POLITIK
29/04/2018 17:37 CEST

Die Welt schaut auf Nordkorea – und verpasst ein historisches Ereignis

Auf den Punkt gebracht.

Grigory Sysoyev via Getty Images
Indiens Premier Narendra Modi (links) and Chinas Präsident Xi Jinping

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müht sich, US-Präsident Donald Trump davon abzuhalten, einen Handelskrieg mit der Europäischen Union (EU) vom Zaun zu brechen. Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un verspricht eine Abkehr vom Atomprogramm.

Klar, dass Deutschland auf diese Entwicklungen schaut. Nur hat die Öffentlichkeit dabei ein Ereignis übersehen, das ebenfalls Geschichte schreiben könnte: das Treffen der Regierungschefs von China und Indien.

Die Bedeutung dieses Treffens auf den Punkt gebracht.

Was bei dem Treffen ausgemacht wurde:

Dass sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Indiens Premier Narendra Modi am Freitag und Samstag im chinesischen Wuhan zu einem informellen Gipfel trafen, ist an sich schon als Zeichen der Annäherung zu werten. Modi sprach von einem Treffen “historischen Ausmaßes”

Die Politiker einigten sich auf eine elf Punkte umfassende gemeinsame Erklärung, die das indische Außenministerium veröffentlichte. 

► Das Papier ist nicht gerade ein Liebesbrief, aber die Spitzenpolitiker wollen “friedliche, stabile und ausgeglichene Beziehungen” zwischen China und Indien.

► Xi und Modi betonen, wie wichtig Frieden und Ruhe entlang der gemeinsamen Grenze sei. Sie wiesen ihre Armeen an, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen und den Informationsaustausch zu verbessern, um Vorfälle an der Grenze zu vermeiden.

► Der bilaterale Handel und Investitionen sollten ausgebaut werden.

Warum China und Indien so wichtig sind:

Indien und China sind seit Jahrhunderten Rivalen um den größten Einfluss als Führungsmacht in Asien.

Die beiden sind die bevölkerungsreichsten Staaten der Welt. China mit seinen 1,39 Milliarden und Indien mit seinen 1,33 Milliarden Menschen stellen zusammen etwa 37 Prozent der Weltbevölkerung. 

Das verleiht den Staaten politisches Gewicht. 

Warum das Verhältnis beider Staaten schlecht ist:

Ein Streitpunkt sind Teile der gut 2600 Kilometer lange Grenze zwischen Indien und China

 

► Im vergangenen Jahr standen sich in der Doklam-Hochebene im Himalaya im Dreiländereck China, Indien und Bhutan Soldaten der beiden Atommächte zehn Wochen lang gegenüber. China wollte dort eine Straße verlängern, Bhutan sah die Grenze verletzt und rief den Verbündeten Indien zu Hilfe. China warf Indien vor, Truppen auf chinesischen Territorium geschickt zu haben. 

► Im Dezember 2017 drang dort nach chinesischer Darstellung eine indische Drohne in Chinas Luftraum ein, China reagierte gereizt.

► Um Gebietsansprüche in einer anderen Himalaya-Region hatten China und Indien 1962 einen Krieg geführt.

Darüber hinaus gibt es weitere Streitpunkte zwischen den Regionalmächten:

► Indien ist über chinesische Schritte alarmiert, die Beziehungen zu seinem Rivalen Pakistan auszubauen. 

► China seinerseits ist verstimmt darüber, dass Indien dem aus Tibet geflohenen Dalai Lama seit Jahrzehnten Exil gewährt.

Was die wirtschaftliche Zusammenarbeit für die Welt bedeutet:

China und Indien sind riesige ökonomische Player. Zusammen erwirtschaften sie knapp 18 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.

China ist nach den USA zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und die am schnellsten wachsende große dazu. Nach der Schätzung von Experten wird Indien im Jahr 2050 dann die zweitgrößte Ökonomie der Welt sein.

US-Präsident Trump versucht, sich China mit Hilfe von Zöllen vom Leib zu halten. Chinas neu verkündete Zusammenarbeit mit Indien darf als eine der Reaktionen darauf verstanden werden. 

Damit bildet sich in der Region ein gigantischer Player, mit immensem wirtschaftlicher Power und unerhört großem Binnenmarkt. Diese beiden Mächte werden schon bald den Ton angeben können.

Der chinesisch-indische Gipfel auf den Punkt gebracht:

Nahezu unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit sind haben die zwei größten Staaten der Welt sich zu Frieden und wirtschaftlicher Zusammenarbeit bekannt. Das ist wichtig für die Stabilität der Region und wirtschaftliche Herausforderung für alle Wirtschaftsnationen weltweit.