POLITIK
12/04/2018 16:59 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 12:24 CEST

Immer mehr Syrer fliehen aus Deutschland in die Türkei

Dies sei eine "paradoxe Entwicklung".

  • Mehr und mehr Syrer flüchten offenbar mit Hilfe von Schleusern aus Deutschland in die Türkei
  • Ein Grund soll die erschwerte Familienzusammenführung sein
  • Oben im Video seht ihr, wie die Schleuser die Flüchtlinge in die Türkei bringen

Syrische Flüchtlinge, die eigentlich offiziell in Deutschland leben dürfen, verlassen offenbar zunehmend die Bundesrepublik. Dies hätten gemeinsame Recherchen ergeben, berichten am Donnerstag das ARD-Politikmagazin “Panorama” und das Reporterformat “STRG_F” von Funk.

Als Grund nennen viele Syrer demnach die erschwerte Familienzusammenführung. Wer in Deutschland nur subsidiären Schutz genießt, kann in der Regel seine Familie nicht nachholen.

“Umgekehrte Flucht”

Den Berichten zufolge reisen viele Flüchtlinge illegal und auf zum Teil riskanten Routen in die Türkei, da sie kein Visum für die Ausreise in die Türkei erhalten. Oftmals nehmen sie demnach die Hilfe von Schleusern in Anspruch. 

In sozialen Netzwerken wie Facebook gebe es schon Gruppen, in denen sich Tausende Flüchtlinge über die “umgekehrte Flucht” und die Schleuser-Preise dazu austauschten. So koste eine Passage über den Grenzfluss Evros, der Griechenland von der Türkei trennt, ungefähr 200 Euro.

Die Reporter interviewten auch Schleuser, die den Trend bestätigt haben. Einer erklärte, dass er täglich bis zu 50 Menschen zurück aus Europa in die Türkei bringe.

Hauptsächlich seien es syrische Flüchtlinge, die in Deutschland einen Aufenthaltsstatus hätten. Ein anderer Schleuser sagte, inzwischen hole er mehr Flüchtlinge aus Europa als umgekehrt.

Es sei eine “paradoxe Entwicklung”

Der Repräsentant des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in Deutschland, Dominik Bartsch, sagt “Panorama” dass, er bereits von solchen Fällen gehört habe, ohne diese zählen zu können.

Dass Flüchtlinge auf derselben Route, auf der sie nach Deutschland gekommen seien, wieder zurückgingen, sei “paradox”. Die Fälle zeigten, wie wichtig der Schutz der Familie sei.

Viele Flüchtlinge hätten es sogar schriftlich bekommen, dass sie ihre Familie ab März 2018 nachholen könnten. Doch daraus wird nun nichts. Bartsch sagt, diese Menschen fühlten sich jetzt natürlich im Stich gelassen.

(tg/sk)