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19/12/2017 19:40 CET | Aktualisiert 20/12/2017 15:17 CET

Ich wollte nach Büroschluss einen Millionär aufreißen - so lange hat es gedauert

"Auf Dienstreise blühen wir richtig auf", sagten sie.

Was bisher geschah:

Da mir bewusst geworden ist, dass ich als Journalistin arm sterben werde, habe ich beschlossen, eine Woche lang einen Millionär in München zu suchen. Mein Ziel: reich heiraten. Irina Beller, Millionärsgattin und Autorin des Buches “Hello Mr. Rich“, hat mir am ersten Tag meiner Suche Tipps gegeben, wie ich meinen Millionär finden kann. Diese Tipps habe ich daraufhin in verschiedenen Bars angewendet.

Im Video oben stellt sich die Autorin vor und erklärt, wie sie auf die Idee kam, nach einem Millionär zu suchen. 

Eine Kellnerin bringt meine Wingwoman Franzi und mich zu einem Tisch in der Bar des 5-Sterne-Hotels “Vier Jahreszeiten”. 

Die Sessel sind so schwer, dass wir sie mit beiden Händen vom Tisch weg zerren müssen, ehe wir uns hineinsetzen können.

An der Decke hängen Lampen mit langen Fransen, die aussehen, wie von dem Wohnzimmerteppich einer Tante mit schlechtem Geschmack.

Der Barkeeper mustert uns ein bisschen verwundert. Neben den weißhaarigen Männern mit Pullundern und ihren Ehefrauen in karierten Blazern fallen wir auf. Aber mein Vorbild und persönlicher Millionärscoach Irina Beller hat ihren 24 Jahre älteren Millionär Walter in einer ganz ähnlichen Bar kennengelernt. Also versuche ich mein Glück.

Die Cocktails auf der Karte klingen wie die Namen von 5-Millionen-Dollar-Rennpferden. Weil wir irgendwas bestellen müssen, nehme ich einen “Brandy Alexander”.

Dann denke ich an Irinas Tipps. “Sie hat gesagt, ich dürfe potenzielle Millionäre nicht ansprechen, ich sollte mich ihnen nur ‘zeigen’”, erkläre ich Franzi. “Was auch immer sie damit meint.” 

“Du solltest dich dem Typen hinter dir zeigen”, sagt Franzi. Es ist ein vielleicht 30-Jähriger im Ralph-Lauren-Pullover, der in sein Macbook tippt.

Meine Wingwoman verlangt, dass ich auf ihn falle

“Er trinkt drei verschiedene Whiskys. Und Whisky ist hier richtig teuer”, hat Franzi beobachtet. 

“Du solltest an ihm vorbei gehen und auf ihn fallen”, 

“Ich kann doch nicht auf ihn fallen?!”

“Aber das wäre sehr effektiv”, sagt Franzi.

Ich gehe an dem Mann vorbei zur Toilette. Es wäre definitiv nicht möglich, auf ihn zu fallen, ohne sein Macbook zu zerstören, drei Whiskys umzuschmeißen und möglicherweise im Krankenhaus zu landen.

Außerdem beachtet er mich nicht. Das “mich zeigen” hat nicht funktioniert.

Dafür sind jetzt zwei andere, vielleicht Mitte-50-jährige Männer auf uns aufmerksam geworden. Sie sitzen am anderen Ende der Hotelbar und starren uns an.

Fraglich, ob Fett oder Gel in seinen Haaren ist

Einer von ihnen hat sich einen Burberry-Schal um den Hals geknotet. Seine Haare hat er streng zur Seite gekämmt. Es ist schwer zu sagen, ob sie fettig sind oder er einfach nur ganz besonders viel Gel hinein geschmiert hat.

“Wir setzen uns jetzt dahinten hin”, sage ich Franzi. “Zu den beiden netten Herren.”

“Und was sollen wir sagen, wenn sie komisch gucken?”

“Keine Ahnung. Vielleicht ‘und was macht ihr hier so’?”

“Das kannst du vielleicht zu Mitte 20-Jährigen sagen. Aber nicht zu Mitte 50-Jährigen”, sagt Franzi.

“Dann sagen wir eben einfach gar nichts.”

Als wir unsere Sachen nehmen, kommt sofort die Kellnerin herbei gehuscht.

