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16/02/2019 16:45 CET | Aktualisiert 16/02/2019 16:45 CET

6 Monate im Gefängnis in Thailand: So hat sich mein Leben verändert

So hat diese Erfahrung mein Leben verändert.

EMILIA SEMRAU
Diese Karte mir ihrem Namen wurde Emilia Semrau gegeben, als sie im Gefängnis in Mae Hong Son, Thailand, ankam. Während ihrer Haft legte sie die Karte auf ihren Schlafplatz, um ihn für sich frei zu halten. Auf der Karte wurde ihre Tat festgehalten (Diebstahl), ihr Alter (25) und die Dauer der Inhaftierung (sechs Monate).

Im Januar 2018 verließ ich meine Heimatstadt Olympia, Washington, um auf eine zweijährige Weltreise zu gehen. Ich hoffte, auf dieser Reise mehr von der Welt zu entdecken und dadurch auch mich selbst besser kennenzulernen.

Ich hatte mich gerade nach sechs Jahren Ehe von einem tollen Mann scheiden lassen und damit auch das ebenso tolle Leben verloren, das ich mit ihm gehabt hatte.

Ich ließ alles Bekannte hinter mir ― und auch alles, was nicht in meinen 60-Liter-Rucksack passte. Denn mir war klar geworden, dass es meine wahre Bestimmung war, allein auf Reisen zu gehen und mein Wissen über Yoga und holistische Gesundheit zu verbreiten.

Der erste Stopp auf meiner Reise: Thailand

Ich buchte einen Flug nach Thailand, dem ersten Stopp auf meiner Reise. Als ich in mein neues Leben flog, fieberte ich dem Unbekannten, das mir bevorstand, voller Zuversicht entgegen.

Und ich vertraute darauf, dass ich gerade meinem richtigen Weg folgte. Ich hatte keine Ahnung, dass eine einzige, unkluge Entscheidung meine Sichtweise auf alles, was ich bisher über mich und mein Leben zu wissen geglaubt hatte, radikal verändern würde.

Es war ein Freitagnachmittag um 14 Uhr in der ersten Woche meines Abenteuers. Ich befand mich gerade in Pai, einer belebten Hippie-Stadt in Nordthailand, die bei Touristen sehr beliebt ist.

Ich betrat einen Laden, den ich während meines viertägigen Aufenthalts in der Stadt bisher noch nicht entdeckt hatte. Der Eingang war mit einem leuchtenden Seidentuch verhangen. Im Inneren des Ladens befanden sich Regale mit handgemachtem Schmuck und Lederwaren. Die Auslagen waren wunderschön und wurden offensichtlich mit großer Sorgfalt gepflegt.

Ich habe in meiner Kindheit schon geklaut

Ich kann mich an die nächsten Augenblicke noch ganz genau erinnern. Der Besitzer saß mit dem Rücken zu mir an seinem Schreibtisch, der genau in der Mitte des Ladens stand. Ich war die einzige Kundin.

Als ich mich im Laden umsah, entdeckte ich eine wunderschöne, handgefertigte Bauchtasche, die mit Labradorit- und Citrinsteinen besetzt war. Sie gefiel mir, und deshalb nahm ich sie aus dem Regal und steckte sie in meine Tasche.

Ich sage das jetzt zwar so beiläufig, doch wenn ich daran zurückdenke, zieht sich mein Magen zusammen. Ich habe schon in meiner Kindheit kleine Dinge wie Äpfel oder einzelne Klopapierrollen geklaut.

Denn da ich in einer armen Familie aufgewachsen bin, hatte ich ständig Hunger. Außerdem musste ich als Kind auf alle kleinen Vergnügen und sogar auf notwendige Dinge verzichten.

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Meine Überlebenstaktik wurde irgendwann zu einem Laster, das ich bis ins Erwachsenenalter mitnahm. Ich klaute regelmäßig Schminksachen bei Walmart.

Doch dies war das erste Mal, dass ich in einem Laden etwas stahl, der keiner großen Kette angehörte.

Es dauerte nur eine Sekunde, bis er mich fragte, was ich in meiner Tasche hatte. In der nächsten Sekunde zog er bereits die Bauchtasche aus meiner Tasche. Ich sah seinen fassungslosen Gesichtsausdruck und dann packte er mich am Handgelenk. In diesen drei Sekunden veränderte sich meine Zukunft auf dramatische Weise.

