GOOD
15/11/2018 19:04 CET | Aktualisiert 16/11/2018 08:38 CET

Plastik in Kleidung schadet dir und der Umwelt – so kannst du etwas dagegen tun

Plastik ist überall – auch in deinen Hosen, Pullis, Jacken und Sportklamotten.

Merethe Svarstad Eeg / EyeEm via Getty Images

Plastik. Plastik. Plastik. Überall ist Plastik. Kürzlich haben Forscher auch zum ersten Mal Plastik im menschlichen Körper nachgewiesen. 

Dass Plastik schlecht ist, unsere Meere vermüllt und Tiere vergiftet, dürfte inzwischen den meisten Menschen klar sein. Hier und da wird versucht, verpackungsfrei einzukaufen, keine Plastiktüten zu benutzen und Plastikstrohhalme zu vermeiden. Doch ist es damit getan?

Absolut nicht. Gefährlich ist neben dem sichtbaren Plastik nämlich vor allem Mikroplastik. Und mehr als ein Drittel der Menge, die davon in den Weltmeeren landet, stammt nicht von Verpackungen oder Kosmetik – sondern aus unserer Kleidung.

Wie die International Union for Conservation of Nature (IUCN) in einer Studie bekannt gab, werden jedes Jahr 42 Millionen synthetische Textilfasern auf der Welt verbraucht. Zwischen 1992 uns 2010 ist der Verbrauch um gigantische 300 Prozent angestiegen.

Und das ist eine Gefahr – für die Umwelt, aber auch uns Menschen.

Wenn wir Wäsche waschen, landet Plastik im Meer

Kunstfasern machen Stoffe dehnbarer, wasserabweisend, leicht, flexibel und anpassungsfähig – deshalb werden die Fasern zwar vor allem in Outdoor-, Sport- und Badekleidung, aber auch in Stretch-Jeans, T-Shirts, Kleidern und Pullis verwendet.

Aber das Problem ist, dass sich Mikroplastik durch Abrieb aus den Textilien lösen kann.

“Sobald Kunstfaser in Textilien verarbeitet ist, kann sich diese beim Waschen lösen, vor allem bei Outdoor-Textilien. Fleece-Stoffe und Schals sind zum Beispiel extrem davon betroffen, weil Fleece sehr locker gewebt ist – da löst sich das Mikroplastik extrem leicht”, erklärt Nachhaltigkeits-Expertin Madeleine Alizadeh im Gespräch mit der HuffPost, die auf Instagram als “dariadaria” Hunderttausende Menschen erreicht.

Waschmaschinen und Kläranlagen können Mikroplastik nicht filtern

138.000 Fasern aus Polyester-Baumwoll-Mischgeweben landen so durchschnittlich bei jedem Waschgang im Abwasser, wie eine Studie der britischen “Plymouth University” ergeben hat. Mehr als das Dreifache (rund 496.000 Fasern) sind es beim Waschen von Klamotten aus reinem Polyester, bei Kleidung aus Acryl-Gewebe sind es 730.000 Fasern. 

“Eine Stadt von der Größe Berlins spült jeden Tag eine riesige Menge Mikroplastik ins Abwasser, die etwa 540.000 Plastiktüten entspricht”, sagt Alizadeh. Vieles davon stammt vom Waschen unserer Kleidung. 

Waschmaschinen können Mikroplastik bislang nicht filtern – auch Kläranlagen können die Fasern nicht aufhalten. Lediglich eine Schlussfiltration könnte die Belastung der Gewässer reduzieren. Doch die ist teuer. Folglich gelangt Mikroplastik ins Abwasser, in Flüsse und landet letztlich im Meer.

Mikroplastik gefährdet unsere Gesundheit

Aber es ist nicht nur ein Problem, dass das Mikroplastik aus unserer Kleidung beim Waschen im Meer landet und dort Fischen – die wir essen – und der Umwelt schadet, sondern es landet durch Abrieb auch in der Luft, die wir einatmen – und kann unsere Gesundheit gefährden.

Wenn einer dieser Stoffe auf dem Etikett deines Kleidungsstücks steht, enthält es Kunstfaser:

  • Aramid  wird auch als Kevlar, Nomex oder Twaron bezeichnet.
  • Polyamid – wird auch als Nylon, Peron, Dederon und Grilon bezeichnet, abgekürzt PA.
  • Polyester – wird auch als Diolen oder Trevira bezeichnet, abgekürzt PES.
  • Polyethylen – wird auch als Dyneema bezeichnet, abgekürzt PE.
  • Polypropylen – wird auch als Asota bezeichnet, abgekürzt PP.
  • Polyuretha – wird auch als Elasthan, Spandex, Lycra oder Dorlastan bezeichnet, abgekürzt EL.

Auch wenn das Gesundheits-Risiko von Mikroplastik vor allem von der Konzentration im Körper abhängt und das bislang wenig erforscht ist, sind die ersten Ergebnisse zu den Auswirkungen von Plastik auf den menschlichen Körper beunruhigend.

Problematisch sind vor allem sogenannte Phthalate, sprich Weichmacher. Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Union hat Weichmacher als fruchtbarkeitsschädigend eingestuft. Außerdem stehen Weichmacher im Verdacht, Asthma, Krebs, Allergien, und Funktionsstörungen im Gehirn auszulösen. Damit haben sich beispielsweise Forscher der University of California und das Umweltbundesamt auseinandergesetzt. 

Im Mai 2018 warnten Ärzte zudem vor dem Phänomen der “Kreidezähne” bei Kindern. Kreidezähne sind äußerst schmerzempfindlich, sind sehr sensibel bei Hitze, Kälte und auch beim Zähneputzen, im Schnitt leiden 10 bis 15 Prozent der Kinder darunter. Auch hierfür könnten Weichmacher die Ursache sein.

Fast bei jedem Menschen sind Weichmacher oder ihre Abbauprodukte im Blut und/oder im Urin nachweisbar, sagt das Umweltbundesamt.

Also was tun? 

Waschbeutel und Naturfasern

Da Waschmaschinen bislang noch nicht über entsprechende Filter verfügen, um die Fasern aufzuhalten, hat die Firma Guppyfriend einen Waschbeutel entwickelt, der dies tut. 

“Ich persönlich verwende auch so einen Beutel und das funktioniert sehr gut. Ich versuche, Kleidung, die sehr locker gewebt ist, wie Fleece oder auch Schals zum Waschen immer dort hineinzupacken, aber auch meine Yoga- und Bade-Kleidung”, sagt Alizadeh.

Wer sich keinen Waschbeutel kaufen will, kann zumindest versuchen, Kleidung aus Kunstfasern weniger stark zu schleudern und etwas kälter zu waschen. Und vielleicht müsst ihr eure Kleidung manchmal auch gar nicht waschen, lüften genügt, damit ihr sie noch einmal tragen könnt.

Ansonsten ist es sinnvoll, Kleidung zu kaufen, die aus Naturfasern hergestellt wurde. Sprich Stoffe aus Baumwolle, Wolle, Seide, Leinen, Hanf und anderen Pflanzenfasern.

(ll)