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02/02/2018 07:08 CET | Aktualisiert 02/02/2018 09:20 CET

Philosophin redet bei "Illner" sexuelle Gewalt klein – und bringt eine Feministin in Rage

“Das Bild, was produziert wird, ist das einer passiven Frau, die auf einen allmächtigen Phallus reagiert.”

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Die Feministin Anne Wizorek und die Journalistin Svenja Flaßpöhler im Streitgespräch bei "Maybrit Illner"
  • Bei “Maybrit Illner” wird am Beispiel der Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel über sexuelle Gewalt diskutiert
  • Die Journalistin Svenja Flaßpöhler beschwert sich dabei über die angeblich falsch geführte MeToo-Debatte – und bekommt heftig Kontra

Sieben Frauen haben dem Regisseur Dieter Wedel vorgeworfen, sie sexuell genötigt oder gar vergewaltigt zu haben. In der Runde der Talk-Sendung “Maybrit Illner” sitzt am Donnerstagabend eine dieser Frauen: Die ehemalige Schauspielerin Patricia Thielmann. 

Sie erklärt, warum sie ihre Anschuldigungen gegen Wedel Anfang Januar öffentlich machte.

“Es geht mir nicht um Vergeltung, sondern darum, Frauen zu zeigen, dass sie Unterstützung brauchen”, sagt Thielmann. Es habe sie erschüttert, wie viel Gegenwind sie für ihre Aussagen über Wedel erhalten habe. 

Für das Kontra ist im Studio an diesem Abend Svenja Flaßpöhler zuständig, Chefredakteurin des “Philosophie Magazins”. Sie brandmarkt die aktuelle Debatte über Sexismus in der Gesellschaft als “falsch und gefährlich” – und das mit einem kruden Argument. 

“MeToo nützt den Frauen nichts” 

Flaßpöhler argumentiert, der Fall Wedel sei ja 30 Jahre oder mehr her, wenn er denn so passiert sei. Und die MeToo-Debatte zeichne von der heutigen Gesellschaft ein Bild, “an dem an jeder Ecke ein Dieter Wedel in Machtpositionen wartet – und die Frauen sind ausgeliefert”. 

Die Frau werde so in eine infantile Opferrolle gedrängt – egal, ob es um Sexismus oder sexuelle Gewalt gehe. “MeToo, ich auch – ja was denn, ich auch?”, fragt Flaßpöhler.

“Wird mir ein Dirndlspruch reingedrückt, werde ich auf den Hintern gefasst oder werde ich vergewaltigt?” 

Es gäbe Situationen, in denen sich Frauen natürlich wehren könnten. “Man muss doch jetzt nicht eine Politik der Abschreckung fahren”, sagt die Philosophin allen Ernstes. 

Damit bringt Flaßpöhler nicht nur die Feministin Anne Wizorek in Rage – sondern handelt sich auch eine kühle, aber deutliche Abfuhr von Patricia Thielmann ein. 

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“Ich weiß nicht, in welcher Realität Frau Flaßpöher lebt”

Wizorek, eine der Initiatoren der“Aufschrei”-Kampagne , empört sich darüber, dass in jeder Sexismus-Debatte irgendwann das Argument “Was dürfen Männer überhaupt noch?” komme. 

Sexismus und sexuelle Gewalt seien ein strukturelles Problem. “Die Zahlen in Deutschland sprechen für sich”, betont Wizorek. “Jede zweite Frau hat schon einmal sexuelle Belästigung erlebt, jede siebte hat eine Vergewaltigung erfahren müssen.” 

“Ich weiß nicht, in welcher Gesellschaft Frau Flaßpöhler lebt, die Realität ist schlichtweg eine andere”, sagt Wizorek ungläubig lachend. “Wir dürfen nicht erst, wenn ein Vergewaltigung passiert, darüber reden dürfen – sondern auch bei allem was vorher passiert.” 

Flaßpöhler entgegnet, MeToo sei nur dann gut, wenn Frauen dadurch in eine aktive Rolle kommen. Wizorek unterbricht sofort: “Das sind sie doch schon!”

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Nein, entgegnet die Journalistin, in konkreten Situationen würden sich Frauen nicht wehren oder klare Haltung zeigen. “Das Bild, was produziert wird, ist das einer passiven Frau, die auf einen allmächtigen Phallus reagiert”, sagt sie.

Wizorek kann nur noch weiter den Kopf schütteln. 

Dann der Hammer von Flaßpöhler: “Jegliche Verführung ist in Gefahr als sexuelle Gewalt wahrgenommen zu werden.” 

Die beste Antwort auf diesen Vorwurf kommt von Patricia Thielmann. Die Ex-Schauspielerin sagt:

► “Es gibt doch eine ganz klare Grenze, wo eine Anmache aufhört und ein sexueller Übergriff beginnt. Das weiß doch jeder, der klar im Kopf ist.

(mf)