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02/10/2018 08:03 CEST | Aktualisiert 02/10/2018 14:04 CEST

Schikaniert und abkassiert: Wallraff deckt widerliche Vermieter-Psycho-Ticks auf

Ein Mitarbeiter von "Team Wallraff" schleicht sich bei einem Immobilienunternehmen ein.

  • Die Mitarbeiter von “Team Wallraff” sind wieder undercover unterwegs, um Missstände in Deutschland aufzudecken – diesmal geht es ums Thema Wohnen.
  • Bei einem Münchner Immobilienunternehmen deckt ein Journalist auf, mit welchen Mitteln Makler ihre Mieter schikanieren. 
  • Oben im Video: Ein Münchner lebte im Zug, weil er sich die Miete nicht leisten konnte – nun hat es ein Ende.

“Das ist ein Stinker-Mieter” sind wohl die mit nettesten Worte, die ein Mitarbeiter des Immobilienunternehmens Haus von Beck für seine Mieter findet.

Solche Schimpftiraden bekommt ein Mitarbeiter von “Team Wallraff” auf RTL mehrfach zu hören, als er sich als vermeintlicher Immobilienmakler in den zwielichtigen Münchner Familienbetrieb schleicht.

► Dort erfährt der Journalist, mit welcher Härte und Willkür gegen unschuldige Mieter vorgegangen wird – teilweise mit rechtlich bedenklichen Methoden. 

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Günter Wallraff und einer seiner Mitarbeiter, der sich als Immobilienmakler ausgibt. 

Verkaufen, egal um welchen Preis

Mit Immobilien ans große Geld kommen: Nicht zuletzt locken lukrative Gewinnchancen potentielle Makler in die Branche. Wallraffs Mitarbeiter macht in nur einer Woche einen Crash-Kurs zum Immobilienmakler in Hamburg – Kosten: etwa 1000 Euro.

Schon im Kurs wird schnell klar, worum es eigentlich geht: Verkaufen, egal um welchen Preis. Der Ausbilder deutet an, für den Makler sei es besser, sich nicht allzu gut mit möglichen Mängeln auszukennen: “Gesegnet sei der Makler, der nie ein Objekt besichtigt hat.”

Als Immobilienmakler muss man Durchsetzungsvermögen beweisen

Was in der Ausbildung lediglich angedeutet wurde, wird im Haus von Beck bittere Realität: Schon im Vorstellungsgespräch wird der Journalist, getarnt als Bewerber, vor allem auf sein Durchsetzungsvermögen geprüft – und besteht: Wallraffs Mitarbeiter wird eingestellt.

Der erste Arbeitstag dient offensichtlich nicht nur der Einarbeitung – die Mitarbeiter von Haus von Beck zeigen keine Scheu, ihre respektlose und nahezu verächtliche Haltung gegenüber ihren Mietern offenzulegen und ermutigen den vermeintlich neuen Kollegen, bei Mietern hart durchzugreifen.

RTL

Wer sich beschwert, bekommt eine Abmahnung

So wird einer gesamten WG mit der Wohnungskündigung gedroht, weil ein nunmehr ehemaliger Mitbewohner sich weigert, für einen Schaden am Parkettboden aufzukommen. Die Mieter sind überzeugt, der Schaden hätte schon beim Einzug bestanden.

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Obwohl den Mitarbeitern Fotos des Schadens vom Einzugstermin vorliegen, zeigen sie keine Einsicht. Der ehemalige Mitbewohner gibt schließlich nach. “Das war denen auf jeden Fall eine Lehre, egal wie”, sagt ein Makler in der Sendung.

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Die Verachtung scheint keine Grenzen zu kennen.

Hartes Durchgreifen gilt auch bei Mietern, die Schuhe oder Müll im Flur stehen lassen oder ihren Papiermüll nicht getrennt entsorgen. Dafür gibt es sofort Abmahnungen.

Rassistische Bemerkungen vom Makler scheinen ganz normal

Besonders deutlich wird der Menschenhass der Makler, wenn das Asylheim, das Haus von Beck betreut, zur Sprache kommt: “Da sin Schwarze drin und das sind alles Wilde.” Weiterhin heißt es:

“Wenn ich der Hausmeister wäre, ich hätte schon den ein oder anderen über den Balkon geschmissen.”

Die Verachtung scheint keine Grenzen zu kennen. Auch Beatrix Zurek, Vorsitzende des Münchner Mietvereins, sagt in der Sendung: “Unglaublich, wie die mit den Mietern reden.” Auch sie empfinde Kommunikation als menschenverachtend. Die Methoden der Haus-von-Beck-Mitarbeiter können man geradezu als Nötigung betrachten.

Frau gesteht vor Makler: Sie kann keine Kinder kriegen

Einen traurigen Höhepunkt erreichen die Methoden der Immobilienmakler beim Verhör eines jungen Pärchens: Sie möchten gerne zusammenziehen. Das schürt Misstrauen im Haus von Beck. Was, wenn das Paar Kinder möchte? Dann könne man sie nicht mehr so einfach aus der Wohnung kriegen.

Schließlich haken die Mitarbeiter so unnachgiebig nach, wie das Paar sich seine Zukunft vorstellt, bis die junge Frau gesteht, sie könne keine Kinder kriegen.

Zurek kommentiert in der Sendung: “Da überschreitet er alle Grenzen, rechtlich sowie moralisch.”

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Auf Nachfragen des Teams Wallraff hat das Haus von Beck bis heute nicht reagiert. 

Positiv-Beispiel: Mietminderung bei Neugeborenen

Dass Vermietung auch anders funktionieren kann, zeigt ein Positivbeispiel am Ende der Sendung: So schenkt Vermieter Wolfgang Fischer jeder Familie für ein neugeborenes Kind 50 Euro Mietnachlass und vermietet zu äußerst günstigen 12 Euro pro Quadratmeter – ein Schnäppchen in München

(lp)