Der Ladenbesitzer drehte sich um und bemerkte, dass ich zögerte. Er stand auf und sah mich an. Er schien sofort zu wissen, was ich getan hatte.

Es dauerte nur eine Sekunde, bis er mich fragte, was ich in meiner Tasche hatte. In der nächsten Sekunde zog er bereits die Bauchtasche aus meiner Tasche.

Ich sah seinen fassungslosen Gesichtsausdruck und dann packte er mich am Handgelenk. In diesen drei Sekunden veränderte sich meine Zukunft auf dramatische Weise.

Der Ladenbesitzer rief die Polizei. Außerdem informierte er seine ganze Familie und die Besitzer der Nachbarläden. Da der Zusammenhalt in thailändischen Gemeinschaften sehr groß ist, waren nach meinem Diebstahl sofort sehr viele Menschen anwesend.

Ich wurde zur nächsten Polizeistation gebracht, die nur wenige Kilometer entfernt lag. Dort machte man ein Verbrecherfoto von mir und nahm meine Fingerabdrücke ab.

Ich wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt

Der Polizist, der mich verhaftet hatte, riet mir, mich schuldig zu bekennen ― was ich dann auch tat. Immerhin war ich auf frischer Tat ertappt worden und außerdem behauptete er, dass ich dadurch wahrscheinlich nur eine kleine Geldstrafe bekommen würde und man mich nach zwei Tagen wieder entlassen würde.

Doch der Polizist hatte gelogen. Ich musste die Nacht in einer schmutzigen Zelle in der Polizeistation verbringen. Außer mir waren dort noch zwei Frauen, die angeblich versucht hatten, Crystal Meth über die Grenze nach Myanmar zu schmuggeln.

Am nächsten Morgen wurde ich in einen kleinen Gerichtssaal gebracht, wo mir ohne Anwalt der Prozess gemacht wurde. Ich wurde zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe in der nahegelegenen Stadt Mae Hong Son verurteilt.

► Ich durfte nach meiner Verurteilung weder einen Anwalt kontaktieren, noch meine Familie anrufen. Und ich bekam auch nicht die Gelegenheit, gegen Kaution freigelassen zu werden.

Ich durfte lediglich ein Ortsgespräch mit einer Freundin aus Oregon führen, zu der ich wieder Kontakt aufgenommen hatte, weil wir beide zur gleichen Zeit in Pai unterwegs gewesen sind.

Sie informierte meinen Ex-Mann, der das amerikanische Konsulat einschaltete und alles tat, um mich irgendwie aus Thailand zurück zu holen.

Abgesehen davon, dass er mit dem Konsulat in Kontakt blieb und meine Freunde und Familie über meine aktuelle Situation auf dem Laufenden hielt, konnte er mir jedoch auch nicht helfen.

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Ich hatte schreckliche Angst vor dem Gefängnis

Ich wurde also zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil ich eine Ware im Wert von 200 US-Dollar geklaut hatte. Für manche Menschen mag diese Strafe überzogen wirken ― andere wiederum finden sie jedoch vielleicht auch nicht hart genug.

In Thailand hängt die Höhe einer Strafe allerdings von der moralischen Verwerflichkeit des jeweiligen Verbrechens ab. Und in einem buddhistischen Land ist Diebstahl eine große Sache.

EMILIA SEMRAU
Die Zelle der Polizeiwache in Pai, in der Semrau für fünf Tage festgehalten wurde, bevor sie in das Gefängnis in Mae Hong Son gebracht wurde.

Bevor ich ins Gefängnis überführt wurde, hatte ich schreckliche Angst. Ich hoffte, dass meine Zeit dort nicht so schrecklich werden würde, wie ich es mir vorstellte.

Ich erwartete grauenhafte Hygienezustände, Läuse und viele Krankheiten. Ich hatte Angst davor, meine Zelle mit gefährlichen Kriminellen teilen zu müssen, keinerlei Kontakt zu meinen Angehörigen aufnehmen zu können, ungenießbares Essen zu bekommen und mich nicht verständigen zu können.

