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02/11/2018 18:46 CET | Aktualisiert 03/11/2018 07:33 CET

Kaffee, Kleidung, Strom: Ihr wollt nachhaltiger leben? Diese Ideen helfen

Es ist viel einfacher, als ihr vielleicht denkt.

MundusImages via Getty Images

Unsere Meere ersticken an Plastik, der Klimawandel sorgt für zu viel Hitze und Unwetter, unsere Luft ist verschmutzt und die Kluft zwischen Arm und Reich auf der Welt wächst.

All das auch, weil wir zu lange zu unbeschwert konsumiert haben.

Um diese Mega-Probleme in den Griff zu kriegen, sollten Regierungen und Handelsunternehmen Gesetze erlassen und Produktionsabläufe ändern. Aber auch jeder Einzelne von uns kann etwas tun. Und so zum großen Ganzen beitragen.

Du willst dein Leben nachhaltiger und umweltschonender gestalten – ohne dass du viel in deinem Alltag verändern oder dich einschränken musst? Diese Startups aus Deutschland helfen dir dabei. 

1. Einkaufen und dabei Gutes tun: Share

Wer beim Einkaufen im Supermarkt auf Nachhaltigkeit achten will, verliert zwischen Öko-und Regional-Siegeln schnell den Überblick. Eine Marke bei der ihr mit eurem Einkauf auch noch einem bedürftigen Menschen Gutes tun könnt, ist Share: Im Sortiment – bei Rewe und dm – gibt es Müsliriegel, Wasser und Seife. 

Das Unternehmen arbeitet mit einem Prinzip, das Experten “1 plus 1” nennen. Konkret bedeutet das: Mit dem Kauf eines Bio-Nussriegels spendet der Kunde automatisch eine Portion Essen, mit jeder Handseife ein Stück Seife und mit jeder Flasche Wasser Trinkwasser an Unternehmen, die bedürftige Menschen versorgen.

Mit einem Track-Code auf der Verpackung kann der Käufer jederzeit verfolgen, wo genau das Geld als Hilfe ankommt, das er mit dem Kauf eines Nussriegels oder einer Flasche Wasser gezahlt hat. Mehr als 5 Millionen Spenden sind seit dem Start im März bereits bei Menschen in Not angekommen.

“Soziales Engagement muss keine Nische sein”, beschreibt Iris Braun, eine der Gründerinnen von Share, die Vision des Startups. Zu kaufen gibt es die Produkte bereits in über 4500 Filialen in ganz Deutschland.

2. Einkaufen ohne Plastik: Original Unverpackt

Jedes Jahr werden in Deutschland laut der Deutschen Umwelthilfe 16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen für Getränke, 2,8 Milliarden plastikbeschichtete Coffee-to-go-Becher und 2,4 Milliarden Plastiktüten für den Einkauf im Supermarkt verbraucht. Plastik-Verpackungen von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln sind da noch nicht mitgezählt. 

Ein Großteil an Verpackungsmüll, den wir im Rahmen unserer Lebensmitteleinkäufe verbrauchen, lässt sich reduzieren oder gar ganz vermeiden. Das klappt entweder, wenn ihr euch im Supermarkt nur für unverpackte Produkte entscheidet und statt Plastiktüten eigene Stoffbeutel mitbringt oder wenn ihr gleich in einem Supermarkt einkaufen geht, der alles unverpackt anbietet.

In zahlreichen deutschen Städten gibt es inzwischen solche Angebote. Einer der ersten seiner Art war Original Unverpackt mit einer Filiale in Berlin-Kreuzberg.  

Als erster Supermarkt weltweit hat sich Original Unverpackt dem Zero-Waste-Lifestyle gewidmet. Im Berliner Laden – aber auch online – werden organische, natürliche und nachhaltige Produkte angeboten – möglichst verpackungsfrei. Neben Lebensmitteln gibt es auch zahlreiche Kosmetik- und Putz-Produkte und andere Alltagsgegenstände zu kaufen – natürlich plastikfrei.

