POLITIK
03/02/2018 16:22 CET | Aktualisiert 06/02/2018 17:46 CET

Israelischer Geheimdienstler jagte Nazis – nun unterstützt er die AfD

Ein weiteres Beispiel für die perfide Doppelstrategie der Partei.

Screenshot / AfD
  • Der ehemalige israelische Politiker und Geheimsdienstagent Rafi Eitan lobt die AfD – und sieht über den Judenhass in der Partei hinweg
  • Die Rechtspopulisten benutzen den 91-Jährigen, um vor den zahlreichen antisemitischen Fällen innerhalb der Partei abzulenken 

Rafi Eitan ist am Donnerstag zu Gast im Bundestag gewesen. Der mittlerweile 91-jährige Israeli war einer der führenden Geheimdienstler des Landes. So leitete er 1960 die Mossad-Operation, die zur Verhaftung des SS-Führers Adolf Eichmann führte

Eingeladen hatte Eitan ausgerechnet die AfD.

Eine Partei, ... 

► ... die teilweise “Antisemiten und Holocaust-Leugner in ihren Reihen” akzeptiert, wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, im Gespräch mit der HuffPost warnte.

► ... wo ein Ex-Bundestagskandidat der HuffPost sagte: “Der Judenhass in Teilen der AfD war unerträglich.“

► ... deren Politiker in der Vergangenheit bereits mehrfach durch antisemitische Ausfälle aufgefallen sind. Vorneweg der Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon. Er hatte in einem Buch im Zusammenhang mit dem Holocaust von „gewissen Schandtaten“ und einer „Zivilreligion des Westens“ geschrieben.

AfD soll “Alternative für Europa” werden

Eitan scheint all diese Vorfälle bewusst zu ignorieren.

Denn der ehemalige Knesset-Abgeordnete erklärte in einer Grußbotschaft, die er ausdrücklich an AfD-Chef Alexander Gauland, die AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel und AfD-Vize Beatrix von Storch richtete:

► “Bitte versteht, dass wir alle in Israel eure Haltung zum Judentum schätzen.” Er hoffe zudem, dass die Alternative für Deutschland zur “Alternative für Europa” werde.  

Mehr zum Thema: Auschwitz-Überlebende spricht im Bundestag – einmal klatscht die AfD nicht

“Muslimische Masseneinwanderung stoppen”

Bei dem Treffen mit den AfD-Bundespolitikern soll Eitan Deutschland aufgefordert haben, “die Grenzen zu schließen und die muslimische Masseneinwanderung nach Europa zu stoppen”. 

Gauland soll sich laut einer AfD-Meldung über die Unterstützung aus Israel gefreut haben. “Es zeigt wieder einmal, dass wir als AfD auf dem richtigen Weg sind.”

► Nicht zu vergessen: Das ganze passierte während einer Veranstaltung der AfD-Fraktion gegen Antisemitismus.

Doppelstrategie der AfD

► Das alles ist kein Widerspruch. Ob mit oder ohne Eitans Einverständnis: Sie benutzt den 91-Jährigen als Feigenblatt, um vor den zahlreichen antisemitischen Fällen innerhalb der Partei abzulenken.

Es ist eine Doppelstrategie der Rechtspopulisten, wie der Berliner Antisemitismus-Experte Jan Riebe der HuffPost bereits im Dezember erläuterte.

► Der Sozialwissenschaftler der Amadeu-Antonio-Stiftung erklärt: “Die Partei spielt sich als Vorkämpfer gegen Antisemitismus auf, wenn dieser von Muslimen kommt – in den eigenen Reihen unternimmt man dagegen nur wenig.“

Eitan spielt das Spiel mit.

Mehr zum Thema: Interne Chatprotokolle zeigen, wie die AfD das Land in Nazi-Manier umwandeln will

(ll)