POLITIK
10/04/2018 07:49 CEST | Aktualisiert 10/04/2018 17:42 CEST

"Hart aber fair" zum Islam: Comedian stellt CSU-Politiker mit einem Wort bloß

"Von einem Christen erwarte ich eigentlich mehr."

  • Bei “Hart aber fair” war die Islam-Debatte Thema 
  • CSU-Politiker Herrmann beharrte darauf, dass Muslime, aber nicht der Islam zu Deutschland gehören
  • Im Video oben seht ihr, was ihm Entertainerin Enissa Amani daraufhin in der Sendung vorwarf

Der Islam gehört zu Deutschland – oder doch nicht? Die von CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer angestoßene Debatte dreht sich weiter im Kreis, die Fronten scheinen verhärtet. 

Frank Plasberg widmet sich in seinem ARD-Talk “Hart aber fair” trotzdem über eine Stunde lang dem Thema. Er fragt: “Islam ausgrenzen, Muslime integrieren – Kann das funktionieren?” 

Vor allem zwei Gäste, Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann und die Schauspielerin Enissa Amani, sind bei der Beantwortung heftig aneinander geraten.   

Mehr zum Thema: Als es bei “Hart aber fair” um Islamisten geht, folgen 50 Sekunden Gebrüll

Die Gäste:

  • Hamed Abdel-Samad, Buchautor
  • Joachim Herrmann, CSU-Innenminister in Bayern
  • Enissa Amani, Schauspielerin und Comedian 
  • Cem Özdemir, Grünen-Bundestagsabgeordneter 
  • Du‘ A Zeitun, Streetworkerin

Herrmann kann mit “der Islam gehört zu Deutschland” nichts anfangen

Gleich zu Beginn betont Herrmann: Mit dem Satz, “der Islam gehört zu Deutschland”, könne er “nichts anfangen”. In Deutschland und Europa habe man eine Rechtstradition, Grundwerte und -freiheiten und Demokratie, die unter anderem auch auf den Traditionen des Christen- und Judentums sowie des Humanismus und der Aufklärung fußt.

“Zu all dem hat der Islam praktisch keinen Beitrag geleistet”, erklärt der CSU-Politiker. Wie zuvor schon Seehofer unterstreicht Herrmann, dass Muslime aber zu Deutschland gehörten.

Dennoch: “Dieser Satz bringt uns überhaupt nicht weiter”, beharrt der 61-Jährige – der will, dass sich Deutschland nicht verändere. “In dieses Land muss integriert werden”, sagt Herrmann. Punkt, aus.

Vorwurf: CSU-Politiker Herrmann spalte das Land

Während Herrmann das von ihm und seiner Partei Gewohnte darlegt, schwenkt die Kamera auf die neben ihm sitzende Amani. Ihre Augen zucken, ihre Gesichtszüge versteinern zunehmend. Noch bleibt sie ruhig. Noch. 

Dann gibt ihr Plasberg das Wort. “Gott sei Dank, sprechen Sie mich an”, platzt die Comedian los. Sie hält es mittlerweile kaum mehr auf dem Stuhl. Die Worte Herrmanns machten sie “sehr, sehr traurig”, sagt sie. Aus zwei Gründen:

► “Es vernebelt, wenn man mit solchen Begrifflichkeiten spielt. Es vernebelt, wenn man sagt: die Muslime ‘ja’, aber der Islam ‘nein’.” Wenn sie so etwas höre, werde sie sauer, denn das fördere Vorurteile. 

Bevor Amani mit ihrem zweiten Punkt fortfahren kann, keilt Herrmann schon dazwischen. “Lassen Sie mich ausreden”, schimpft die gebürtige Iranerin. 

Sie betont noch einmal: Das “Muslime ‘ja’, Islam ‘nein’ setzt den Fokus falsch”. Natürlich gebe es Negativbeispiele wie die Radikalisierung einzelner Fanatiker – “die es aber überall gibt”, auch im Christentum.

► Herrmann, dessen Partei ein “christlich” im Namen trage, eine Religion die für Nächstenliebe und Gleichheit stehe, trage mit seinen Äußerungen zur “Spaltung” bei. “Von einem Christen erwarte ich eigentlich mehr”, betont Amani.

Comedian Amani erklärt: “Ich bin auch Deutschland”

“Mit Verlaub – wir garantieren die Religionsfreiheit”, wirft ihr Herrmann entgegen. Jeder Muslim könne seine Religion im Einklang mit der Verfassung leben.

“Zeigen Sie mir ein einziges überwiegend muslimisch geprägtes Land, dass die Religionsfreiheit so garantiert wie Deutschland”, will Herrmann nun von Amani wissen. “Da werden Sie sich schwertun.”

Doch die kontert sofort: “Indonesien!”, schnellt es aus Amani heraus. Damit hat sie den CSU-Innenminister mit einem Wort bloßgestellt. 

Doch das will Herrmann plötzlich nicht mehr gelten lassen – und verweist auf die arabischen Länder. 

“Man kann natürlich immer die Negativbeispiele rauspacken, die radikalen Staaten, wie Saudi-Arabien, wie das Land, aus dem meine Eltern stammen, Iran”, wirft sie Herrmann an den Kopf. 

Genau deshalb sei sie stolz in “diesem neuen Deutschland” zu leben – und fordert, den Fokus auf die positiven Seiten zu lenken.

“Ich bin auch Deutschland”, erklärt Amani Herrmann zum Schluss. Eine Tatsache, die wohl auch Herrmann nicht leugnen würde. Die Diskussion, ob der Islam zu Deutschland gehört, war an dieser Stelle aber keinen Schritt vorangekommen.

(ben)