BLOG
04/10/2018 17:05 CEST | Aktualisiert 04/10/2018 17:05 CEST

Ich habe meinen Job in der Mode-Branche hingeschmissen, um wieder zu studieren

Schnell gewöhnt man sich an ein regelmäßiges Einkommen. Trotzdem habe ich mich entschieden, wieder zu studieren.

ELENA SANS H
Die Bloggerin an ihrem Lieblingsstrand in der Bretagne.

Nach fünf Jahren im Berufsleben fange ich nächsten September wieder an zu studieren. Warum habe ich mich so entschieden, obwohl leichter wäre, sich mit einem regelmäßigen Einkommen zu begnügen? Das will ich euch erklären. 

Und ich erzähle euch auch, warum diese Fotos meine Gedanken perfekt illustrieren.

Eine Kurswende

Vor fünf Jahren war ich Studentin und machte ein Praktikum bei einer Männer-Modemarke in New York. Ich hatte gerade meinen Master in Mode-Management abgelegt und war überzeugt, dass ich in der Branche etwas bewegen könnte, indem ich mich ernsthaft und aufrichtig für gute und schöne Produkte einsetzte.

Es war toll: Ich fühlte mich mit meinen zarten 21 Jahren wie Carry von “Sex & The City”. 

Nach einer schwierigen Rückkehr nach Paris und einem Jahr voller befristeter Anstellungen, in denen ich gute Miene zum bösen Spiel machte, musste ich – dank oder wegen eines kleinen Burn-Outs –  einsehen, dass die skrupellose Modewelt nichts für mich ist. Überhaupt nicht. Der Gedanke, etwas studiert zu haben, das ich jetzt hasse, versetzte mich in Panik.

Mehr zum Thema: Wegen des Studiums kam Givi nach Deutschland, jetzt ist es seine zweite Heimat

 

ELENA SANS H
Die Bloggerin "Elena sans H" (Deutsch:"Elena ohne H") hat eigentlich einen Abschluss in Mode-Management.

2015 habe ich eine Berufsberatung in Anspruch genommen, die mich dorthin gebracht hat, wo ich heute bin. Heute weiß ich: Um meine Ausbildung abzuschließen, musste ich Menschen aus den Berufsfeldern kennenlernen, die mich interessierten. Einer von ihnen hat mich –  ohne es zu wissen –  dazu gebracht, meinen Horizont zu erweitern und ein Bewusstsein für die Umwelt zu entwickeln.

Ein Zivildienst, ein Freiwilligendienst, ein befristeter Job –  insgesamt waren es  drei Erfahrungen, die mich zu der Entscheidung gebracht haben, die mir so sehr am Herzen liegt: Ich werde wieder studieren.

Eine wohlüberlegte Entscheidung

Nach fünf Jahren Berufserfahrung sein Studium wieder aufzunehmen, ist ungewöhnlich –  besonders in Frankreich, wo ich lebe.

In angelsächsischen Ländern, besonders den Vereinigten Staaten, ist es viel verbreiteter. Dort verlassen die meisten Studenten nach vier Jahren die Universität, um zu arbeiten und kehren gegebenenfalls mit 25 bis 27 Jahren zurück, um sich zu spezialisieren.

Wieder zu studieren, bedeutet auch, zu akzeptieren, in manchen Fällen wieder von seinen Eltern abhängig zu sein, sich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen und zu erleben, wie das eigene Sozialleben größtenteils abflaut. 

Diese Entscheidung ist nicht folgenlos und sollte besser gut überlegt sein. 

ELENA SANS H
"Diese Fotos illustrieren meine Gedanken."
ELENA SANS H
"Ich musste einsehen, dass die skrupellose Modewelt nichts für mich ist."
ELENA SANS H
"Diese Fotos spiegeln die Geisteshaltung wieder, mit der ich diese Veränderung in meinem Leben anpacke. Sie stehen für tiefe, unermessliche Gelassenheit."

Wenn ich sage “gut überlegt”, meine ich das ernst: Ich habe drei Jahre gebraucht, um mich entscheiden. Drei Jahre, in denen an jedem Semesterstart eine leise Stimme in mir sagte: “Und warum nicht du?” 

Ich begann meinen Plan mit einer Bewerbung an der CELSA, der Schule für Journalismus und Kommunikation an der Sorbonne und versagte.

Ich bewarb mich 2016 für zwei Studiengänge in interkultureller Verständigung und versagte wieder.

2017 tat ich nichts, weil ich beruflich leicht frustriert war, weil ich nicht mehr weiter kam, mein Wissen nicht in meinen bevorzugten Feldern einbringen konnte: der Ökologie und dem Sozialwesen.

Anfang dieses Jahres kam der Gedanke erneut in mir auf. Diesmal mit mehr Nachdruck und ich hatte einen solidieren Plan. Ich verschickte sechs Bewerbungen und zwei prestigeträchtige Unis luden mich zu Bewerbungsgesprächen ein, die ich – nicht ohne Stolz –  annahm. 

ELENA SANS H
"Ich hatte ein kleines Burn-Out."

Seelenruhe

Ich habe immer geglaubt: Wenn etwas klappt oder nicht klappt, dass soll es auch so sein. Man sollte nicht versuchen, gegen seine Situation anzukämpfen, sondern eher, sie zu akzeptieren und sich damit trösten, dass etwas Anderes auf einen wartet. 

Das klingt vielleicht abstrakt und naiv, aber der Gedanke wird in so vielen Situationen ganz konkret.

Als ich damals an der Sorbonne nicht genommen wurde, haben mich andere Dinge erwartet. Diese Dinge sind die Erfahrungen, die meine Überzeugungen und Werte geprägt haben, die ich hier und woanders vermitteln möchte. Sie veranlassen mich heute dazu, euch vom Wie und Warum meines Werdegangs zu erzählen.

Ich habe mich bewusst dazu entschieden, meine Gedanken mit diesen Fotos von meinem Lieblingsstrand auf der Halbinsel Crozon zu illustrieren: Sie stehen für tiefe, unermessliche Gelassenheit. Diese Fotos spiegeln die Geisteshaltung wieder, mit der ich diese Veränderung in meinem Leben anpacke.

Aber was werde ich überhaupt studieren?

Ich habe drei Jahre Erfahrung in nachhaltiger Entwicklung und Sozialwesen gesammelt – habt ihr vielleicht einen Verdacht? Okay, genug der Spannung! 

Stolz verkünde ich euch, dass ich einen zweiten Master-Studiengang in Sozialer Arbeit beim ICP, der Katholischen Universität von Paris, anfange. Unternehmensethik, nachhaltige Entwicklung, soziale Verantwortung, Sozialwirtschaft und so weiter; so werden meine Tage aussehen!

Ich kann es kaum erwarten, meinen kleinen Kopf mit all den neuen Erkenntnissen zu füllen. Ich hoffe, sie mit euch auf die eine oder andere Art teilen zu können. Das ist der Anfang eines neuen Kapitels oder vielleicht sogar eines neuen Buches...

Dieser Text erschien zuerst in der französischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Moritz Diethelm aus dem Französischen übersetzt. 

 

(ak)