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26/02/2018 10:10 CET | Aktualisiert 26/02/2018 10:10 CET

Die GroKo als Notlösung hatten wir schon oft genug

Und der Union kann man sowieso nicht trauen.

Gestern habe ich meinen Wahlzettel in den Briefkasten geworfen, den Wahlzettel für die SPD-interne Wahl über GroKo oder No-GroKo. Ich habe mit Nein gestimmt.

Ich musste nicht lange überlegen. Denn es geht ums Prinzip.

Das Ideal der SPD ist auch meines

Ich bin 17 Jahre alt und im September spontan in die SPD eingetreten – drei Tage vor der Bundestagswahl. 

Ich wollte mich gesellschaftlich engagieren. Eine Partei hielt ich für ideal, weil ich politisch interessiert bin. Mir wurde immer klarer, dass die SPD zu mir passen würde. Ihr Ideal der sozialen Gerechtigkeit ist auch meines.

Und dieses Ideal wurde nun mit der erneuten Zusammenarbeit mit der Union verraten.

Ich hätte zu jedem GroKo-Vertrag Nein gesagt

Eine GroKo ist eine Notlösung, die wir schon oft genug gehabt haben. Von der SPD hat man in den vergangenen vier Jahren kaum etwas gemerkt, mal von Homo-Ehe und Mindestlohn abgesehen.

Doch ich würde eine GroKo selbst dann ablehnen, wenn die SPD nicht für ein paar Ministeriumsposten Inhalte verkauft hätte, sondern all ihre Wahlversprechen hätte im Vertrag unterbringen können. Man kann viel in einen Vertrag schreiben, was dann doch nicht gemacht wird.

Und der Union kann man sowieso nicht trauen. Man denke nur an den Schachzug von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt mit dem Glyphosat.

Ich war stolz auf die SPD

Die Haltung der SPD war es auch, weswegen ich auf die Partei auch nach der verlorenen Wahl stolz war. Ich fand es richtig, dass Schulz selbstbewusst eine erneute GroKo ausgeschlossen hat. Ich hatte für möglich gehalten, dass Schulz – anders als andere Politiker – das tut, was er sagt, und das sagt, was er tut.

Aber es war wie immer in der Politik: Erst kommt was Tolles, und dann war’s das. Nach Schulz’ 180-Grad-Wende war ich persönlich erzürnt, auch andere Genossen waren richtig sauer.

Allerdings finde ich es nicht fair, Schulz alleine für alles verantwortlich zu machen. Eine Partei, das ist nicht ein Mann. Das sind im Fall der SPD mehr als 440.000 Leute.

Lose-lose-Situation

Aus der aktuellen Situation gibt es keinen guten Ausweg, nur einen weniger schlechten. Für die SPD ist es eine Lose-lose-Situation.

Entsprechend gespalten ist die Partei. Bei den Juso-Treffen, die ich besucht habe, ist die Stimmung eindeutig gegen die GroKo. Bei den SPD-Treffen mit Mitgliedern aller Altersgruppen sieht das ganz anders aus. Es wird nicht gestritten, aber heftig sachlich diskutiert.

Gerade die Älteren sagen, die SPD müsse Verantwortung übernehmen für die Gesellschaft.

Ich sehe das anders. Dass die SPD regiert, wollten in der Bundestagswahl nur 20,5 Prozent der Stimmen. Jetzt wollen es laut Umfragen noch weniger.

Zu Idealen und Versprechen stehen

Mir ist klar, dass im Fall eines Neins der SPD der Unmut der gesamten Bevölkerung entgegenschlagen wird. Aber das ist dann halt so.

Mir ist auch klar, dass es Neuwahlen geben könnte, in denen die AfD so stark sein kann wie die SPD. Aber das kann genauso in der nächsten regulären Bundestagswahl passieren, wenn die SPD jetzt wieder ihre Prinzipien verrät und eine GroKo eingeht.

Es gibt keine Alternative, als zu seinen Idealen und Versprechen zu stehen.

Im Scherz kam mir schon kurz nach der Wahl der Gedanke, ob es richtig war, in die SPD einzutreten. Wenn man in eine erfolgreiche Partei will, ist die SPD sicherlich nicht die erste Wahl.

Aber ich würde es wieder tun. Es gibt nur wenige Parteien, in denen die Basis so einbezogen wird. Das ist ein Privileg.

Der Text wurde von Susanne Klaiber aufgezeichnet.