“Kann ich euch helfen?”, fragt sie.

“Ähm, wir wollen uns nur dahinten hinsetzen, zu den beiden Herren”, sage ich.

“Oh, ich könnte euch diese beiden Tische hier zusammenschieben, dann könnt ihr mit euren Freunden zusammensitzen”, sagt die Kellnerin eifrig - und vielleicht etwas zu laut. Die Männer sehen uns jetzt seltsam an.

Er kann uns gerne gedanklich wieder anziehen

“Ähm, nein danke, nicht nötig.”

Die Männer beobachten uns und flüstern. “So hätte es also geendet, wenn ich kein Abitur gemacht hätte”, sagt Franzi leise.

Hinter uns sitzt jetzt ein Paar, das sich anscheinend über Online-Dating kennengelernt hat. Wir hören das Wort “Matching Points” und werden hellhörig.

“Mein Mann ist Arzt und immer nur am Arbeiten. Er hat nie Zeit für mich. Mir ist so langweilig”, klagt die Frau. Es ist also kein Paar. Noch nicht.

Der Mann streichelt der Frau verständnisvoll über ihre gold beringte Hand. Ein Ehering ist auch darunter.

➨ Mehr zum Thema: Ich bin 25 und suche einen reichen Mann - diese Tipps hat mir eine Millionärsgattin gegeben 

Die Männer neben uns starren uns immer noch an. Ich würde dem mit dem Gel oder Fett im Haar gerne sagen, dass er uns jetzt gedanklich wieder anziehen kann.

“Irgendwie will ich hier weg”, sage ich stattdessen zu Franzi.

“Ich schon lange”, sagt sie.

Als wir bezahlt haben und die Bar verlassen, verfolgen uns die Männer mit ihren Blicken.

Ich versuche es doch lieber mit der Promi-Hochzeit

Gerade als wir gehen wollen, bleibt Franzi mit dem dünnen Absatz ihres Schuhs im Straßengitter vor dem Vier-Jahreszeiten-Hotel stecken.

Männer in Anzügen gehen mit belustigter Miene an uns vorbei, während wir verzweifelt versuchen, ihren Schuh herauszuziehen.

Als es uns endlich gelingt, sind wir ganz sicher, dass das 4-Jahreszeiten-Hotel definitiv nicht die richtige Anlaufstelle für uns ist. Aber wie hat Irinia mir geraten? “Du musst dir Zeit nehmen. Es ist ein Prozess.” 

Wir sind genervt von dem Prozess und suchen statt einer weiteren Senioren-Bar die Bar von Schauspieler Elyas M’Barek auf. Laut Internet soll er selbst oft dort anzutreffen sein - und eine Promi-Hochzeit würde für mich notfalls auch klar gehen. Hauptsache, der Mann hat genug Geld.

Als wir in der Bar sind, drehen wir sofort wieder um und gehen. Ein älteres Pärchen trinkt zusammen Wein, sonst ist niemand zu sehen. Und schon gar nicht Elyas M’Barek.

Potenziell könnten diese Männer reich sein

Aus Verzweiflung beschließen wir, zum Hotel “Le Méridien” zu fahren, obwohl wir eigentlich keine Lust auf noch eine Hotel-Bar mit alten Männern und frustrierten Arzt-Gattinnen haben.

Und tatsächlich entdecken wir auf dem Weg dorthin etwas viel Besseres: Die “Anna-Hotel-Bar”. Wir sehen durch die Fensterscheibe und sind zufrieden: In einem pink bestrahlten Gewölbe sitzen gestylte junge Menschen, aber keine alten Männer.

Drinnen vergessen wir ganz kurz, dass wir eigentlich auf Millionärssuche sind. Bis wir eine Gruppe von Männern hinter uns entdecken, die alle etwa zwischen 40 und 50 Jahren sind. Sie tragen Anzüge und auffällige Armbanduhren, die bestimmt mehrere tausend Euro kosten.

Potenziell könnten sie reich sein.

Dank eines plumpen Tricks kommen sie herüber

“Proste einfach mal einem von ihnen zu”, schlägt Franzi vor.

“Ich proste denen doch nicht zu”, sage ich. Als genau in diesem Augenblick einer der Männer zu uns guckt, hebe ich spaßeshalber mein Glas und proste ihm zu.

