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03/05/2018 09:14 CEST | Aktualisiert 03/05/2018 09:14 CEST

In safe hands: So möchte die Generation Y starken gesellschaftlichen Impact hinterlassen

Jonas Ermes im Interview

Interview mit Jonas Ermes,Vorsitzender In safe hands e.V.

Jonas Ermes wurde 1992 in Plettenberg im Sauerland geboren. Nach seinem Abitur am St. Ursula Gymnasium Attendorn unterschrieb er einen Profivertrag beim VfL Bochum und war dort für drei Jahre Torhüter des Lizenzspielerkaders. Parallel zu seiner sportlichen Laufbahn begann er an der Ruhr Universität Bochum ein Bachelor-Studium in „Management and Economics“. Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende nahm er seine Arbeit im SportConsulting Team von PricewaterhouseCoopers auf, kündigte aber im April 2016 kurz vor dem Beginn des Dualen Masters und übernahm hauptamtlich die Geschäftsführung des gemeinnützigen Vereins In safe hands e.V., den er im September 2015 gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitspieler Andreas Luthe gegründet hatte. Bei In safe hands e.V. zeichnet er sich nun verantwortlich für die Strategie, das Fundraising sowie den Aufbau eines weitreichenden Netzwerks in Sport, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

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Sarah Rauch
"Mein Leben begann quasi auf dem Fußballplatz neben meinem Elternhaus"

Jonas Ermes

Inwiefern hat der Fußball Dein Leben beeinflusst?

Mein Leben begann quasi auf dem Fußballplatz neben meinem Elternhaus und nahm von dort aus auch seinen Lauf. Der Fußball war seit meinem vierten Lebensjahr meine große Leidenschaft - und jedem, der mich fragte, was ich denn einmal werden möchte, antwortete ich selbstbewusst: „Profifußballer“. 15 Jahre später ist es dann tatsächlich so gekommen: Ich durchlief die U17 und die U19 des VfL Bochum, nahm 2009 mit der deutschen U17 Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Nigeria teil und unterschrieb mit 19 einen dreijährigen Profivertrag beim VfL Bochum. Der Fußball hat eigentlich mein ganzes Leben bestimmt!

Während viele Deiner damaligen Mannschafskollegen mittlerweile im europäischen Spitzenfußball angekommen sind, musstest Du Deine professionelle Fußballlaufbahn im Juni 2015 verletzungsbedingt beenden. Was hast Du danach gemacht?

Ich schloss mein parallel zum Fußball begonnenes Studium in „Management and Economics“ an der Ruhr-Universität Bochum ab und stieg im Anschluss bei PricewaterhouseCoopers in das SportConsulting-Team ein: zunächst als Praktikant und Werkstudent, dann in einen Vollzeit-Job mit Option auf einen dualen Master. Ich merkte jedoch schnell, dass mein Wertehorizont nicht mit der Unternehmenskultur vereinbar war und ich in der ausschließlich profitorientierten Wirtschaft keine Zukunft haben würde.

Was meinst Du damit konkret?

Einfach gesagt, fehlte mir der Sinn in meiner Arbeit. Während meines Praktikums bei PwC hatte ich gemeinsam mit meinem ehemaligen Mitspieler Andreas Luthe In safe hands e.V. gegründet und konnte dort immer wieder erleben, wie erfüllend es ist, anderen Menschen, insbesondere Kindern zu helfen und ihnen ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern. In der klassischen Wirtschaft kam das leider viel zu kurz.

Wie verlief Dein weiterer Weg?

Eine Indien-Reise mit der Studenten-Nationalmannschaft im Januar 2016 öffnete mir endgültig die Augen und ließ in mir die Überzeugung wachsen, dass der Fußball wieder verstärkt in mein Berufsleben einfließen müsse – jedoch nicht der kommerzialisierte Profifußball, sondern der Grassroots-Fußball, der mit seiner sozialen Kraft einen großen gesellschaftlichen Impact hinterlassen kann. Folglich kündigte ich im Frühjahr 2016 meine Festanstellung bei PwC und übernahm stattdessen den hauptamtlichen Vorsitz von In safe hands e.V.

Was macht dieser Verein, und was ist Deine Aufgabe?

In safe hands e.V. nutzt den Fußball, um Kinder unterschiedlichster Herkunft zusammenzubringen, Integrationsprozesse einzuleiten und die sozial-emotionale Intelligenz der Kindern spielerisch zu fördern. Als Vorsitzender leite ich den Verein, entwickelte die Strategie, vernetze und bin für das Fundraising zuständig.

Unser Ziel ist es zudem, Ideen zu entwickeln, wie der Profifußball gesellschaftliche Verantwortung entwickeln und diese leben kann. Hierzu habe ich unter anderem einen Beitrag im Springer- Buch „CSR und Fußball“ geschrieben, das im Sommer 2018 erscheinen wird.

Was ist – kurz zusammengefasst – die Quintessenz Deines Beitrags?

Dass nachhaltiges Management, das auf gemeinsam mit den Stakeholdern entwickelten Leitlinien beruht, zur Markenbildung und -positionierung der Vereine beitragen und einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann. Zudem sind NGO-Kooperationen ein gewinnbringendes Tool im Rahmen der CSR-Projekte.

Mit welchen Fragen beschäftigst Du Dich noch?

Beispielsweise damit, wie junge Menschen ihren Weg zum individuellen Glück finden können, und warum sie oftmals nicht den Mut aufbringen, strategische Entscheidungen zu treffen und so ihr Leben aktiv zu gestalten. Viele haben meine Entscheidung, bei PwC zu kündigen und „nur noch“ In safe hands e.V. zu machen, als „mutig“ bewertet. Doch für mich war es die logische Konsequenz, wenn ich mein Leben sinnvoll, selbstbestimmt und glücklich führen wollte.

Was sind heute Deine Kernthemen?

Zu meinen wichtigsten Themen gehören insbesondere Social Entrepreneurship und CSR im Profifußball. Darüber hinaus beschäftige ich mich auch mit nachhaltigen Konsum, Ernährung und der Startup-Szene. Für ein neues Projekt tauchen wir gerade auch in den Bereich der sozial-emotionalen Intelligenz im Kindesalter ein, was unglaublich spannend ist.

Was verbindest Du mit dem Begriff Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, in der heranwachsenden Generation über vorbildliches Denken und Handeln das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mitmenschen und Umwelt zu erwecken und so die zukünftige Gesellschaft zu gestalten.

Weiterführende Informationen:

CSR und Sportmanagement. Jenseits von Sieg und Niederlage: Sport als gesellschaftliche Aufgabe verstehen und umsetzen. Hg. von Alexandra Hildebrandt. SpringerGabler Verlag, Heidelberg, Berlin 2014.

Alexandra Hildebrandt: Wie Nachhaltigkeit in die Köpfe des Fußballs kommt. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.