POLITIK
10/07/2018 16:18 CEST | Aktualisiert 10/07/2018 16:21 CEST

Indische Richter stellen sich gegen Verstümmelung: "Genitalien sind privat"

Eine Sekte will ihre Mädchen weiter "beschneiden" lassen.

Danish Siddiqui / Reuters
Frauen der Dawoodi-Bohra-Sekte jubeln 2014 in Indien ihrem Führer Syedna Mufaddal Saifuddin zu.
  • Weibliche Genitalverstümmelung könnte in Indien bald verboten werden.
  • Eine islamische Sekte versucht, die brutale Praxis zu verteidigen.

Genitalverstümmelung an Frauen könnte in Indien demnächst offiziell geächtet werden. Eine schiitische Sekte, die Mädchen Teile der Klitoris oder der Klitorisvorhaut abschneiden lässt, hat vor dem obersten Gericht des Landes einen massiven Dämpfer bekommen.

Wie die “India Times” und andere Medien am Dienstag berichten, hat sich der Supreme Court of India am Montag mit einer Beschwerde über die Praxis befasst. In der Anhörung sagten die drei Richter:

“Warum sollte die körperliche Integrität einer Frau zugunsten religiöser Praktiken verletzt werden? Warum sollte die körperliche Unversehrtheit einer Frau externen Autoritäten unterliegen? Die Genitalien sind eine sehr private Angelegenheit.”

Die Dawoodi-Bohra-Sekte lässt Mädchen verstümmeln

Die schiitische Sekte Dawoodi Bohra, die vor allem in den westlichen und nordwestlichen Provinzen Rajasthan, Gujarat und Maharashtra ansässig ist und ursprünglich aus dem Jemen stammt, lässt laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes ihre Kinder in der Regel im Alter von sieben Jahren verstümmeln. Weibliche Angehörige der Sekte oder Hebammen im Krankenhaus nehmen den Eingriff vor.

Die “khafd” oder “kathna” genannte Praxis werde als religiöse Pflicht betrachtet und solle der Reinlichkeit und der Einschränkung der Lust der Frau dienen.

Frauen aus der Sekte wehren sich

Terre des Femmes zufolge gibt es kein Gesetz in Indien, das die Verstümmelung verbietet. 2016 hätten 17 Darwoodi-Bohra-Frauen in einer Petition ein Verbot gefordert.

Befürworter der ”Beschneidung”, verwiesen laut den Medienberichten vor Gericht darauf, dass die Praxis schon seit tausend Jahren angewandt werde und von der Religionsfreiheit gedeckt sei. Sie verglichen die Verstümmelung mit der Beschneidung von Männern – was Mediziner für Unsinn halten.

Die Richter jedenfalls haben sich in der Anhörung klar auf die Seite der verstümmelten Frauen gestellt. Am 16. Juli wird das Verfahren fortgesetzt. 

(mf)