POLITIK
14/09/2018 08:33 CEST | Aktualisiert 12/10/2018 10:28 CEST

"Illner": Wie CDU-Mann Amthor der AfD in die Hände spielt – ohne es zu merken

In einem Nebensatz bediente der CDU-Politiker ein Narrativ der Rechtspopulisten.

Screenshot / ZDF
"Maybrit Illner": CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor.
  • CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor kritisiert im ZDF-Talk “Maybrit Illner” die Medien im Fall Maaßen.
  • Mit einem Nebensatz bedient er dabei ein Narrativ der AfD: Dass die Partei ein Opfer der Medien sei.

Die Sendung plätschert dahin. Gut zehn Minuten läuft der ZDF-Talk von Maybrit Illner. Der Bundestagsvizepräsident und SPD-Politiker Thomas Oppermann darf gegen Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen austeilen, CDU-Innenpolitiker Thomas Amthor ihn verteidigen.

Dann geht der Jungpolitiker zu einem Gegenangriff über.

Er unterstellt den Maaßen-Gegnern, zu den neben der SPD auch die Grünen und die Linkspartei gehören, “eine politische Rechnung begleichen” zu wollen.

Pikant: Im weiteren Verlauf bedient Amthor – womöglich unfreiwillig – das Narrativ der AfD, die Partei sei ein Opfer der Medien, wie der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje auf Twitter bemerkt

“Wage Faktengrundlage”?

Amthor hinterfragt bei “Illner” die Aussagen des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner, nachdem Maaßen ihm bei einem Treffen am 13. Juni “Zahlen aus dem Verfassungsschutzbericht” genannt habe, der “noch nicht veröffentlicht” gewesen sei. Auch gegenüber der HuffPost bestätigte Brandner das Treffen.

Aufgrund der Recherchen des ARD-Magazins “Kontraste” sahen sich die Maaßen-Kritiker in ihrer Auffassung bestätigt, dass der Verfassungsschutzchef eine zu enge Kommunikation mit der AfD pflege oder die Partei gar unterstütze.

Für Amthor fußt der Fall Brandner allerdings auf einer “vagen Faktengrundlage”. Die Aussage des AfD-Politikers stehe gegen die Aussage von Maaßen, der abstritt, unrechtmäßig Informationen oder Unterlagen weitergegeben zu haben.

Die AfD sieht sich als Medienopfer

“Ich bin doch erstaunt”, sagt der CDU-Politiker dann, “dass dieselben Medien, die sonst per se alles von der AfD verurteilen, auf einmal Herrn Brandner als Kronzeugen heranziehen.”     

Es ist ein Nebensatz, der die AfD in ihrer Opferrolle, die sie gegenüber den Medien einnimmt, bestätigt.

Fakt ist: Sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Medien verurteilen die AfD nicht in jedem Fall. Die Partei wird ebenso kritisch wie alle anderen Bundestagspartien betrachtet.

Das Problem ist, dass die AfD weit überdurchschnittlicher mit Hass, falschen oder einseitigen Informationen von sich Reden macht als CDU, SPD und Co.

Amthor selbst weiß das sicherlich – im Bundestag ist er einer der profiliertesten Kritiker der AfD. Doch bei “Illner” sprang er der Partei mit seiner unvorsichtigen Formulierung bei. 

(jg)