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08/02/2018 13:50 CET | Aktualisiert 08/02/2018 13:50 CET

Informations- und Kommunikationstechnologien: Hot oder Schrott?

 

Den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wird heute als Werkzeug und Medium große Bedeutung zugemessen, denn diese ermöglichen das freie Konstruieren fast beliebiger virtueller Artefakte und stellenweise auch deren Verknüpfung mit der materiellen Welt. Die weltweit zunehmende Nutzung der IKT führt dazu, „dass die Bestände an personen- wie sachbezogenen Daten in exponentieller Weise wachsen“ (Nikola Langreiter und Klara Löffler).

Das gesellschaftliche und wirtschaftliche Potenzial dieser Entwicklung, aber auch die damit verbundenen Herausforderungen sind enorm. So gehen IKT-Geräte immer schneller kaputt, und ständig kommen neue Modelle auf den Markt, für deren Herstellung viel Energie und wertvolle Ressourcen aufgewendet werden müssen. Allein in Deutschland werden 1,7 Millionen Tonnen neue Elektrogeräte und mehr als 24 Millionen Smartphones verkauft. Mit einem Anteil von 250.000 Tonnen jährlich ist die IKT mitverantwortlich für immer kürzere Nutzungszyklen, Berge von Elektroschrott sowie steigende Ressourcenverbräuche.

In ihrer aktuellen Studie „Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen in der Informations- und Kommunikationstechnik“ hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) 25 Gerätehersteller, Telefonie- und Internetanbieter am Beispiel von Smartphones, Festnetztelefonen und Routern untersucht. Aus den Ergebnissen werden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet, wie sich Unternehmen in einem ökologischen Wettbewerb erfolgreich positionieren können, worauf Verbraucher beim Kauf und der Nutzung der Geräte achten sollten und wie die Politik dem zunehmenden Ressourcenverbrauch entgegenwirken kann.

Beispielsweise sollte sie Dienstleistungen im Vergleich zum Ressourcenverbrauch steuerlich begünstigen und umweltfreundliche Produkte durch finanzielle Anreize fördern.

Zudem seien höhere gesetzliche Mindeststandards beim Ökodesign dringend geboten. Auch die niedrige Sammelquote und der sehr geringe Anteil von wiederaufbereiteten Geräten sollte durch weitergehende rechtliche Anforderungen, etwa im Elektro- und Elektronikgerätegesetz, angehoben werden.

Ein Beispiel für ein nachhaltiges Geschäftsmodell ist die aktive Rücknahme mit Wiederaufbereitung und Vermarktung der gesammelten Geräte, wie sie einzelne Unternehmen (z.B. memo AG oder VAUDE) bereits für einige Gerätearten durchführen. Auch bei untersuchten Umweltaspekten wie „Umweltzeichen“, „Zubehör“, oder „Umweltdatenblätter“, „Haltbarkeit“ und „Reparierbarkeit“ konnten besonders vielversprechende Ansätze festgestellt werden.

Die in der Studie vorgestellten Empfehlungen und Best-Practice-Beispiele zeigen auf, wie Unternehmen ihre Umweltauswirkungen verringern und gleichzeitig ihre Marktposition halten oder verbessern können.

Das sollten Unternehmen tun:

· Ökodesign verbessern (u.a. bei Haltbarkeit, Reparierbarkeit und dem Einsatz von Recyclingmaterialien)

· Geschäftsmodelle auf Dienstleistungen statt Ressourcen fokussieren

· gebrauchte Geräte anbieten

· Ersatzteile und Updates bereitstellen

· alte Geräte zurücknehmen und für eine zweite Nutzung aufbereiten

· Umweltaspekte ins Marketing aufnehmen

· bei Telefon- und Internetverträgen Anreize für neue Geräte vermeiden und auf Leasingmodelle setzen („Nutzen statt Besitzen“).

Für den Schutz von Umwelt und Ressourcen empfiehlt die DUH Verbrauchern, beim Kauf gebrauchte Geräte zu bevorzugen, vorhandene Geräte möglichst lange nutzen und im Schadensfall wenn möglich eine Reparatur durchführen. Seriöse Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ bieten eine Möglichkeit ohne größere Vorkenntnisse vergleichsweise umweltschonende Geräte auszuwählen. Auch Produktbewertungen neutraler Prüforganisationen (z.B. Stiftung Warentest, Öko-Test, Ifixit) stellen eine Möglichkeit zur Meinungsbildung dar.

Weiterführende Informationen:

Nikola Langreiter, Klara Löffler (Hg.): Selber machen. Diskurse und Praktiken des „Do it yourself“. Transcript Verlag, Bielefeld 2017.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.