POLITIK
01/01/2018 19:24 CET | Aktualisiert 02/01/2018 07:47 CET

Wieso es fatal ist, wenn sich der Westen in den Konflikt im Iran einmischt

Dass das nichts werden kann, hat die Vergangenheit gezeigt.

ATTA KENARE via Getty Images
Rohani im Parlament.
  • Derzeit solidarisieren sich viele Politiker auf der Welt mit den Demonstranten im Iran
  • Der Westen sollte aufpassen: Eine Einmischung in den Konflikt hilft wohl keinem

US-Präsident Donald Trump hat es getan. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Und auch deutsche Politiker wie der ehemalige Grünen-Abgeordnete Volker Beck.

Überall auf der Welt solidarisieren sich Menschen und Mächtige mit den Demonstranten im Iran. Zunächst scheint das logisch: Das klerikale Unterdrücker-Regime in Teheran ist von westlichen Werten so weit entfernt, wie es möglich scheint.

Das iranische Volk – da stimmen dieser Tage die meisten überein – hat einen politischen Neubeginn verdient.

Und dennoch sollten wir uns fragen, ob eine Einmischung in die Konflikte des Irans für den Westen eine weise Entscheidung ist. Viel spricht dagegen.

Einmischung endete zuletzt stets fatal

Was wissen wir eigentlich über die Proteste in der Islamischen Republik? Bislang nur das, was durch die sozialen Netzwerke, katalysiert durch eine Vielzahl saudi-arabischer Social-Media-Accounts, bei uns ankommt.

Zudem zweifelhafte Angaben des iranischen Regimes. Selbst Nahostexperten scheinen sich noch nicht einig darüber geworden zu sein, wer die Treiber der Aufstände im Iran sind, was die Ziele der überwiegend jungen Menschen sind, wie sich die Erfolgschancen der Aufständischen darstellen.

Mehr zum Thema – HuffPost-Autor in Teheran: Diese 3 Gruppen wollen mit ihren Protesten den Staat lahmlegen

Wie verheerend eine westliche Einmischung in Zeiten einer solch unklaren Faktenlage sein kann, zeigte sich auf fatalste Weise während des Arabischen Frühlings, mit dessen bitteren Folgen Europa, die USA, aber allen voran die arabische Welt bis heute zu kämpfen hat. 

Zudem ist sicher: Jedes Wort westlicher Unterstützung ist für die Protestierenden nicht förderlich – sondern viel eher hinderlich.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour bezeichnete Trumps Solidaritäts-Äußerungen völlig zurecht als “Gift für die Proteste” gegen das Mullah-Regime.

So wie Trump sich äußere, mache er “es dem Regime sehr einfach, die Demonstranten als Agenten des Auslands abzustempeln“, sagte der deutsch-iranische Grünen-Außenpolitiker der “FAZ”.

Es gibt die Aussicht auf Reformen

So unklar die Zukunft der Protestbewegung ist, die schon jetzt auf gewaltigen Widerstand der iranischen Revolutionsgarde trifft, so sicher scheint, dass dem Iran ein Weg des Umbruchs bevorsteht.

Präsident Hassan Rohani gilt selbst als reformwillig. In einer Rede am 10. Dezember prangerte er Korruption, Wirtschaftsmanipulation und Vetternwirtschaft in der herrschenden Klasse des Landes an. 

Nicht erst seitdem befindet Rohani sich auf einem Konfrontationskurs mit dem geistlichen Oberhaupt Ajatollah Ali Khamenei.

Die Demonstrationen – so sie nicht als ausländische Agentenmission gebrandmarkt werden – könnten die Reformer in ihrer Position in Teheran stärken, glaubt auch Iran-Experte Mohammad Ali Shabani von der School of Oriental and African Studies in London. 

Eine Revolution wäre das noch nicht. Aber der Anfang einer Machtverschiebung.