POLITIK
30/07/2018 16:02 CEST | Aktualisiert 31/07/2018 18:07 CEST

Ein Angriff auf eine schwarze Sportlerin versetzt Italien in Aufruhr

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twitter / getty / huffpost

► Eine rassistische Attacke auf Daisy Osakue erschüttert Italien. Die in Turin geborene Diskuswerferin nigerianischer Herkunft wurde am Sonntag laut einem Medienbericht von zwei Männern in Moncalieri bei Turin aus einem fahrenden Auto mit Eiern beworfen und am Auge verletzt

Ex-Premier Matteo Renzi sprach auf Twitter von “rassistischem Abschaum”. Er schrieb weiter: ”Übergriffe gegen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe sind ein Notfall. Das (der Vorfall, Anm. d. Red.) ist ein Beleg dafür, den niemand leugnen kann, vor allem nicht die Regierung.” 

► Der rechtsextreme Innenminister Matteo Salvini sagte dagegen am Montag laut der Nachrichtenagentur Ansa: “Notstand in Italien durch Rassismus? Lasst uns keinen Unsinn reden. Ich erinnere mich bloß in den vergangenen drei Tagen an 95 verhaftete und 414 gemeldete Immigranten.”

Warum Italien von dieser Nachricht so erschüttert ist: 

Italien ist seit dem Wahlkampf vor Monaten nicht zur Ruhe gekommen. Erst am Sonntag wurde ein 42-jähriger Marrokaner in der Kleinstadt Aprilia ermordet. Täter sollen zwei Italiener sein. Die “Zeit” berichtete kürzlich aus Rom: “Rassismus und Gewalt bestimmen den Umgang mit Geflüchteten in Italien.”

Der Vorwurf der linken Opposition: Die hetzerische Rhetorik von Salvini und seiner rechten Lega führe zu einer Verrohung der Kultur – und motiviere Anhänger zu rassistischen Übergriffen. 

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Laut der italienischen Polizei haben sich rassistisch oder religiös motivierte Hassverbrechen von 2012 bis 2016 mehr als verzehnfacht. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl von Immigranten um rund eine Million. 

► Die Tat gegen die Sportlerin Osakue scheint nun zum Symbol dafür geworden zu sein. Unter dem Hashtag #forzadaisy sammeln sich Solidaritätsbekundungen mit der 22-Jährigen – und Anklagen gegen Salvini. 

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Was ihr noch wissen müsst: 

Fotos in den sozialen Medien zeigen Osakue mit einem geschwollenem Auge. Die Polizei geht von einer rassistisch motivierten Tat aus.

Die Sportlerin selbst sagte im Gespräch mit der Zeitung “L’aria che tira”: 

Ich mag es nicht, die Rassismus-Karte zu benutzen, aber ich denke, dies ist diesmal der Fall. Einfach weil es in in einem Viertel passiert ist, von dem jeder weiß, dass es dort schwarze Prostituierte gibt. Leider ich bin keine Prostituierte. Denn wenn ich eine Prostituierte wäre, würde es niemand melden.”

(mf)