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15/01/2018 13:29 CET | Aktualisiert 15/01/2018 13:37 CET

Ingrid Steeger über #MeToo: "So eine Vergewaltigung geht schnell vorbei"

"Zackzack, das war es."

ullstein bild via Getty Images
Steeger wurde in ihrem Leben sechs Mal vergewaltigt.
  • Die deutsche Schauspielerin Ingrid Steeger hat schon vor Jahren über sexuelle Gewalt in der Filmbranche berichtet
  • Mit der #MeToo-Debatte kann sie trotzdem nicht viel anfangen

Schon vor Jahren hat die deutsche Schauspielerin Ingrid Steeger ihr Schweigen gebrochen – und darüber berichtet, dass sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder sexuelle belästigt, genötigt und vergewaltigt wurde. Dass es normal war in der Filmbranche der 70er-Jahre. Zumindest für sie. 

Erst vor gut drei Monaten traten US-Schauspielerinnen mit Enthüllungen über Hollywood-Mogul Harvey Weinstein eine Debatte los, die bis heute heiß geführt wird. Und mittlerweile weit mehr betrifft als die Schauspielbranche in den USA.

Doch wie Steegers Geschichte zeigt, war der Weinstein-Skandal nicht der erste Aufschrei von Schauspielerinnen, die alte patriarchalische Strukturen in der Filmindustrie anprangerten. Strukturen, wegen denen es für Frauen offenbar komplett normal ist, sexuell belästigt zu werden und Gewalt zu erfahren.

“Das ist Männern leider Gottes gegeben”

Für Steeger habe sexuelle Gewalt zu ihrem Leben gehört, immer schon. Ihr Vater habe sie geschlagen, der Großvater missbraucht. Ihr erstes Mal, da war Steeger 18, sei eine Vergewaltigung gewesen, heißt es in ihrer Autobiographie.

Sechsmal sei sie vergewaltigt worden, sagt sie. Die Täter waren meistens Kollegen. Eine große Welle der Empörung oder der Solidarität gab es damals nicht – Steeger wurde höchstens belächelt.

Doch Steeger kann mit der #MeToo-Debatte nicht viel anfangen, wie sie nun in einem Interview mit der “Berliner Zeitung” sagt. “Ich finde es ein bisschen übertrieben, so etwas nach 20 Jahren noch in die Öffentlichkeit zu ziehen”, sagt die mittlerweile 70-Jährige. Auch das Begrapschen nimmt Steeger so hin. Das sei “den Männern leider Gottes gegeben”.  

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In den 70er-Jahren kannte fast jeder Deutsche Stegner. Durch die WDR-Serie “Klimbim” erreichte sie dann im ganzen Land Bekanntheit, auch spielte sie in mehreren Erotik-Filmen mit.

Aber nicht nur mit ihren TV- und Bühnenauftritten sorgte Steeger für Aufsehen. Auch ihre Beziehungen zu Männern waren immer kontrovers. Sie heiratete mehrfach, führte Beziehungen mit Regisseur Dieter Wedel und mehreren deutschen Schauspielern.

Auch Wedel sieht sich gerade mehreren Missbrauchs- und Belästigungsvorwürfen von Schauspielerinnen ausgesetzt. Die Vorwürfe reichen bis zur Vergewaltigung. Steeger kann das nicht glauben.

Vier Jahre sei sie mit ihm zusammen gewesen – und das sei eine der schönsten Zeiten ihres Lebens gewesen, wie sie der “Berliner Zeitung” versichert.

Steeger habe den Regisseur auch “Doktor Wedel” genannt und sei wütend geworden, als sie auf die Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner angesprochen wurde: “Er ist ganz bestimmt kein Vergewaltiger”.

“Dein Busen gehört Klimbim und mir”

Auch mit “Klimbim”-Regisseur Michael Pfleghar hatte Steeger eine Beziehung. Und der habe ihr sofort klargemacht, wo sie in der damaligen TV-Hierarchie stand: ganz unten. “Dein Busen gehört Klimbim und mir”, drohte ihr Pfleghar und verbot ihr, ausgeschnittene Kleider zu tragen, wie sie in ihrer Autobiographie “Und find es wunderbar” schreibt.

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“Ernst nahm mich keiner. Wer war ich schon? Eine, die sich auszog. Mehr nicht. Mein Körper gehörte da schon lange nicht mehr mir”, schreibt sie in einem Beitrag für die “Süddeutsche Zeitung”.

“Ich bin so oft vergewaltigt und sexuell missbraucht worden, dass es mir egal war, wenn man meinen Po und meine Brüste sah. Mein Körper war stumm und gefühllos, als sei er ein Stück totes Holz.”

Natürlich seien Vergewaltigungen nicht ok, sagt Steeger der “Berliner Zeitung” Doch sie würde nicht davon sprechen, dass ihr diese Männer etwas “angetan” haben. “So eine Vergewaltigung geht schnell vorbei. Zackzack, das war es”, sagt sie.

Sie habe die Vergewaltigungen allesamt niemals angezeigt, so etwas hätte man damals nicht gemacht. Und sie habe Glück gehabt, sagt sie. Denn in ihren Fällen sei es auch immer sehr schnell gegangen. “Augen zu und durch”, dachte sie sich.

(tb)