LIFESTYLE
31/05/2018 08:45 CEST | Aktualisiert 22/11/2018 08:59 CET

“Ich war im Survival-Camp – und war entsetzt, wovor ich mich ekelte”

Spoiler: Es waren nicht die tausend Insekten oder das Ausnehmen eines Fisches.

  • Mein Kollege Niklas und ich waren für 30 Stunden in einem Survival-Camp im tiefsten Süden von Baden-Württemberg.
  • Vor dem Camp hatte ich nicht erwartet, dass ich mich am meisten vor meinen Händen ekeln werde.
  • Oben im Video seht ihr einen Zusammenschnitt der 30 Stunden.

Kein Wind, 26 Grad und Sonnenbrand auf den Schultern. Der Rücken schmerzt vom schweren Rucksack, die zehnte Mücke sticht zu und ich stehe mittendrin in einem Strauch von Brennesseln.

Mein Kollege Niklas und ich sind Teilnehmer eines Survival-Camps. Ein Camp, bei dem man den Ernstfall trainiert: Überleben in der Natur. 

Schon immer wollte ich mir beweisen, dass ich das hinkriege. Dass ich taff bin und nicht die Tussi, für die mich viele halten.

Unsere Wildnis befindet sich im tiefsten Süden von Deutschland. Die nächste etwas größere sogenannte Stadt ist Biberach in Baden-Württemberg. Ein Kaff, wie ich den Ort als gebürtige Badnerin bezeichnen würde.

In den nächsten 30 Stunden wird Niklas und meine Aufgabe sein, uns in dem deutschen Outback zurechtzufinden.

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Zimperlichkeit ist fehl am Platz

In den ersten zehn Stunden lerne ich, Niklas und mich mit einem Kompass zu navigieren. Ich laufe durch einen Fluss, wir basteln einen Schlafplatz aus Ästen und Tannenzweigen, fangen einen Fisch und nehmen ihn anschließend auseinander.

Der Waldrand ist meine Toilette, Händewaschen oder kurz Frischmachen ist nicht möglich. Survival-Camp eben.

Nebenbei freunde ich mich mehr oder weniger mit vielen kleinen Wesen an.

Die Fliegen und Schnaken in der Luft, die mir ihre Zuneigung durch Stiche an Bein, Rücken und Arm demonstrieren. Die Käfer und Schnecken, die sich in meinem Rucksack und meinem Essen heimisch fühlen. Und die Spinnen, die mit ihren acht Beinchen nicht genug von mir bekommen können.

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Doch all das ist entgegen meiner ursprünglichen Erwartung (fast) kein Problem für mich. Mich bringt in diesen 30 Stunden etwas ganz anderes an meine Grenzen: meine eigenen Hände.

Angewidert von meinen eigenen Händen

Während der Zeit in dem Survival-Camp habe ich keine Möglichkeit, meine Hände ordentlich zu waschen. Das Wasser im Kanister ist zum Trinken gedacht. Im Outback muss eben priorisiert werden.

Ich habe also 30 Stunden lang denselben Dreck an und auf meinen Händen und unter den Fingernägeln. Darunter sind – um nur eine kleine Auswahl zu nennen – Erde, Baumharz und Fischeingeweide.

Alles, was ich in der Zeit des Survival-Camps anfasse, wird automatisch mit dem Dreck auf meinen Händen infiziert. So fühlt es sich an. Zusätzlich kommt immer wieder neuer Schmutz auf meine Hände. Ich ekele mich.

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Besonders angewidert bin ich, als ich aufs Klo muss. Für Frauen ist ein Toilettengang in der Wildnis eh nicht so einfach wie für Männer. 

Ich versuche, so wenig wie möglich anzufassen – und scheitere.

Essen muss zubereitet werden, Bäume müssen gefällt werden und das Feuer muss am Leben gehalten werden.

Vor meinem inneren Augen sehe ich nur eine dicke Schicht Dreck auf meinen Händen, die immer und immer größer wird. Mit meinem Ekel verhält es sich genauso.

Wie neu geboren

Doch ich beiße meine Zähne zusammen und lasse mir nichts anmerken. Es geht schließlich gewissermaßen ums Überleben, Zimperlichkeit kann ich mir in der Wildnis nicht leisten.

Dennoch: Ich fühle mich wie ein neuer Mensch, als ich 30 Stunden später zum ersten Mal wieder meine Hände mit Seife und unter fließendem Wasser wasche. Meine Mutter wäre stolz auf mich, wüsste sie, wie sorgfältig ich die Seife zwischen den Fingern verteile und einmassiere.

Und wieder sehe ich vor einem inneren Auge die dicke Schicht Dreck auf meinen Händen – doch diesmal wird sie immer und immer dünner.

Ich bin erstaunt, wie sehr mich etwas so Banales wie Händewaschen in nicht einmal zwei Tagen an meine Grenzen bringt.

Sollte ich mich ein weiteres Mal auf den Kampf ums Überleben in der Wildnis vorbereiten, kommt eine Sache auf jeden Fall in meinen Rucksack: Seife. Und Wasser auch. Sehr viel Wasser. 

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(jds)