Ich ging davon aus, dass ich mir schnell ein dickes Fell zulegen musste. Als ich fünf Tage nach meiner Verhaftung im Gefängnis ankam, stellte ich erleichtert fest, dass nur ein Bruchteil meiner Ängste auch wirklich die Realität waren.

Im Gefängnis erlebte ich glücklicherweise keine Gewalt

Ich verbrachte meine sechsmonatige Gefängnisstrafe zusammen mit 79 anderen Frauen, die nicht gewalttätig waren. Die meisten von ihnen waren wegen Crystal Meth verurteilt worden. Sie hatten die Droge entweder selbst geraucht, damit gedealt oder sie geschmuggelt.

Ich musste neun Stunden am Tag Blumenmuster auf T-Shirts sticken. Diese Aufgabe war für alle Insassinnen Pflicht.

Jeden Tag bekam ich dasselbe Gericht aus Schweinefleischsuppe mit Reis zu essen. Jeden Nachmittag duschte ich zusammen mit den anderen Häftlingen. Dazu nahm ich eine kleine Plastikschüssel, die ich in einen langen Wassergraben tauchte.

Ich trug dabei ein selbst genähtes Duschkleid. Ich schlief Schulter an Schulter mit den anderen Frauen auf einer einmal zusammengefalteten Decke, die ich auf dem harten Betonboden ausgebreitet hatte. Durch meine geschlossenen Augenlider drang grelles Licht.

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Ich wurde fair behandelt und bekam sehr viel Platz. Doch da ich die einzige Ausländerin war, wurde ich permanent von den anderen Frauen im Gefängnis missverstanden.

Ich stellte schnell fest, dass im Gefängnis jeder Tag genauso ablief wie der vorherige. Dadurch begann mein Leben zu stagnieren. Seit meiner ersten Woche hatte ich mich an die optimistische Einstellung geklammert, dass alles gar nicht so schlimm war.

Doch mit der Zeit begann ich, diese positive Haltung zu verlieren. Und deshalb beschloss ich, meine geistige Energie darauf zu verwenden, um an mir zu arbeiten. Ich begann, Sport, Yoga und Meditation in meinen neuen Alltag mit einzubauen.

In der verstaubten Gefängnisbücherei fand ich vier Bücher auf Englisch und verschlang jedes davon dreimal hintereinander.

Ich brachte Achtsamkeit in mein Leben

In den Büchern wurde die Meditationsform Vipassana beschrieben, die auch als Achtsamkeitsmeditation ― oder als Beobachten und Wissen des Geistes ― bezeichnet wird.

Diese Methode soll einem dabei helfen, sein Leiden aufzulösen, indem man seine Begierden ablegt. Ich saß wegen Diebstahls im Gefängnis, was genauer betrachtet ein Produkt von Gier und Verlangen ist. Deshalb beschloss ich, meine Zeit darauf zu verwenden, Vipassana in mein Leben zu integrieren.

EMILIA SEMRAU
Semrau während einer Wanderung zum "weißen Buddha" in Pai. Das Foto entstand zwei Tage, bevor sie verhaftet wurde.

Ich hatte bereits vor meiner Reise nach Thailand oft meditiert. Doch bisher hatte ich mich danach immer nur kurzfristig etwas ruhiger, leichter und innerlich zufriedener gefühlt, bevor ich wieder in meinen Normalzustand zurückkehrte.

Bei meinen Meditationen im Gefängnis stellte ich jedoch fest, dass ich viel tiefer gehen konnte, weil ich so verzweifelt Frieden finden wollte.

Schon bald nachdem ich damit begonnen hatte, jeden Tag zu meditieren, veränderte sich mein Verständnis von meinem “Selbst” komplett. Ich kam schnell zu der Überzeugung, dass man in der Gegenwart gar nicht leiden kann.

Leid existiert nur, wenn wir über die Vergangenheit oder über die Zukunft nachdenken ― und durch die Wünsche, das Hinterfragen und die Sorgen, die diese Gedanken meist mit sich bringen.

Mir wurde klar, dass viele meiner früheren Probleme aus meiner Gier entstanden waren. Denn Gier war mein stärkster Ausdruck von Verlangen.

