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08/02/2018 14:11 CET | Aktualisiert 08/02/2018 14:11 CET

In Wien tanzt die Justiz: Vom Opernball zum Juristenball

Pressefoto Juristenball

Der frühere Justizminister Brandstetter eröffnete den Juristenball 2017 in der Wiener Hofburg. Brandstetter zeigte auch hier wie gewohnt gute Laune.

Ballsaison in Wien

Der Kanzler am Opernball

Hochrangiger Juristenball in der Hofburg

Um Mitternacht fallen die Masken: The Rats are Back

Am Donnerstag wird Sebastian Kurz beim traditionellen Opernball erstmals als neuer österreichischer Bundeskanzler auftreten. Der Wiener Opernball ist das bedeutendste gesellschaftliche Ereignis in Wien.

Kurz kündigte an, dass er das somalische Model Waris Dirie als Stargast in seine Loge bringt. Damit wird Sebastian Kurz zur ersten ernsthaften Konkurrenz des òsterreichischen Unternehmers Richard Lugner, der bisher am Opernball für die Stargäste zuständig war. Im vergangenen Jahr wurde er von der Schauspielerin Goldie Hawn begleitet, dieses Mal soll aus Hollywood Melanie Griffith als sein Ehrengast kommen.

Richard Lugner ist eine Art österreichischer Donald Trump. Lugner ist Bau-Tycoon und kandidierte bereits für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten. Er kandidierte dafür bereits 1998 und erhielt damals 9,9 Prozent der Stimmen. Lugner erzielte mit seinen Stargästen seit 1992 stets großes Medieninteresse. Eine Werbeausgabe, die sich rentiert. 1993 war der Stargast Joan Collins und 1994 kam Ivana Trump. Die Medien berichten bereits Wochen vor der Veranstaltung ausführlich. Jetzt will Kanzler Kurz dem Baumeister offenbar die Medien abjagen.

Richard Lugner zeigte sich bereits empört, dass er für diesen Auftritt beim Opernball nur eine Loge im 2. Rang zugeteilt bekommen hat: “Andere, die keine Stammgäste sind, bekommen eine Loge im 1. Rang“, so Lugner. Da in der Organisation des Opernballs bekannt ist, dass Richard Lugner seit rund 25 Jahren für einen international renommierten Stargast sorgt, ist diese Degradierung tatsächlich nicht nachvollziehbar.

Juristenball in der Hofburg

Der Juristenball findet in den Medien weniger Aufmerksamkeit. Dennoch ist er ein hochrangiges Ereignis der Ballsaison in Wien. Ein Treffen der österreichischen Justizbehörde. Der Ball findet am 10. Februar in der Wiener Hofburg statt.

Am Fasching-Samstag kommen amtierende und ehemalige Minister, der Generalprokurator, der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Verfassungsrichter, der Präsident des Obersten Gerichtshofs, der Präsident der Notariatskammer, der Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags, der Dekan der Juridischen Fakultät der Universität Wien. Dazu kommen noch die Sektionschefs des Justizministeriums, wie Christian Pilnacek, der als Leiter der Sektion IV für Strafrecht zuständig ist.

Auch bekannte Politiker sind dabei. 2017 trat Michael Spindelegger auf, der frühere Bundesparteiobmann der ÖVP, der seinen Studienkollegen Michael Brandstetter zum österreichischen Justizminister machte. Weiters Ingrid Korosec, die Präsidentin des Seniorenbundes. Auf ihrem Schreibtisch liegen hunderte Hinweise auf kriminell motivierte Sachwalterschaft in Österreich, die von den Justizbehörden gedeckt wird. Oder Othmar Karas, der mit einem Vorzugsstimmenwahlkampf 2009 noch zum Abgeordneten des Europäischen Parlaments wurde. Zu seinen Wahlversprechen zählte es, dass er in Brüssel insbesondere für die Anliegen der Bürger sich einsetzen möchte.

Der Juristenball 2017 wurde noch von Bundesminister Wolfgang Brandstetter eröffnet. In diesem Jahr wird dafür der neue Justizminister Moser erwartet. Die ÖVP teilte bereits in einer Presseaussendung mit, dass Moser, Korosec und Karas den Juristenball besuchen werden:

ÖVP-Termine Samstag, 10. Februar 2018 20:00 BM Dr. Josef Moser, Seniorenbund-Präsidentin LAbg. Ingrid Korosec und MEP Dr. Othmar Karas besuchen den "Juristenball" (Hofburg)

The Rats Are Back

pressematerial

Foto: “The Rats are Back” und treten am Juristenball auf.

Um Mitternacht sollen die Masken fallen. Da ist als Auftritt vorgesehen: „The Rats are Back“. So steht es bereits am Programmzettel: „Juristinnen und Juristen laden zum Tanz“. Tatsächlich geht die Justiz in Wien zum Tanz, während in Österreich in tausenden Fällen Verletzungen der Grundrechte gegeben sind. Es kommt zu kriminell motivierten Enteignungen durch Willkürakte der Richter, gegen die seit Jahren nicht vorgegangen wird. Die zuständigen Beamten des Justizministeriums und die Staatsanwaltschaft ignorieren alle Hinweise auf strafrechtlich relevante Tatbestände.

Zum Tanz darf man gehen. Aber zuvor muss man dafür sorgen, dass im Alltag noch Ordnung herrscht. Ansonsten wird die Feierlaune zu einem Tanz auf dem Vulkan.

Fotos vom Juristenball 2017:

pressefoto juristenball

Sektionschef Christian Plinacek von der Sektion für Strafrecht am Juristenball 2017

pressefoto juristenball

Ingrid Korosec, die Präsidentin des Seniorenbundes, am Juristenball 2017.

pressefoto juristenball

Othmar Karas, Abgeordneter zum EU-Parlament, am Juristenball 2017

Links:

Auf Huffington erschienen die Beiträge:

In Österreich werden tausendfach Grundrechte verletzt - mit Unterstützung des Justizministeriums

Ich decke auf: Justizskandal in Österreich

Über Verletzte Grundrechte in Österreich erschien auf The European der Beitrag: Grundrechte in der Europäischen Union werden verletzt: Der Fall Österreich

Über den Zustand der österreichischen Justizbehörde auf Tabula Rasa der Beitrag: Struktur der massenweisen Enteignung: Das österreichische Justizministerium

© Autor: Johannes Schütz, 2018

www.huffingtonpost.de/author/johannes-schuetz

Johannes Schütz ist Medienwissenschafter und ehemaliger Dozent an der Universität Wien.

Email: info (at) communitytv.eu