Mehr Infos findet ihr hier.

 3. Mehr als nur Fairtrade: die Kaffee-Kooperative

Den Tag ohne Koffein starten? Für viele von uns undenkbar. Mit 162 Litern pro Kopf im Jahr ist Kaffee das Lieblingsgetränk der Deutschen. Seit Jahren tummeln sich unzählige Fairtrade-Kaffeemarken auf dem Markt und werben mit kontrolliertem Anbau und Handel. 

Doch um in den Anbauländern wirklich die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen, genügt Fairtrade alleine oft nicht. Denn zumeist werden die Kaffeebohnen als Rohstoff in Industrieländer exportiert und erst dort geröstet und weiterverarbeitet.

Nicht so beispielsweise bei der Kaffee-Kooperative. Im Rahmen der Idee der “Fairchain” wird der Kaffee des Großhändlers in Ruanda komplett fertig produziert. Das schafft mehr Arbeitsplätze – auch außerhalb der Landwirtschaft – und ein stabileres und transparenteres Preissystem, außerdem sind die Erzeuger so in einer besseren Verhandlungsposition mit Abnehmern. 

Ein besonderes Produkt der Kaffee-Kooperative ist “Angelique’s Finest” – ein Kaffee, der ausschließlich von Frauen hergestellt wird und so die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen in Ruanda stärken soll.

 4. Keine Fast Fashion, Kinderarbeit, Mikroplastik: Avocadostore

“Ich hab nichts Passendes anzuziehen”: Viele von uns haben diesen Satz schon gesagt, selten war er wohl wirklich wahr. Die meisten von uns machen sich wenig Gedanken, wenn sie sich neue Kleidung kaufen. Kleidung gibt es dank zahlloser Fast-Fashion-Ketten oft zu günstigeren Preisen als so manches Lebensmittel. 

Aber damit wir uns ein T-Shirt für fünf Euro kaufen können, leiden die Arbeiter in den Produktionsländern – vor allem in Asien – oft unter menschenrechtswidrigen Arbeitsbedingungen. 

Außerdem belasten die langen Transportwege die Umwelt und viele billig hergestellte Kleidungsstücke enthalten Giftstoffe und Mikroplastik, was nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit schadet.

Wer weniger verschwenderisch und trotzdem billig Kleidung kaufen möchte, sollte sich einmal in Second-Hand-Läden umschauen. Oder im Internet. Inzwischen gibt es zahllose Modelabels, die mit ökologischer Nachhaltigkeit und fairer Produktion werben.

Einen guten Überblick für verschiedene Labels aus der Mode-Branche, aber auch für andere Alltagsbereiche bietet der Avocadostore.

Die Idee der Gründer war es 2010, Anbietern grüner Produkte eine gemeinsame Plattform zu bieten und Kunden für beinahe alle konventionellen Produkte eine nachhaltige Alternative anzubieten. Jedes dort angebotene Produkt muss demnach mindestens eines der zehn von den Gründern aufgestellten Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

5. Coffee-to-go ohne der Umwelt zu schaden: Recup

Auf dem Weg in die Uni oder ins Büro noch schnell einen Kaffee- oder Tee-to-go beim Bäcker holen – das machen so viele von uns, dass im Jahr 2015 jede Stunde unfassbare 320.000 Kaffeebecher in Deutschland im Müll gelandet sind.

Um den Luxus, sich unterwegs einen Kaffee zu holen, nicht missen zu müssen, könnt ihr euch zum Beispiel einen Kaffeebecher kaufen – bei vielen Bäckern gibt es inzwischen sogar Rabatt, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt. Wer dafür aber kein Geld ausgeben möchte, kann auch Recup-Becher nutzen. 

Dahinter steckt ein deutschlandweit gültiges Pfandsystem. Bereits tausende Bäcker und Cafés machen mit und bieten die Mehrwegbecher an.

