POLITIK
06/03/2019 16:52 CET

Intrige im Königshaus? Insider deutet Putschplan von Saudi-Prinz an

Auf den Punkt.

Handout . / Reuters
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman gilt als skrupellos.

Es war eine Szene, die viele internationale Beobachter erschaudern ließ.

November 2018, Buenos Aires, erst wenige Wochen, nachdem der grausame Mord am Journalisten Dschamal Khashoggi der Weltöffentlichkeit bekannt geworden war: Der saudische Kronprinz Mohammed Bin Salman schüttelt geradezu enthusiastisch, mit einem breiten Grinsen auf den Lippen, die Hand des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

MBS, wie der Prinz gern genannt wird, zeigt damit nicht nur seine Indifferenz gegenüber der Gräueltat, die er – das ist zu diesem Zeitpunkt schon beinahe sicher – mit zu verantworten hat. 

Er signalisiert der internationalen Staatengemeinschaft auch: Ich bin einer von euch, ihr bekommt mich hier nicht mehr weg. Spätestens seit diesem Handschlag gilt MBS bei einigen Beobachtern als mächtigster Mann des Nahen Ostens.

► Was derweil in Vergessenheit gerät ist, dass MBS auch in seiner Heimat nicht unumstritten ist.

Sogar bei seinem Vater, dem 83-jährigen König Salman ibn Abd al-Aziz, soll der skrupellose Machthaber zwischenzeitlich in Ungnade gefallen sein.

► Die britische Tageszeitung “Guardian” berichtet nun über neue Unruhen im Königshaus, die auf einen tieferen Bruch zwischen Vater und Sohn hindeuten könnten.

Die Angst vor einem Putsch:

Der “Guardian” beruft sich auf den detaillierten Bericht eines Insiders der saudischen Königsfamilie. Dieser schildert, wieso es während einer Ägyptenreise des Königs im Februar zu einem Eklat gekommen ist.

In Ägypten sei König Salman von seinen Beratern vor dem Risiko eines “möglichen Schachzugs” gegen ihn gewarnt worden. 

Seine Entourage sei von dieser Warnung so alarmiert gewesen, dass ein neues dreißigköpfiges Sicherheitsteam aus Saudi-Arabien eingeflogen worden sei, bestehend aus gut ausgewählten Vertrauten des Königs, um das alte Sicherheitsteam zu ersetzen.

► Das deutet daraufhin: Es bestand ernsthafte Sorge vor einem Attentat auf den König. Die anonyme Quelle sagte der Zeitung, der Schritt verdeutliche die Sorge, dass das ursprüngliche Security-Team loyal zum Kronprinzen gewesen sei.

►Die Berater des Königs hatten offenbar Grund, von einem von MBS geplanten Putschversuch auszugehen.

Sogar ägyptische Sicherheitsleute, die zu diesem Zeitpunkt im Einsatz waren, seien von ihrer Aufgabe entbunden worden, berichtet der “Guardian”.

 Was MBS zu diesem Zeitpunkt tat:

Doch damit ist die Spekulation über die Saudi-Intrige noch nicht zu Ende.

Denn in Riad hatte in der fraglichen Zeit – wie üblich, wenn der König auf Reisen ist – der Kronprinz das Sagen. Was aber unüblich war: MBS soll ohne Absprache mit König Salman zwei wichtige Personalentscheidungen verkündet haben.

MBS machte so Prinzessin Reema bint Bandar bin Sultan – und damit eine Frau – zur UN-Botschafterin. Ein im fundamentalistischen Königreich Saudi-Arabien bemerkenswerter wie kontroverser Schritt. Zudem holte MBS seinen Bruder Khalid bin Salman ins Verteidigungsministerium.

König Salman soll diese Entscheidung für verfrüht erachtet und davon erst in Ägypten im Fernsehen erfahren haben: ein Affront.

Was noch verwundert:

► Bei dessen Ankunft in Riad war MBS – anders als üblich – nicht Teil des Begrüßungskomitee des Königs am Flughafen.

► Auch fällt auf: Die Dekrete, die MBS im Februar in Abwesenheit seines Vaters unterzeichnete, waren mit dem Titel “Vizekönig” unterzeichnet, ein Titel, der laut einem Experten schon seit Jahrzehnten nicht mehr im offiziellen Kontext verwendet wird.

Wieso es angeblich Streit gibt:

► Nicht nur die offenkundigen Machtansprüche des jungen Prinzen und dessen Verstrickung in die hochgradig rufschädigende Khashoggi-Ermordung sorgen in der Königsfamilie für Argwohn. 

► Auch soll es große politische Differenzen zwischen König Salman und MBS geben – etwa in der Frage nach dem Umgang mit Kriegsgefangenen im Jemen.

 

► Zuletzt produzierte MBS zudem eine Kontroverse, als er die Kaaba, die quaderförmige muslimische Wallfahrtsstätte in Mekka, bestieg – und damit in seiner Heimat heftige Reaktionen auslöste. 

Auf den Punkt: 

Es sind bislang nur Spekulationen – aber die Indizien verdichten sich: Im Dynastie der Saudi ist ein Machtkampf ausgebrochen. Der einerseits als skrupellos berüchtigte, andererseits als westgewandt bekannte Kronprinz MBS greift nach noch mehr Einfluss, besonders die konservative Elite des Landes misstraut ihm. Gerüchte über einen Putschversuch dürften dieses Misstrauen nur weiter anheizen. 

(ll)