. 

Gerade Migranten sind das Ziel von Fake-News in Italien. Welche Nachrichten in dem Land zirkulieren und wie Facebook & Co. dagegen vorgehen – auf den Punkt gebracht.

Die Lage vor der Wahl in Italien:

Die italienische Behörde für Kommunikation, Autorità per le Garanzie nelle Comunicazioni (AGCOM), schreibt in ihrem jährlichen Bericht, 2017 sei “charakterisiert durch den Anstieg von ‘Fake-News’ als strukturelles Problem in der Medienlandschaft” gewesen. 

► Der italienische Geheimdienst DIS warnte wegen der anstehenden Wahl am Sonntag vor destabilisierenden “Einflusskampagnen” im Internet, wie das Online-Portal “Lettera43” berichtet.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts Eumetra Monteresa, habe jeder zweite Italiener schon einmal einen Bericht geglaubt, der sich hinterher als Fake-News herausgestellt habe. 

Welche Falschnachrichten in Umlauf sind:

► Giovanni Zagni, Direktor der Fakten-Check-Organisation Pagella Politica, berichtet der HuffPost: Der größte Teil der Falschnachrichten habe – wie in Deutschland – mit dem Thema Flüchtlingspolitik zu tun.

Auch über die angeblichen Privilegien von Politikern und ihren Kindern und Verwandten gebe es eine Menge Material wie Bilder und Memes, die auf falschen Informationen basieren würden.

► Ein konkretes Beispiel: Das US-Magazin “The Atlantic” berichtet etwa von der Falschnachricht eines 9-jährigen muslimischen Mädchens aus Padua, das von ihrem 35-jährigen Ehemann sexuell missbraucht worden sein soll – ein Vorfall, der nie passiert ist. 

Welche Gefahr von Fake-News ausgeht:

Zagni von Pagella Politica betont: “Die falschen Nachrichten schaffen es fast nie in die Schlagzeilen. Sie sind wie ein Eisberg: Der größte Teil bleibt verborgen.

► Er glaube allerdings, “dass sowohl die gegenwärtige Stimmung gegen die politische, herrschende Klasse und die Haltung zur Flüchtlingskrise von den falschen Informationen befeuert werden, die im Internet gefunden werden können.”

Derzeit gebe es allerdings keine Belege dafür, dass Parteien gezielt Fake-News verbreiten würden, sagt Zagni.

► Der Wahlkampf in Italien ist extrem hitzig. Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung macht Stimmung gegen die Eliten, die rechten Parteien Lega Nord und Fratelli d’Italia hetzen offen gegen Migranten. 

 Immer wieder kommt es auch zu Gewalt zwischen Rechten und Linken.

 Trauriger Höhepunkt bisher: Am 3. Februar schoss ein Anhänger der Lega Nord in Macerata auf afrikanische Migranten, sechs Menschen wurden verletzt. Auslöser soll ein Mord an einer jungen Frau gewesen sein, für den ein Nigerianer verantwortlich gemacht wurde.

Was dagegen getan wird:

► Pagella Politica arbeitet seit drei Wochen mit Facebook zusammen, um Fake-News in dem sozialen Netzwerk zu erkennen. 

Zu erkannten Fake-News erstellt Pagella Politica einen Artikel, in dem die Fakten überprüft und richtig gestellt werden. Auf Facebook werden Nutzer, die die Fake-News teilen wollen, dann auf den Fakten-Check hingewiesen.

Wie erfolgreich die Zusammenarbeit zwischen den unabhängigen Fakten-Prüfern und Facebook sei, lasse sich noch schwer einschätzen, sagt Zagni.

 Allerdings erhielten die Artikel der Organisation “eine gute Zahl an Lesern” und viele Nutzer würden vermeintliche Fake-News melden. “Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass einige Menschen zumindest über das Phänomen der Falschnachrichten besorgt sind”, betont Zagni.

Auf den Punkt gebracht: 

Wie verbreitet Falschnachrichten sind und wie groß ihr Einfluss auf die italienische Parlamentswahl ist, lässt sich schwer sagen. Sie befördern allerdings Hass und Hetze – und heizen die Stimmung im Land noch weiter auf.

(mf)