LIFESTYLE
22/06/2018 17:17 CEST | Aktualisiert 22/06/2018 18:00 CEST

Instagram will nicht, dass ihr diese jungen nackten Männer seht – wir schon

“Das zeigt einmal mehr, dass es zwar akzeptabel ist, Frauen als Objekte zu betrachten und sich an ihrem nackten Anblick zu erfreuen, aber nicht am Anblick nackter Männer”

  • Die Rudermannschaft der Universität von Warwick zeigt sich nackt auf Instagram, um gegen Homophobie im Sport zu protestieren.
  • Nun hat die Social Media Plattform ihren Account gelöscht – aus sexistischen Gründen, wie die Studenten behaupten.
  • Im Video oben: Der Grund, warum Instagram das Bikini-Foto einer Nutzerin löschte, dürfte Tausende Frauen wütend machen. 

Sie sind jung, sie sind sportlich und sie lassen die Hüllen fallen: Die Rudermannschaft der Universität von Warwick zeigt sich bereits seit Jahren regelmäßig nackt auf Instagram – und will damit ein Zeichen gegen Homophobie im Sport setzen.

Der Fotoplattform scheint das ein Dorn im Auge zu sein. Vor kurzem wurde der Account mit über 180.000 Followers von Instagram gesperrt. Eine Erklärung blieb aus, wie die Studenten auf Twitter schreiben.  

Wer sind die Warwick Rowers?

  • Bei den Warwick Rowers handelt es sich um die Rudermannschaft der Universität von Warwick in Großbritannien. 
  • 2009 geriet der Club in eine finanziell prekären Lage. Um Gelder zu sammeln, beschloßen die Studenten für einen Nacktkalender zu posieren. 
  • Schon bald stellten die Sportler fest, dass der Kalender besonders bei der LGBT+ Gemeinschaft großen Anklang fand. Die Studenten machten öffentlich klar, dass sie kein Problem damit haben, dass schwule Männer sich Nacktfotos von ihnen anschauen – auch wenn die meisten Mitglieder der Mannschaft selbst heterosexuell sind.
  • Seitdem ist der Kalender zu einem Symbol für mehr Inklusion im Sport geworden.
  • Mehr noch, die Ruderer gründeten ihre eigene Wohltätigkeitsorganisation, “Sport Allies”, die sich unter anderem durch die Einnahmen des Kalenders finanziert und sich gegen Homophobie im Sport einsetzt.

Mehr zum Thema:  Ich mache mich für Homosexuelle nackt – obwohl ich selbst nicht schwul bin

► Soziale Medien wie Instagram, Facebook und Twitter sperren in der Regel nur dann Accounts, wenn sie Inhalte verbreiten, die gegen ihre sogenannten Gemeinschaftsstandards verstoßen. 

So verbietet Instagram jegliches Bildmaterial, das “Geschlechtsverkehr, Genitalien oder Großaufnahmen von nackten Hintern zeigt.” Auf den Account der Warwick Rowers trifft das jedoch nicht zu: Die Jungs sind zwar nackt, aber ihr bestes Stück ist stets verdeckt. 

Angus Malcolm
Mit ihren Nacktfotos protestieren die Warwick Rowers gegen Homophobie im Sport.

Vergleichsweise harmlose Bilder

Vielmehr glaubt die Studentengruppe, dass die Plattform aus sexistischen Gründen gegen sie vorgegangen sei.

“Wenn ich mir anschaue, welche Bilder sonst so auf Instagram kursieren, Bilder die sehr viel provokativer und explizit sexuell sind, kann ich nur den Kopf darüber schütteln”, sagt Lucas Etienne der HuffPost.

Er zählt zu den dienstältesten Rowers und ist maßgeblich für den Social Media Auftritt der Jungs verantwortlich. 

Angus Malcolm
Nackt, aber nicht splitternackt, das ist das Motto des Warwick Rowers Instagram-Accounts.

Etiennes Enttäuschung ist verständlich, denn: wenn man Hashtags wie #BoobsOutForTheBoys oder #TitsAndAss sucht, finden sich tausende von wesentlich freizügigeren und durchaus auch provokanten Einträgen. 

“Für mich zeigt das letzten Endes einmal mehr, dass es in unserer Gesellschaft zwar akzeptabel ist, Frauen als Objekte zu betrachten und sich an ihrem nackten Anblick zu erfreuen, aber nicht am Anblick nackter Männer”, sagt Etienne.

Angus Malcolm
Der Ruderclub der Universität von Warwick hat viele schwule Fans.

Die Warwick Rowers verurteilen diese ungleiche Art der Zensur. Der Versuch, männliche Körper zu verstecken, sei letztlich ein Ausdruck von heterosexueller Dominanz, schreiben die Rowers in einem offenen Brief in der britischen Zeitung “The Times”.

Angus Malcolm
Die Ruderer wehren sich gegen die Zensur.

Die Zensur der Fotos hat in Großbritannien für einen Aufschrei in den Medien und auch vieler Internetnutzer gesorgt. Inzwischen hat Instagram den Account wieder aktiviert.

Angeblich sei er nur “aus Versehen” gesperrt gewesen. 

Wenn ihr die Warwick Rowers bei ihrem Kampf gegen Homophobie unterstützen wollt, könnt ihr an ihre Organisation “Sport Allies” spenden, ihren Kalender kaufen, oder ihnen auf InstagramTwitter oder Facebook folgen.

Angus Malcolm
Instagram hat den Account dieser Rudermannschaft aus Großbritannien gesperrt.

(mf)