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08/09/2018 18:10 CEST | Aktualisiert 09/09/2018 15:49 CEST

Krimi auf der ISS: Mysteriöses Loch versetzt NASA in Aufregung

"Wir werden den Verantwortlichen finden."

  • Die Internationale Raumstation ISS hatte diese Woche mit einem Defekt zu kämpfen.
  • Ein kleines Loch, das die Crew in Gefahr bringen hätte können, gibt dem Team jetzt Rätsel auf. 

Die Russen und die US-Amerikaner sind auf Erden schon nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Jetzt könnte sich ihr Disput und ihr gegenseitiges Misstrauen sogar bis ins All ausweiten. 

Die Internationale Raumstation ISS ist seit Jahren ein internationales Projekt. Der bemannte Satellit ist seit 20 Jahren immer wieder “bewohnt” und rund 16 Ländern nutzen die Forschungsmöglichkeiten des Raumfahrzeugs. 

Die Mannschaft, die sich momentan auf der ISS befindet, besteht aus zwei russischen Astronauten, drei US-amerikanischen und einem deutschen Raumfahrer.

Plötzlicher Druckabfall beunruhigte die NASA

In der Nacht des 30. August bemerkte die Bodenkontrollstation der NASA allerdings einen Druckabfall. Er war gering, weshalb man vorerst beschloss, die Astronauten deshalb nicht aufzuwecken. 

Am morgen wurden diese allerdings gesammelt damit beauftragt, die Ursache für den Druckverlust ausfindig zu machen. 

Der Defekt wurde schnell gefunden: In der Soyuz-Kapsel befand sich ein kleines Loch. Bei der Kapsel handelt es sich um einen von Russland betriebenen Raumtransporter, der für die Beförderung der Astronauten zur ISS genutzt wird.

Die Raumfahrer hatten wahnsinniges Glück, den Defekt schon so früh erkannt zu haben. Bereits im Dezember machen sich drei der Besatzungsmitglieder wieder auf den Weg zurück zur Erde. Spätestens dann hätte das Loch riesige Probleme bereiten können. 

Mögliche Sabotage auf der ISS? 

Doch woher kam die Öffnung? Erste Erklärungen waren relativ unspektakulär: Das russische Ermittlungskomitee machte einen Mikrometeoriten für den Schaden verantwortlich.

Mikrometeoriten sind teilweise kleiner als ein Sandkorn, bewegen sich im All allerdings mit tausenden Kilometern pro Stunde fort und können dementsprechend viel Zerstörung anrichten. 

Doch dieser Erklärungsansatz wurde genau so schnell verworfen, wie er aufgekommen war. Denn: Bei genauerer Betrachtung fiel den Ermittlern auf, dass das Loch von Innen heraus entstanden sein musste. Und besonders pikant: Es scheint von Bohrspuren umgeben zu sein. 

Dmitry Rogozin, der Leiter der russischen Weltraumorganisation, äußerte sich laut dem US-Magazin “The Atlantic” dazu gegenüber einer Nachrichtenagentur der russischen Regierung.

“Da war ein Spezialist am Werk. Das Loch wurde von Menschenhand geschaffen. Man kann am Rand die Abdrücke eines Bohrers erkennen. Zu diesem Zeitpunkt schließen wir keine Theorie aus.”

“Wir werden den Verantwortlichen finden”

Ob es sich dabei um einen unabsichtlichen Fehler handelt oder mutwillige Sabotage, könne der Chef der russischen Raumfahrtorganisation nicht sagen. Er wisse nur, “dass man den Verantwortlichen finden wird.”

Rogozin erklärte laut “The Atlantic” weiter, dass er sich vorstellen kann, das Loch sei bereits bei den Sicherheitschecks in Kasachstan entstanden. Ein Arbeiter könnte einen Fehler gemacht und den Defekt dann schnell vertuscht haben.

Den Anflug hätte die provisorische Abdeckung noch überlebt, sich dann aber gelöst. 

Eine besonders wilde Anschuldigung: Einer der Astronauten könnte die Öffnung selber gebohrt haben.

Rogozin schließt diese Möglichkeit nicht aus.

Auch der russische Politiker Maxim Surayev tätigte laut der britischen Zeitung ” The Guardian” Aussagen in diese Richtung:

“Wenn es wirklich eine sich an Bord befindliche Person war, war es wahrscheinlich keine böswillig Aktion. Vielleicht wollte der Schuldige nur schnell wieder auf die Erde zurückkehren.”

Die NASA hält sich mit Aussagen zum ISS-Loch zurück

Obwohl sich auch drei US-amerikanische Raumfahrer auf der ISS befinden, war die NASA bislang auffällig still. 

Es gab noch kein Update der US-amerikanischen Raumfahrtbeauftragten. Das einzige, was sie bisher zu der mysteriösen Lage an Bord der ISS beigetragen haben, war ein Tweet mit einem Foto des Lochs. Doch selbst diesen löschten sie nach kurzer Zeit wieder. 

Während die Russen also weiter mit wilden Theorien und Anschuldigungen um sich werfen, und die US-Amerikaner schweigen, bleibt zu hoffen, dass sich das Rätsel nicht auf die Beziehungen der Länder auswirkt. 

Das ISS-Programm ist eines der wenigen, in denen die beiden Nationen friedlich zusammenarbeiten. Die Kosten für die Raumfahrten werden geteilt und alle Astronauten sprechen meist sowohl Englisch als auch Russisch. 

(jg)