Er strahlt bis über beide Ohren und ist wenige Sekunden später bei uns an der Bar. So einfach ist das also, einen reichen Mann anzulocken: zuprosten. Er lädt uns ein, zu der Gruppe von Männern an den Tisch zu kommen.

Wir werfen uns einen vielsagenden Blick zu, aber sagen ja.

Der Mann, neben dem ich jetzt sitze, beginnt, mich auf Englisch auszufragen. Er ist etwa Mitte 40, Italiener und trägt so viel Parfum, dass ich befürchte, gleich niesen zu müssen.

Ich sage, dass ich beruflich was mit Social Media mache - Irina hat mir schließlich befohlen, mich nicht zu sehr zu verstellen.

Er erzählt, dass er Chef einer Ingenieurs-Firma in Italien sei und ich hier mit hochkarätigen Männern am Tisch sitzen würde. Der etwa 50-jährige Mann, der gerade Interesse an Franzi zeigt, sei der Chef einer großen Technik-Firma, die anderen seien Unternehmensberater.

Fast alle tragen Eheringe

Der Mann, dem ich zugeprostet habe, erzählt mir stolz, dass er morgen nach Shanghai fliegt, da sei er andauernd. Er streicht über die Uhr an seinem Handgelenk, die mir nichts sagt, aber die offenbar sehr teuer ist. Jedenfalls würde er sie sonst wahrscheinlich nicht streicheln wie einen Hundewelpen.

“Vergangene Woche war ich in Toronto, Shanghai, London und Berlin”, sagt er mir und sieht mich erwartungsvoll an. Ich überlege, ob ich ihn jetzt loben muss oder ihm eine Erdnuss als Belohnung in die Hand drücken soll.

 “Ich mag Berlin”, sage ich.

 “Wir könnten uns in Berlin treffen”, schlägt er vor. “Nächste Woche.”

 “Sag Bescheid, wenn du in Italien bist”, sagt der Mann neben mir.

 Ich mustere die Männer irritiert. Alle bis auf einen tragen Eheringe.

“Es gibt so Klischees von Unternehmensberatern. Dass die ständig ihre Frauen betrügen, wenn sie unterwegs sind. Meint ihr das stimmt?”, frage ich.

“Nee, das stimmt nicht”, sagt der Mann, dem ich zugeprostet habe und grinst.

“Auf Dienstreise blühen wir so richtig auf”

Auch ein anderer ist hellhörig geworden. “Würden wir nie machen”, sagt er und lacht ein bisschen dreckig. Er hat uns Wein bestellt. “Auf Dienstreise blühen wir eben so richtig auf.”

“Soll ich dir was über Italien erzählen?”, fragt der Mann neben mir gönnerhaft.

“Danke, ich war schon mal in Italien”, will ich spöttisch sagen. Aber die zukünftige Millionärsgattin in mir lächelt ihn stattdessen an und sagt “Oh ja, wie spannend.”

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Die Männer halten sich für unglaublich lustig. Einige von ihnen sind tatsächlich ganz nett, doch es ist offensichtlich, was sie mit uns vorhaben. Sie bestellen uns einen Wein nach dem nächsten und bestehen darauf, auch unsere Cocktails zu bezahlen.

Der Mann aus Italien drückt mir seine Karte in die Hand. Ich sehe wortlos auf seine Hand mit der protzigen Armbanduhr und dem Ehering. Was hat Irina gesagt? “Ich wusste, dass er verheiratet ist, aber ich hatte im Gefühl, dass es zuende geht.”

“Ruf mich an”, sagt er. “Morgen. Wir könnten uns treffen. Am Nachmittag fliege ich. Vorher würde ich dich gerne sehen. Wo auch immer du willst.”

Mir ist ein bisschen schlecht. “Ja, danke”, sage ich. “Mal sehen, ob ich Zeit habe.”

Soll es das jetzt gewesen sein?, frage ich mich. Einen reichen Mann zu finden, hat nicht länger als vier Stunden gedauert. Ist das also schon mein zukünftiger Millionär? 

Die Autorin hat eine Woche lang versucht, einen Millionär zu finden. Ihre Suche könnt ihr auch auf Instagram verfolgen. Die Fortsetzung folgt morgen.