Ich hatte so viel Zeit in meinem Leben damit verbracht, immer noch mehr haben zu wollen. Und ich begann zu begreifen, dass meine Gier sich auf vielerlei Weise geäußert hatte, wie beispielsweise durch Völlerei oder durch Selbstsucht.

Mein Leiden befand sich nur in meinem Kopf

Außerdem war ich trotz der Fülle, über die ich ohnehin bereits verfügte, permanent unzufrieden. Ich begann, über meine Meditationspraxis Tagebuch zu führen.

Außerdem schrieb ich alle Fragen über mich selbst und über mein Leben vor der Verhaftung auf.

Tag 15 von 180. Einige Fragen, die mir heute während meiner Morgenmeditation gekommen sind: Warum bin ich so egoistisch? Warum fällt es mir so schwer, etwas zu geben, obwohl ich weiß, dass es mir so viel Freude bereitet? Warum muss ich zwanghaft lügen und mir ein Leben zusammenreimen, das ich nie geführt habe ― und auch gar nicht führen möchte? Warum klaue ich, obwohl ich immer von allem genug hatte? Warum fällt es mir so schwer zu geben, obwohl das eigentlich meine wichtigste Bestimmung ist? Es fühlt sich so gut an, diese Dinge aufzuschreiben und sie mir einzugestehen. Ich lüge. Ich stehle. Ich nehme. Das sind die Dinge, die ich ablegen möchte.

Nach ein paar Wochen fühlte ich mich ruhiger und weniger wütend. Und ich wartete auch nicht mehr so verzweifelt darauf, dass meine Zeit im Gefängnis endlich vorbeigehen würden.

Mir war klar geworden, dass es ganz egal war, wo mein Körper sich befand ― denn Leiden und Glück existieren nur im Kopf.

Diese Erkenntnis half mir dabei, meine Freiheit wiederzuerlangen. Wenn auch nicht körperlich, dann zumindest innerlich. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich bewusst auf meine abgespeicherten Erinnerungen zurückgreifen.

Ich konnte mich in jeden einzelnen Augenblick zurückversetzen, den ich bisher erlebt hatte. Ich konnte meine Augen schließen und auf dem Gipfel des Berges stehen, den ich im Annapurna-Gebirge in Nepal bestiegen hatte.

Oder ich konnte mich in die Hängematte auf San Juan Island kuscheln, in der ich einmal Orcas beim Spielen zugeschaut hatte. Mein Körper befand sich im Gefängnis und fühlte sich verschwitzt und unangenehm an.

Doch mein Geist war an einem vollkommen anderen Ort und mein Herz war bei all meinen Angehörigen.

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Haftstrafe in einem ausländischen Gefängnis bedeutet Stress

Mich mental in die schönsten Momente meines Lebens zurückzuversetzen, half mir dabei, nicht durchzudrehen, während ich meine Haftstrafe absaß. Ich meditierte jeden Tag, ganz egal wovon ich auch abgelenkt wurde.

Ich machte jeden Tag Yoga, und wenn es nur ein paar Sonnengrüße waren. Es war mir egal, dass ich nur wenig Platz dafür zur Verfügung hatte oder dass ich mich in irgendwelche Ecken zwängen musste, damit ich niemandem ins Gesicht trat.

Ich versuchte, mich permanent weiterzuentwickeln. Ich zählte die Dinge auf, für die ich dankbar war und ich versuchte, mich liebevoll und freundlich zu verhalten. Damit hielt ich den Stress unter Kontrolle, den meine Haftstrafe in einem ausländischen Gefängnis mit sich brachte.

Diese Methode funktionierte jedoch nicht immer. An meinem 42. Tag im Gefängnis schrieb ich Folgendes in mein Tagebuch:

Die Sonne scheint, die Vögel singen, ich habe gegessen, geschlafen und ich bin angezogen. Ich habe Platz, um meinen Geist auszudehnen und meinen Körper zu trainieren. Doch trotzdem bin ich unzufrieden und will immer noch mehr haben ― mehr Essen, mehr Menschen, mehr Abenteuer, mehr Freiheit. Dieses Verlangen kommt daher, dass mein Geist permanent vor sich hinplappert und Emotionen und Wünsche erzeugt, die ihm schaden und die ihn durcheinanderbringen. Warum muss der Geist immer irgendetwas wollen? Ohne meinen Geist wäre ich mit diesem einfachen Leben zufrieden.

