LIFE
04/01/2019 18:11 CET

In Indien haben 5 Millionen Frauen eine Menschenkette gebildet – das steckt dahinter

"Wenn ich mich zu einem bestimmten Ort hingezogen fühle, um ein Rendezvous mit dem Gott zu haben, wer wird mich dann daran hindern?”

Hindustan Times via Getty Images
Fast 600 Kilometer lang war die Protest-Kette der Frauen in Indien.
  • Seit September protestieren Frauen in Indien für ihr Recht, Tempel betreten zu dürfen.
  • Jetzt haben Frauen eine riesige Kette gebildet, um für Gleichberechtigung in ihrer Heimat einzustehen.

Hunderttausende Frauen – laut der Zeitung “Times of India” gar fünf Millionen – haben in Indien eine rund 600 Kilometer lange Kette geformt, um gegen die Diskriminierung von Frauen zu protestieren.

Mit der “Women’s Wall” – “Frauen-Mauer” setzten die Frauen ein Zeichen gegen radikale Hindus im Land, die Mädchen und Frauen im Alter zwischen zehn und 50 Jahren den Zutritt zum heiligen Hindu-Tempel Sabarimala im Bundesstaat Kerala verwehren.

Annie Raja, eine indische Frauenrechtlerin, sagte dem TV-Sender Al Jazeera:

“Wir wollen nicht zurückgehen. Wir wollen nach vorne gehen und wir wollen Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Geschlechter.”

Einige Hindus betrachten Frauen, die ihre Menstruation bekommen, als unrein. Deshalb finden sie es respektlos, wenn sie Tempel betreten.

Die Proteste dauern bereits seit September an, seitdem der oberste Gerichtshof Indiens ein Verbot aufgehoben hatte, das Frauen unter 50 den Zutritt zum Schrein verwehrte. Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass sowohl Frauen als auch Männer ein Recht auf Religionsausübung hätten.

Doch seitdem herrscht Unruhe im Land. Liberale feiern das Urteil, religiöse Hardliner protestieren, Kritiker sagen, der indische Staat dürfe sich nicht in religiöse Angelegenheiten einmischen. Konservative Hindu-Bewegungen legten Widerspruch gegen das Urteil ein. Am 22. Januar soll es eine Anhörung geben.

Rechte Anhänger der indischen Regierungspartei unterstützen den Gegenprotest

“Gott ist überall, aber wenn ich mich zu einem bestimmten Ort hingezogen fühle, um ein Rendezvous mit dem Gott zu haben, wer wird mich dann daran hindern?”, sagte Jamela Prakasam, indische Politikerin und Aktivistin.

“Das sollte die Haltung sein, um das weibliche Volk zu stärken. So zeigen wir dem weiblichen Volk, dass das ihr Recht ist.”

Rechte Anhänger der indischen Regierungspartei Bharatiya Janata haben den Gegenprotest unterstützt – trotz des Gerichtsbeschlusses.

Der indische Premierminister Narendra Modi sagte, bei dem Verbot gehe es um Tradition. “Es gibt einige Tempel in Indien, die ihre eigenen Traditionen pflegen. Zum Beispiel, dass Männer den Tempel nicht betreten dürften und Männer gehen dort auch nicht hinein.”

Die Frauen werden so schnell nicht aufgeben, der Protest ist beispiellos in der Geschichte Indiens. Und am Mittwoch schafften es zwei Aktivistinnen dann sogar ins Innere des Sabarimala-Tempels – unter Polizeischutz.

(ben)