ELTERN
20/08/2018 10:50 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 14:52 CEST

Unfruchtbarkeit: "Ich werde den Tag der Diagnose nie vergessen"

"Ich habe mehr Tränen vergossen, als es Wassertropfen im Meer gibt."

Fiona Duffelen
Es ist ein Segen, Primrose zu haben. Sie strahlt Freude aus und wird von vielen so sehr geliebt.

Ich werde den Tag nie vergessen, an dem meine Unfruchtbarkeit diagnostiziert wurde. Solchen Schmerz habe ich noch nie gespürt. Dieses Gefühl, etwas verloren zu haben, war überwältigend. Ich habe mehr Tränen vergossen, als es Wassertropfen im Meer gibt.

Mein Herz war so schwer, dass es mir förmlich auf die Zehenspitzen fiel. Wie ein Goldfisch in seinen letzten Atemzügen schnappte ich nach Luft. Ich spürte ein lautes, betäubendes Klingeln in meinen Ohren. Meine Sicht verschwamm. Nichts kann diesen Schmerzen stillen. Er lässt einen nie los, aber man kann lernt, mit ihm zu leben.

Mehr zum Thema:  Meine Kinder Anderen zu schenken, war die beste Entscheidung meines Lebens

Wir haben unseren Freunden und Familien die Nachricht recht früh überbracht. Mein Selbstbewusstsein war im Keller. Ich schämte mich für meine Unfruchtbarkeit und fühlte mich irgendwie weniger weiblich.  Ich merkte, wie ich mich von meinen engsten Freunden zurückziehen wollte. Ich verglich mein Leben mit dem anderer und machte mir ständig Sorgen, dass weitere schlechte Nachrichten ins Haus stünden.

Mein Körper war unser größtes Hindernis 

Mein Mann David und ich haben uns schon in Kindertagen verliebt und feiern dieses Jahr unseren 26. Jahrestag. Zusammen haben wir 15 Operationen durchlebt und sieben Versuche künstlicher Befruchtung unternommen.

Wir haben es mit Akupunktur probiert und jedes gängige Nahrungsergänzungsmittel genommen und jede noch so verrückte Diät gemacht. Ich las Bücher, Blogs und redete mit Freunden, die in einer ähnlichen Situation waren. Das tröstete mich sehr.

Unsere Mission führte uns um die ganze Welt, aber irgendwann gelangte ich zur späten und schmerzhaften Einsicht, dass mein Körper unser größtes Hindernis beim Kinderkriegen war. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich nicht gut genug, ängstlich und geschlagen. Es war ein Kampf, den wir einfach nicht gewinnen konnten – wie wenn man versucht zu tanzen, während man in Treibsand versinkt. 

Ein Silberstreifen am Horizont

Zum Glück wurden wir an diesem Tiefpunkt unseres Lebens “Surrogacy UK” vorgestellt, unserem Rettungsanker. Wir vertrauten ihnen und fühlten uns dort sicher. Nachdem wir unsere Leihmutter Kristy das erste mal trafen, konnten wir aufatmen und nachts wieder schlafen.

Wir fanden neue Kraft und ein Silberstreifen erschien am Horizont wie eine weiße Taube nach einem langen, bitteren Krieg. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Wir werden Kristy, ihrer Familie und allen anderen, die uns geholfen haben auf ewig dankbar sein – besonders Jayne Frankland, Jessica Hepburn und meiner Mutter, die die Hoffnung nie aufgegeben haben.  

Wir könnten ein Buch mit den Lektionen, die wir gelernt haben füllen, aber wir möchten diese Gelegenheit hier nutzen, um einige unserer Einsichten mit euch zu teilen. 

Was ihr wissen müsst, wenn ihr auf euer Baby wartet 

Informiert euch über eure eigene Fruchtbarkeit und schiebt die Familiengründung, die ihr immer geplant habt, nicht auf. Die Risiken sind zu groß.

Übt euch in Versöhnlichkeit und seid gut zu euch selbst. Kümmert euch gut umeinander. Eure Partner tragen euch auf ihren Schultern, wenn eure Beine versagen.

Stellt euch darauf ein zu scheitern. Immer wieder. Aber vergesst nie den Unterschied zwischen Hinfallen und Nicht-Mehr-Aufstehen. Das eine ist viel gefährlicher.

Lebt volle, energetische und erfüllte Leben, während ihr wartet – hockt nicht nur daheim auf dem Sofa und betrauert euer Leben. Das lädt zu Trübsal ein und führt häufig zu Scheidungen.

Es ist wichtig, über Ängste zu sprechen

Verfolgt eure Leidenschaften mit Entschlossenheit. Diese Freuden bringen willkommene Ablenkung, aber sie können deinem Leben auch eine völlig neue Richtung geben.

Niemand spricht gerne über seine Ängste, aber es ist sehr wichtig, dass wir es trotzdem tun. Ich habe gelernt, dass Angst zwei Sachen heißen kann: “Vergiss alles und lauf” oder “stell dich allem und wachse daran”. Und bevor du dich für eines davon entscheidest, denk daran, dass Angst mehr Träume auf dem Gewissen hat als Versagen.  

Guten Menschen widerfahren gute Dinge

Für David und mich war die Leihmutterschaft wie ein Lotto-Gewinn. Diese Erfahrung hat uns zu zwei sehr glücklichen, belastbaren und dankbaren Menschen gemacht.

Wir haben unsere freundschaftlichen und familiären Beziehungen an ihre Grenzen geführt, aber sie haben das nicht nur überlebt, sondern sind aufgeblüht. Aber das Allerwichtigste ist, dass wir durch die Leihmutterschaft aus erster Hand erfahren durften, wie großartig die Menschheit sein kann.

Leihmutterschaft ist ein so unglaublich selbstloser Akt. Sie hat meinen Glauben an etwas, was ich mein ganzes Leben geglaubt habe, wieder hergestellt: Nämlich dass guten Menschen gute Dinge widerfahren.

Was unfruchtbare Frauen unbedingt bedenken müssen

Unsere Tochter Primrose ist das 151. Baby von “Surrogacy UK”. Dank dieser wunderbaren Organisation hatten wir das Vergnügen, phänomenale Frauen kennenzulernen und haben Freunde fürs Leben gefunden. Ich bin unglaublich stolz darauf, immer noch glücklich verheiratet zu sein. Es ist ein Segen, Primrose zu haben. Sie strahlt so viel Freude aus und wird von so vielen so sehr geliebt.

Die Frauen, die immer noch an Unfruchtbarkeit leiden oder sie fürchten, bitte ich, Folgendes zu bedenken: Wir sind verletzt, gebrochen und aus der Bahn geworfen. Aber das sind Sternschnuppen und Kometen auch. Leihmutterschaft rockt!

Dieser Text erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt. 

(glm)