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18/04/2018 17:38 CEST

Dieses Foto geht gerade viral – die Geschichte dahinter spaltet ein Land

Die Anwälte auf dem Bild kommen gerade vom Gericht.

SAJJAD HUSSAIN via Getty Images
Die Anwältin Deepika Singh Rajawat vertritt die Familie des Mädchens.
  • Ein Foto der indischen Anwältin Deepika Singh Rajawat geht gerade um die Welt
  • Denn Rajawat vertritt die Familie eines Mädchens, das vergewaltigt und ermordet wurde – wegen eines Religionsstreits

Eine Frau geht auf der Straße – begleitet von mehreren Männern. Eigentlich sieht das Foto mit der indischen Anwältiin Deepika Singh Rajawat nicht wirklich spektakulär aus. 

Und doch teilen es im Internet gerade tausende Menschen – und feiern Rajawat für ihren Mut. Denn die Anwältin hat sich eines Falles angenommen, der gerade dabei ist, ein ganzes Land zu spalten: die Vergewaltigung und Ermordung der achtjährigen Asifa Bano.

Im Januar soll das Mädchen laut Polizeiangaben von einer Gruppe von Männern im Norden Indiens unter Drogen gesetzt und drei Tage lang vergewaltigt worden sein.

Anschließend sollen die Männer das Mädchen in der Stadt Kathua erwürgt haben. Um sich zu vergewissern, dass sie tot sei, hätten ihr die Männer noch zwei Mal mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, heißt es von der Polizei. 

Der Tatort war ein Hindu-Tempel

Nun sind acht Männer angeklagt. Und alle acht sind Hindus. Das Mädchen wiederum war Muslimin.  

In Indien gibt es schon lange religiöse Spannungen zwischen Hindus und Muslimen. 

Asifas Familie gehört zu muslimischen Nomaden und sind Teil des Bakarwal-Stammes. Die Verdächtigen haben Ermittlern laut “New York Times” sogar gesagt, dass ihr Motiv gewesen sei, die muslimischen Nomaden aus der Gegend zu vertreiben.

Deshalb hätten sie das Mädchen auch in einem Hindu-Tempel vergewaltigt. 

Nun stehen acht Männer vor Gericht. Nicht alle sind direkt an der Vergewaltigung beteiligt gewesen. Unter ihnen sind auch zwei Polizisten, die versucht haben sollen, den Fall zu vertuschen. 

Rajawat wiederum vertritt Asifas Familie. Auf dem Bild, das gerade von tausenden Menschen im Internet geteilt wird, ist sie zu sehen, wie sie gerade das Gericht verlässt, um mit der Presse zu sprechen. 

User auf der ganzen Welt feiern Rajawat für ihren Mut. Denn die Anwältin gab zu, dass sie Angst habe, vergewaltigt und ermordet zu werden, seit sie den Fall übernommen hat. 

Ich kann vergewaltigt werden, ich kann getötet werden und vielleicht wird mir verboten werden, vor am Gericht zu praktizieren. Sie haben mich isoliert, ich weiß nicht, wie ich überleben kann”, erzählte Rajawat dem News-Portal “Indian Express”. Sie werde als Anti-Hindu denunziert und sehe sich dem “sozialen Bankrott” nahe, weil sie den Fall des Mädchens angenommen habe. 

Rajawat hat nicht nur Angst um sich, sondern auch um ihre Familie und deshalb das Gericht nun um Polizeischutz gebeten. 

Mukesh Gupta / Reuters
Anti-Islam-Protestierende in Kathua.

Und der könnte auch nötig sein. Denn das Land ist seit Asifas Tod in Aufruhr. Hindu-Frauen haben vergangene Woche eine Autobahn blockiert und einen Hungerstreik initiiert.

“Sie sind gegen unsere Religion”, soll eine der Protestierenden laut “New York Times” gesagt haben. “Wenn die beschuldigten Männer nicht entlassen werden, dann verbrennen wir uns.” 

Kurz zuvor hatte in Mob aus Hindu-Anwälten mit ihren Körpern den Eingang zum Gericht blockiert – um die Polizisten daran zu hindern, die Klage gegen die Männer einzureichen. 

Sanji Ram will die Bakarwals vertreiben

Der Plan, Asifa zu vergewaltigen und zu töten, soll laut Polizei vom Vorsteher des Tempels, Sanji Ram, stammen. Er habe damit die Bakarwals terrorisieren und vertreiben wollen. Dann habe er einen Neffen und ein paar Freunde damit beauftragt, die Tat auszuführen.

Asifa sei einfach alleine gewesen und ein leichtes Opfer, deshalb habe man sie ausgewählt.

Ram sei auch dafür verantwortlich, dass es in den letzten Jahren eine Kampagne gegen die Bakarwals gegeben habe, heißt es von den Muslimen. Seit Jahrzehnten schon ziehen die Nomaden mit ihren Tieren durch den Norden Indiens – und das habe lange funktioniert. Doch das ist Vergangenheit. 

Aktuell ist das Land gespalten, offenbar kann sich niemand, der mit dem Fall zu tun hat, noch sicher fühlen. 

Doch Anwältin Rajawat hält das nicht davon ab, ihrer Arbeit nachzugehen. “Nichtsdestotrotz werde ich für Gerechtigkeit kämpfen und dafür sorgen, dass das achtjährige Mädchen Gerechtigkeit bekommt.”