Ich wusste, dass meine Haftstrafe irgendwann enden würde und dass man mich dann freilassen würde. Ich musste nur durchhalten.

Wir brachten uns gegenseitig neue Dinge bei

Im Laufe der Zeit begann ich, für die kleinsten Dinge Dankbarkeit zu empfinden. Ich war dankbar dafür, wie unkompliziert dieses maßvolle Leben war. Und mir war bewusst, wie viel schlimmer mein Leben in diesen sechs Monaten im Gefängnis hätte sein können.

Mir wurde bewusst, welch großen Schaden übermäßige Gier und Verlangen anrichten konnten ― und zwar nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, die ich bestohlen hatte oder die ich im Laufe meines Lebens auf andere Weise verletzt hatte. Und ich erkannte, wie unnötig diese Verhaltensweisen für ein erfülltes Leben waren.

Ich begann, einigen meiner Mitgefangenen Englisch beizubringen und sie zeigten mir dafür, wie Thai-Massagen funktionierten.

Am Wochenende gab ich Yoga-Stunden und ich lernte Thailändisch. Mir wurde bewusst, welch großen Schaden übermäßige Gier und Verlangen anrichten konnten und zwar nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, die ich bestohlen oder die ich im Laufe meines Lebens auf andere Weise verletzt hatte.

Und ich erkannte, wie unnötig diese Verhaltensweisen für ein erfülltes Leben waren.

Ich lernte, dass Karma tatsächlich existiert

Ich fand heraus, welche Eigenschaften ich an mir selbst nicht mochte und ich lernte, daran zu arbeiten und sie zu verändern.

Ich entdeckte, wie ich meinen Geist beruhigen konnte. Und ich begann zu verstehen, dass Karma tatsächlich existiert und dass man wirklich Respekt davor haben sollte, wenn man ein erfülltes Leben führen will.

Während meiner sechs Monate im Gefängnis träumte ich oft von dem Tag meiner Entlassung und ich malte mir aus, was ich tun würde, wenn ich wieder frei wäre.

Am Anfang drehten sich meine Tagträume um das Essen, das ich mir dann gönnen würde, um die Orte, die ich besuchen würde und um die Menschen, die ich wiedertreffen würde. Das sind ganz normale Dinge, von denen man eben träumt, wenn man tausende Kilometer von seinem geliebten Zuhause entfernt eingesperrt ist.

Im Laufe meiner Haftstrafe wurde mir jedoch auch bewusst, dass es im Leben noch viel mehr gibt, als diese Dinge. Und ich versprach mir selbst, dankbar für alles zu sein, was ich hatte. Ganz egal, wie wenig dies in manchen Momenten auch sein mochte.

Und ich nahm mir vor, mein Karmakonto wieder auszugleichen, indem ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit etwas zurückgeben würde.

Ich wurde am 24. Juli aus dem Gefängnis entlassen und während einer neuntägigen Reise sicher zurück in die USA gebracht.

Ich setze meinen Weg der Selbstheilung auch zu Hause fort, indem ich weiterhin Yoga praktiziere und unterrichte. Und wenn möglich, unterstütze ich auch andere dabei. Ich bin inzwischen sehr viel dankbarer für die einfachen Dinge im Leben.

Ich habe mit dem Stehlen aufgehört

Und ich habe nicht nur mit dem Klauen aufgehört, sondern ich versuche auch, immer nur so viel zu behalten, wie ich auch wirklich brauche und nicht mehr.

Ich bin davon überzeugt, dass ich durch meine Zeit im Gefängnis die Gelegenheit erhalten habe, mehr über mich selbst herauszufinden und mich von den Dingen zu befreien, die mir nicht gut getan haben.

Dass ich zu einer Haftstrafe verurteilt worden bin, war ganz einfach nur eine karmische Konsequenz, die ich absolut verdient hatte. Und ich nehme alles an, was ich aus diesen unglaublichen sechs Monaten gelernt habe und setze es dafür ein, das Beste aus meinem weiteren Leben zu machen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(ak)