Und das funktioniert so: Ihr bestellt euren Kaffee oder Tee im Recup-Becher statt im Einwegbecher und zahlt dafür 1 Euro Pfand. Zurückgeben – oder behalten und wieder neu befüllen lassen – könnt ihr die Becher in allen Shops, die mitmachen. Aufgelistet findet ihr die auch hier.

6. Bäumepflanzen durchs Surfen im Internet: Ecosia

Im Internet surfen und dabei etwas für die Umwelt tun? Das geht mit Ecosia. Dahinter steckt eine Suchmaschine – von deren Gewinne die Gründer Bäume pflanzen.

Wie andere Suchmaschinen auch lebt Ecosia von Werbung – aber ein Großteil der erwirtschafteten Gewinne investieren die Gründer in Baumpflanzprojekte. So wird laut den Machern im Schnitt alle 0,8 Sekunden ein Baum gepflanzt.

 7. In den Urlaub fliegen und Treibhausgasemissionen ausgleichen: Atmosfair

Monatelang freuen sich viele von uns auf ihren wohlverdienten Jahresurlaub. Und oft reicht es uns dafür nicht, nach Österreich oder in die Niederlande zu fahren, sondern wir wollen nach Amerika, Australien oder Asien. Da führt dann kein Weg dran vorbei, sich in ein Flugzeug zu setzen.

Doch wer nachhaltiger leben will, sollte sich darüber Gedanken machen, ob er den nächsten Urlaub nicht doch lieber so plant, dass der Urlaubsort mit Bus oder Bahn zu erreichen ist. Denn mit nichts belasten wir unsere Umwelt mehr, als wenn wir fliegen.

Soll sich die Erde bis zum Jahr 2050 nicht um zwei Grad im Durchschnitt aufheizen, dürfte jeder von uns pro Jahr nicht mehr als eine Tonne Treibhausgasemissionen verantworten. Doch mit einem einzigen Langstreckenflug überschreiten wir dieses Limit bereits um ein Vielfaches.

Beispielsweise auf der Website von MyClimate könnt ihr genau ausrechnen, wie viel CO2 ihr mit einem Flug verantwortet. Bei einem Flug in der Economy-Class von Frankfurt nach New York und zurück sind das demnach beispielsweise 2,3 Tonnen.

Manchmal lassen sich Flugreisen aber dennoch nicht vermeiden. Oder wir sind einfach zu bequem. Um trotzdem zu helfen, die Umwelt zu schützen, könnt ihr den CO2-Ausstoß eurer Flugreise kompensieren, zum Beispiel bei Atmosfair.Dort berechnet ihr die Menge eurer Treibhausgasemissionen und könnt dann in entsprechender Höhe für ein Klimaprojekt spenden.

8. Grünen, regionalen Strom nutzen: Enyway

Wochenlang haben Umweltschützer im Hambacher Forst dagegen gekämpft, dass der Energie-Konzern RWE seinen Braunkohleabbau ausweitet – vorerst mit Erfolg. Der Anteil an erneuerbaren Energien steigt seit Jahren in Deutschland.

Seit Januar ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im Jahr 2018 in Deutschland auf 38 Prozent gestiegen und liegt damit drei Prozent höher als im selben Zeitraum im Jahr 2017.

Auf Öko-Strom zu wechseln, ist unkompliziert, zahlreiche Onlineportale sind auf dem Markt, die euch dabei unterstützen können. Wenn ihr zusätzlich nicht nur Wind-, Solar- und Wasserkraft von größeren Konzernen beziehen, sondern auch Privatpersonen unterstützen wollt, die ihren Strom ökologisch selbst produzieren, solltet ihr bei der Plattform Enyway vorbeischauen. 

Bislang ist Ökostrom meist etwas teuerer als der aus nichtnachwachsenden Rohstoffen. Bei Enyway aber könnt ihr kleine, lokale Anbieter unterstützen und zahlt bei den regionalen Stromverkäufern meist weniger als bei Großunternehmen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euren Stromlieferanten sogar persönlich treffen. Alle Informationen dazu findet ihr hier. 

(ll)