POLITIK
27/06/2018 23:20 CEST | Aktualisiert 29/06/2018 09:55 CEST

Ausland übergießt Deutsche nach WM-Aus mit Häme – mit einer Ausnahme

"Don't mention the Score."

Im Video oben sprechen Schweden- und Mexiko-Fans der DFB-Elf Mut zu.

Deutschlands Helden von 2014 sind entthront worden. Von Südkorea. In der Vorrunde. Der amtierende Weltmeister hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland eine historische Pleite erlebt, noch nie zuvor war eine DFB-Elf so früh aus einer WM ausgeschieden.

Die Nationalmannschaft ging mit sich selbst hart ins Gericht. “Man hat nicht gemerkt, dass wir hier eine Weltmeisterschaft spielen”, sagte Kapitän Manuel Neuer am Ort der größten deutschen WM-Blamage. “Wir haben in keinem Spiel richtig überzeugt, dass wir sagen können, das war die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Das ist bitter und erbärmlich.”

Die Internationalen Medien fällen ebenso harte wie ernüchternde Urteile – etliche Zeitungen machen allerdings auch vor Häme nicht Halt. Das sind die fünf zentralen Sichtweisen zum Spiel:

1. Ein Generationswechsel steht bevor

“Eliminiert! Erste große Sensation dieser WM”, urteilt die Fußball-Nachrichtenseite “Olé” aus Argentinieren. Sie ist sich sicher: “Eine Ära geht zu Ende, die 2006 begonnen hat.”

“Mit dem Schlusspfiff beginnt Deutschland einen Generationswechsel”, schreibt auch die russische Sportnachrichtenseite “Sports.ru”. Auch das Scheitern bei der EM 2004 habe “eine neue Epoche in der Geschichte der Mannschaft gebracht”. Ähnliches sieht “Sports.ru” nun auf die Nationalmannschaft zukommen.

Bundestrainer Joachim Löw werde es zuerst treffen. Er werde “nach dieser Katastrophe” kaum Cheftrainer bleiben können. “Sports.ru” fordert Löw sogar schon einmal auf, “sich bei den Clubs umzutun”. 

2. Das Scheitern war abzusehen

Deutschlands Ausscheiden sei ein “Schock”, erklärt die russische Sportwebseite “Bombardir.ru”. Die zeigt sich allerdings vom WM-Aus der Löw-Elf wenig überrascht: “Wir haben davor gewarnt. Eine monströsere Sensation wird es bei der WM 2018 nicht mehr geben.”

Die französische Tageszeitung “Le Parisien” spricht gar von einem “Fluch der Titelverteidiger”. Tatsächlich sind auch die Weltmeister von 2006, Italien, und 2010, Spanien, jeweils in der darauffolgenden WM bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Nun hat es eben Deutschland getroffen. 

3. Das Ausscheiden kam überraschend

Für die spanische Sportzeitung “Mundo Deportivo” ist “die Überraschung perfekt”, gerade angesichts des Last-Minute-Sieges gegen Schweden. Für das Blatt ist es “ein ebenso historisches wie peinliches Scheitern der deutschen Nationalmannschaft”

Auch der bulgarische Fernsehsender BNT meldete ungläubig: “Deutschland verlässt sensationell die Weltmeisterschaft nach der Niederlage gegen Südkorea.”

4. Es gibt Mitleid für den Verlierer ...

Vor allem die großen französischen Zeitungen titelten zurückhaltend: “L’Équipe” schreibt “Die Champions fallen durch”, “Franceinfo” sieht einen “Donnerschlag bei der WM”.

Die Kollegen von der französischen Ausgabe der HuffPost titelten ebenfalls schlicht: “Katastrophe” – was das Gefühl vieler deutscher Fußballfans wohl treffend zusammenfasste.

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"Katastrophe": Das Titelbild der französischen HuffPost-Kollegen.

Ebenso zeigt sich die “Jutarnji list” mitleidig. Für die kroatische Zeitung war das Spiel zugleich “die größte Sensation und Erschütterung im Weltfußball”

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap erklärt auch, wie es dazu kommen konnte: “Wenn es zu einem Fußballspiel kommt, das als ‘David gegen Goliath’ beschrieben wird, liefert die schwächere Seite normalerweise eine Konterstrategie, um den Schwergewichten einen Strich durch die Rechnung zu machen. Südkorea hat genau das getan.”

5. ... doch die Häme überwiegt

Wo mancherorts Mitleid über das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft herrscht, regiert auf der britischen Insel die Schadenfreude – zumindest bei den englischen Boulevardmedien.

So höhnt die “Daily Mail” “Auf Wiedersehen!”, die “Sun” bedient sich einem Spruch, der – für das Blatt fast vorhersehbar – mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hat.

Die bekannte Aussage “Don’t mention the war!” (“Erwähne bloß nicht den Krieg!”), formte die “Sun” zu “Don’t mention the score!” (“Erwähne bloß nicht das Ergebnis!”) um.

Die Freude bei den Briten dürfte auch deshalb so groß sein, da sich England bereits für das Achtelfinale qualifiziert hat. Eine “Blamage” (“The Sun”), wie beim deutschen Team, wird es also nicht geben.

Screenshot
Die Webseite der britischen Boulevard-Zeitung "The Sun" nach dem Ausscheiden der DFB-Elf

Allerdings lästern auch die Schweizer Medien: Für den “Blick” ist es eine “Megablamage!”, das Online-Nachrichtenportal “Watson.ch” erklärt: “Mission Titelverteidigung kläglich gescheitert: Deutschland ist raus”.

Die spanische Sportzeitung “AS” sah gar einen “Zusammenbruch Deutschlands” und fordert fast folgerichtig “Ab nach Hause!”. 

Mit Abstand am härtesten urteilen allerdings die rumänischen Sportzeitungen: Die “Gazeta Sporturilor” titelt “Globale Schande”, die “Prosport” schreibt: ”‘Die Mannschaft’ auf den Knien!”.

Mit Material von dpa.

(mkl)