POLITIK
19/12/2018 15:41 CET | Aktualisiert 21/12/2018 10:20 CET

NDR-Moderator rechnet nach “Hart aber fair” mit Zuschauern ab

"Von Herzen danke für die Gewaltfantasien und Morddrohungen."

ARD
  • Nachdem Michel Abdollahi am Montagabend bei “Hart aber fair” zu Gast war, prasste eine Flut an Hasskommentaren auf den Journalisten ein.
  • Jetzt hat er auf die groben Anfeindungen reagiert – mit viel bitterem Sarkasmus.

Am Montagabend sprach“Hart aber fair”-Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen über das Thema “Sprachlos, verständnislos, wütend: Wie gespalten ist Deutschland?”.

Auch der NDR-Journalist Michel Abdollahi war an der hitzigen Diskussion beteiligt. In der Sendung kamen die umstrittensten Themen des Jahres auf den Tisch – etwa die Ausschreitungen von Chemnitz. Und die Frage, ob Bundesinnenminister Horst Seehofer mit seinem Zitat richtig lag, dass “Migration die Mutter aller Probleme” sei. 

Ein Thema, das auch Abdollahi am Herzen liegt. Schließlich stammt der Moderator ursprünglich aus dem Iran, lebt aber bereits seit 1986 in Deutschland.

Abdollahi: “Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft”

“Ich mache mir Sorgen um meine Zukunft und ob ich in diesem Land überhaupt noch eine Zukunft habe.”

Das hatte der Journalist in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den Ausschreitungen in Chemnitz geschrieben.

Auch bei Plasberg schilderte Abdollahi seine Erfahrungen mit Hassbotschaften und Morddrohungen. Humorvoll ging er mit Aufforderungen um, er solle doch Deutschland verlassen:

“Keiner denkt da an meine Steuern, die ich brav für dieser Land gezahlt habe. Und an diese Infrastruktur die damit für diese Leute aufgebaut wurde, damit sie mir überhaupt solche Post zuschicken können.”  

Mit Seitenhieben dieser Art konnten offenbar einige Zuschauer nicht umgehen. Denn auf der Facebook-Seite von “Hart aber fair” folgte ein Hasstirade gegen Abdollahi.

 

Doch der schoss zurück: Mit einer eigenen “Facebook”-Nachricht machte der Journalist auf den Missstand aufmerksam – und das auf sehr sarkastische Art und Weise:

Zunächst bedankte er sich “von Herzen für die Gewaltfantasien und Morddrohungen” nach seinem Auftritt. Er fuhr fort:

“Wer wissen möchte, wie es ist, in Deutschland 2018 als Deutscher im Das Erste aufzutreten (...) und wer einen Einblick davon (sic!) haben möchte, wieviele Menschen in diesem Land uns Migranten (und ALLEN anderen Andersdenkenden) gerne in Konzentrationslagern sehen würden, sei ein Besuch auf der Facebook-Seite von hart aber fair ans Herz gelegt.”

Die Kommentare würden zeigen, wie “rechts-durchsifft” die Zuschauer der “politischen Talkshows” in Deutschland seien und wie wichtig es sei, “ihnen weiterhin konsequent ins Gesicht zu kotzen”.

Nach diesen heftigen Worten, schloss er seine Ausführungen mit einer deutlichen Botschaft. “Wir lassen uns dieses Land nicht von euch einfältigen Rassisten kaputtmachen”, schrieb der Deutsch-Iraner.

(lp)