ELTERN
29/01/2018 18:43 CET | Aktualisiert 30/01/2018 09:03 CET

Eltern verabreichen ihren Kindern ätzende Flüssigkeit, um sie zu heilen

"Irgendwann kann es zu einem inneren Riss kommen und man verblutet.”

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Inzwischen haben mehrere Gesundheitsbehörden vor dem Gebrauch von MMS gewarnt.
  • Einige Eltern glauben, dass ein Bleichmittel gegen Autismus hilft und verabreichen es ihren Kindern
  • Das kann lebensgefährlich sein und die Organe der Kinder zerstören – die Ärzte warnen jetzt vor diesem Gerücht

Über Autismus gibt es viele Mythen – man könne sich damit anstecken oder die Erkrankung sei sogar heilbar. Manche Menschen glauben sogar, dass Autismus durch Impfungen ausgelöst wird.

Einige betroffene Eltern sind so verzweifelt, dass sie mit allen Mitteln versuchen, ihr Kind zu “heilen”. Sie gehen sogar so weit, dass sie ihrem Nachwuchs Bleichmittel verabreichen. Die fragliche Methode ist jedoch lebensgefährlich.

Doch die Eltern sind davon überzeugt, dass ein ätzende Flüssigkeit die Rettung ist – und verabreichen es den Kindern.

Aber Autismus ist keine Erkrankung, die man heilen kann. Es handelt sich um eine neurologische Entwicklungsstörung.

Das zeigt sich besonders im Verhalten: Kinder mit Autismus haben meist Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit Menschen und Probleme mit der Wahrnehmung und Verarbeitung von Umwelt- und Sinnesreizen.

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Magisches Heilmittel gegen Autismus

Der Amerikaner Jim Humble, ehemaliges Scientology-Mitglied, propagiert MMS (Miracle Mineral Supplement), das unter anderem aus dem hoch-giftigen Natriumchlorit und einer Säure besteht, als Heilmittel gegen unterschiedlichste Erkrankungen – von AIDS bis Autismus.

Denn in seinen Augen sind Parasiten verantwortlich für Autismus und diese können mit MSS abgetötet werden. Dabei ist MMS eine Chemikalie, die als Bleichmittel oder zur Wasserreinigung dient.

Viele wollen ihm glauben, besuchen seine Vorträge und lesen seine Bücher, die sich um diese “Wunderheilung” drehen. Auch durch diverse Facebook-Gruppen für Eltern verbreitete sich das schreckliche Gerücht, dass MMS bei Autismus helfen kann.

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Der Körper wehrt sich gegen Irritationen

Jeff Forster ist Arzt und selbst Autist. Gegenüber der Zeitschrift “Mirror” warnt er vor den Gefahren: “Chlordioxid verursacht Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfall.”

Schlimmer wäre es noch, wenn es langzeitig verabreicht wird: “Die Darmschleimhaut, der Magen, die Speiseröhre und Eingeweide entzünden sich und können verätzt werden. Irgendwann kann es zu einem inneren Riss kommen und man verblutet.”

Da sich der Körper gegen alles wehrt, was Irritationen verursacht, werden Fremdkörper ausgeschieden. Das, was die Eltern also als Ausscheidung der Parasiten, die die autistische Symptome auslösen, sehen, ist in Wirklichkeit Gewebe aus den Organen ihrer Kinder.

Es gibt keine wissenschaftlichen Studien

Diese Therapie ist umstritten und hat kein wissenschaftliches Fundament. Inzwischen haben mehrere Gesundheitsbehörden vor dem Gebrauch von MMS gewarnt.

Aufgrund der schnellen Verbreitung, sah sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sogar veranlasst, auf die fehlende Zulassung als Arzneimittel und die damit verbundenen Gefahren hinzuweisen.

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Es ist nachvollziehbar, dass die Belastung mit einem autistischen Kind enorm sein kann und man sich eine Chance auf Heilung wünscht, dennoch ist es wichtig seinem Kind nicht mit MMS zu schaden und in Lebensgefahr zu bringen.

(kap)