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31/01/2018 16:03 CET | Aktualisiert 01/02/2018 12:02 CET

Ich habe mein neugeborenes Baby nicht mehr geliebt als meinen Hund

Ich hatte in den ersten Tagen Angst, dass etwas mit mir nicht stimmt.

aywan88 via Getty Images
Schluchzend bat ich meinen Vater, ein Foto von mir zu machen. Denn ich wusste, dass ich diesen einen Augenblick niemals vergessen würde.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Motherly.

Ich war total begeistert von meinem Sohn. Ich konnte es kaum fassen, dass ich ein so wundervolles Wesen erschaffen und zur Welt gebracht hatte. Doch ich war nicht verliebt in ihn. Zumindest nicht vom ersten Augenblick an.

Vielleicht lag es daran, dass ich einen Kaiserschnitt hatte. Ich musste mich wegen der Betäubung heftig übergeben, weil ich den ganzen Magen voller Risotto mit Steak hatte.

Vielleicht lag es daran, dass alles so schnell passierte und dass es so surreal war. Woran könnte es sonst noch liegen? Vielleicht daran, dass eben jede Frau anders reagiert.

Ich hatte Angst, dass etwas nicht stimmte

Vielleicht ist es wie mit der Milch. Bei manchen Frauen dauert es einfach eine Weile, bis sie kommt. In den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach der Geburt eines Kindes verändert sich so unglaublich viel.

Vielleicht brauchen unsere Seele, unser Körper und unser Kopf einfach eine Weile, um sich komplett an die neue Situation zu gewöhnen.

Bisher hatte ich immer geglaubt, dass man die Liebe zu seinem Kind sofort spürt. Das hatten mir auch alle immer so erzählt. Und deshalb hatte ich in diesen ersten Tagen nach der Geburt Angst, dass etwas nicht stimmte. Ich hatte keine Depressionen. Ich war sogar sehr glücklich. Doch ich war nicht verliebt in meinen Sohn.

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Es war nicht so magisch, wie ich dachte

Ich war nicht verliebt, als ich ihn zum ersten Mal sah. Ich war nicht verliebt, als wir ihn mit nach Hause nehmen durften. Und ich war auch nicht verliebt, als ich ihn zum ersten Mal erfolgreich gestillt hatte.

Ich erinnere mich, dass ich mir dachte: “Ist das normal? Denn eigentlich empfinde ich für meinen Sohn in etwa so viel wie für meinen Hund. Und ist es denn nicht irgendwie komisch, wenn man seinen Hund genauso liebt wie sein eigenes Fleisch und Blut? Ist das jetzt schon alles?”

Es war so, als hätte man mir einen Maserati versprochen und als hätte ich stattdessen nur einen Mustang bekommen. Es war natürlich toll. Doch es war nicht so magisch und aufregend, wie mir jeder erzählt hatte.

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Die erste Nacht war nicht einfach

Zum Glück habe ich mich später doch noch in meinen Sohn verliebt. Und zwar Hals über Kopf.Die Liebe zu meinem Sohn überkam mich so plötzlich und heftig, dass mir die Luft wegblieb. Wie eine Welle, die dich völlig überraschend rückwärts auf den Boden schleudert. So dass du dich danach fragst, wie du denn dort hingekommen bist.

Genau so war es, als ich mich in mein Baby verliebte. Wir durften Will am 1. Januar 2015 mit nach Hause nehmen. Die erste Nacht war nicht wirklich so einfach, wie die Pflegerinnen im Krankenhaus es dargestellt hatten.

Mein Mann und ich waren am nächsten Tag sehr erschöpft. Ehrlich gesagt kam es uns ein bisschen so vor, als wären wir in der Mystery-Serie “Twilight Zone” gelandet.

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Ich brauchte meine Eltern in diesem Moment

Tagsüber kamen meine Eltern uns besuchen. Als sie nach dem Abendessen wieder nach Hause fahren wollten, bat ich sie, bei uns übernachten. Ich flehte sie regelrecht an. Ich konnte nicht noch eine Nacht wie die vorherige ertragen.

Wie mein Sohn meinen Mann und mich brauchte, so brauchte ich meine Mama und meinen Papa. Das Gefühl, dass sie hier in unserem Haus waren, gab mir unglaublich viel Gelassenheit und Zuversicht, dass ich es schaffen würde, meinem Neugeborenen eine gute Mutter zu sein.

Will schlief in seinem Babybettchen. Als er nachts einmal aufwachte, hob ich ihn hoch und legte mich mit ihm auf die Couch, um ihn zu beruhigen. Und genau in diesem Moment überkam es mich.

Plötzlich spürte ich die Liebe

Ich brach plötzlich in Tränen aus. Ich heulte Rotz und Wasser und ich verlor komplett die Kontrolle. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Doch eines war mir klar: Mein Leben hatte sich gerade für immer verändert.

Als mein Sohn neben meiner Brust lag, spürte ich die gleichmäßigen Atemzüge seiner kleinen Lunge. Ich hörte sein leises Baby-Gequäke. Ich roch an seinem süßen Babykopf. Und plötzlich traf es mich mitten ins Herz.

Plötzlich spürte ich eine Liebe, die so intensiv und überwältigend war, dass ich mit ihrer Kraft eine ganze Armee hätte besiegen können. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Und in dem Moment wusste ich, dass es stimmt. Dass es nichts gibt, was man mit der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind vergleichen könnte. In dem Moment wusste ich, dass ich für meinen Sohn sogar Berge versetzen würde. Dass ich nie wieder zuerst an mich denken würde. Er war es. Er war mein Ein und Alles.

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Ich muss bei dem Lied immer noch weinen

Schluchzend bat ich meinen Vater, ein Foto von mir zu machen. Denn ich wusste, dass ich diesen einen Augenblick niemals vergessen würde. Es war der Moment, in dem ich mich in meinen Sohn verliebte.

Im Radio lief gerade Adeles “To Make You Feel My Love”. Der Moment hätte gar nicht perfekter sein können. Nicht einmal, wenn Steven Spielberg ihn höchstpersönlich inszeniert hätte. Ich muss noch immer jedes Mal weinen, wenn ich dieses Lied höre. Denn dann erinnere ich mich wieder.

Ich erinnere mich an den Tag, an das Gefühl, an den Augenblick. Ich erinnere mich an den Moment, in dem ich mich so wahnsinnig heftig verliebte, dass danach nie wieder irgendetwas so sein konnte wie zuvor. Ich erinnere mich an diesen Moment. An den Moment, an dem ich mich in meinen Sohn verliebte.

 

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.