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02/01/2019 13:55 CET | Aktualisiert 02/01/2019 14:09 CET

Ich habe ein Jahr lang auf Plastik verzichtet – so könnt ihr es auch schaffen

Es sind neue Gewohnheiten, und die werden nicht über Nacht zur Routine.

Ich liebe die Natur und mir war es schon immer wichtig, mich für den Schutz unseres Planeten einzusetzen. Aber so richtig in meinem Alltag umgesetzt habe ich es erst dann, als ich vor vier Jahren meinen ersten Sohn, Jack, auf die Welt brachte. Ich hatte das Gefühl, mit dieser ganz neuen Person fast wie von vorne anfangen zu können – und durch meinen Mutterschutz hatte ich Zeit, Dinge nachhaltiger zu gestalten. Zum Beispiel keine Lebensmittel zu kaufen, die in Plastik verpackt sind, weil ich stattdessen vieles selbst anbaue.

Vor einem Jahr an Silvester habe ich einen Entschluss gefasst. Ich hatte bereits einen wiederverwendbaren Kaffee-to-go-Becher, eine Wasserflasche, eine Segeltuchtasche und Besteck, das ich immer mitnehme, um Einweggeschirr zu vermeiden. Aber ich wollte mehr. Ich nahm mir vor, jegliche Arten von Milchflaschen, Einweghygieneartikeln, kunststoffverpackte Lebensmittel, Flaschen mit Duschgel, Shampoo und Spülung und viele andere Dinge aus Plastik aus meinem und dem Leben meiner Familie zu verbannen. 

Inzwischen kaufen wir nur noch loses Obst und Gemüse und lassen uns eine Kiste mit saisonalen Produkten liefern. Wir haben angefangen, unsere eigene Hafermilch herzustellen – wir mischen Wasser mit eingeweichten Haferflocken – um den Kauf von Plastikflaschen und Tetra Paks zu vermeiden.

Wenn wir in den Supermarkt gehen, nehmen wir Dosen mit – so können wir beispielsweise unverpackten Käse kaufen.

Bienenwachs statt Frischhaltefolie aus Plastik

Für ein paar Dinge haben wir uns auch mit Freunden zusammengetan. So kaufen wir beispielsweise Nüsse oder andere Hülsenfrüchte in riesigen Säcken im Großhandel. Die packen wir zur Aufbewahrung dann in Container und verteilen sie untereinander.

Um Lebensmittel im Haushalt aufzubewahren, sind wir auf Verpackungen aus Bienenwachs umgestiegen, statt Frischhaltefolie aus Plastik zu verwenden. Tagsüber nehme ich mir immer selbstgemachte Sandwichs mit, damit ich nicht unterwegs einen verpackten Salat oder ein Sandwich kaufen muss.

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Wenn mein ältester Sohn Essen für einen Schulausflug benötigt, gebe ich ihm auch geschmierte Brote mit, ein Getränk in einer wiederverwendbaren Wasserflasche und lose Früchte. 

Auch müssen wir keine Chips mehr kaufen – stattdessen mache ich inzwischen selber Chips, in dem ich Kartoffeln pelle, die Schalen mit etwas Öl beträufle, mit Meersalz bestreute und im Backofen backe. Auch Dips kann man super selber machen. Zum Beispiel Hummus. Einfach Kicherserbsen, Tahini und Zitrone mit der Küchenmaschine verrühren – fertig. Brot kaufe ich lose im Supermarkt. 

Weiter geht’s im Badezimmer. Für unseren Ältesten hatten wir noch Einwegwindeln benutzt. Doch inzwischen bin ich ein großer Fan von Stoffwindeln. Denn die Masse der mit Kunststoff ausgekleideten Einwegwindeln, die über die Zeit anfällt, ist enorm. Aber es gab eine Herausforderung: Ich musste eine Windel finden, die auch die ganze Nacht trocken hält.

Recyceltes Klopapier und unverpackte Hygieneartikel im Badezimmer

Ich fand heraus, dass zwei Windeln der Stoffwindel-Marke Totsbot zusammen kombiniert absorbierend genüg waren. Morgens landen die Windeln im Wäschekorb und werden gereinigt. Außerdem haben wir Einwegfreuchttücher durch Stofftücher ersetzt.

Und was ist mit Klopapier? Wir kaufen unser Klopapier bei einer Marke, die mit recyceltem Papier arbeitet und ihre Rollen nicht in Plastik verpackt. 50 Prozent des Unternehmensgewinns werden zudem in den Bau von sanitären Anlagen in Entwicklungsländern investiert.

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Um den zig Plastikflaschen für Shampoo, Seife, Duschgel etc. ein Ende zu setzen, haben wir inzwischen alles unverpackt. Im Badezimmer gibts es inzwischen praktisch keinen Abfall mehr bei uns. (Anm. d. Red.: In Deutschland könnt ihr zum Beispiel bei Lush Shampoo und Duschgel in Hartseifenform kaufen). 

Dann wären da noch Binden und Tampons. Ich benutze inzwischen einen Mooncup und, wenn ich meine Periode habe, Hosen, die einen wasserdichten Einsatz im Schritt haben – für den Fall der Fälle. Es ist billiger und ich muss nie wieder einkaufen.

Second-Hand statt Fast Fashion

Und dann gibt es da noch eine große Veränderung: Kleidung. Fast Fashion ist nicht nur ethisch bedenklich. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Kleidung Kunststoffe enthält, beim Waschen landet dann Mikroplastik im Abwasser.

Deshalb zieht unser Jüngster die abgelegte Kleidung seines großen Bruders an und wir kaufen viel in Second-Hand und Charity-Läden ein. Wenn ich neue Kleidung kaufe, versuche ich Dinge zu kaufen, die lange halten.

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Ich habe viel gelernt im vergangenen Jahr. Vieles verändert, viele Dinge angepasst und immer weiter optimiert. Ich kenne inzwischen den besten Laden, um verpackungsfreies Müsli zu kaufen, oder einen versteckten Second-Hand-Laden, in dem ich tolle Weihnachtsgeschenke gefunden habe. Unsere Kinder haben in diesem Jahr übrigens keine neuen Plastikspielsachen zu Weihnachten bekommen, sondern nur gebrauchtes Spielzeug – verpackt in alten Zeitungen und Schnüren.

Wenn du auch versuchen willst, auf Plastik zu verzichten, rate ich dir zu bedenken, dass es vor allem darum geht, sich vorzubereiten. Wir waren im Sommer campen. Also kauften wir vorab Pasta, Reis und Brot, das wir mitnehmen konnten, damit wir nicht vor Ort verpackte Lebensmittel kaufen mussten.

Das Wichtigste, um Plastik zu vermeiden: Planen

Es ist vor allem das viele Planen, was es manchmal schwierig und anstrengend macht. Aber wenn ich mal an einem Tag meinen To-Go-Becher vergesse, verprügele ich mich nicht selbst. Stattdessen verzichte ich dann einfach für diesen Tag auf Koffein – das erinnert mich daran, beim nächsten Mal daran zu denken.

Es sind neue Gewohnheiten, und die werden nicht über Nacht zur Routine. Sei nicht zu streng mit dir selbst und versuche einfach, es am nächsten Tag besser zu machen.

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Was mich motiviert, ist einfach. Ich denke sehr viel darüber nach, wie die Erde in 20 oder 30 Jahren aussehen wird. Der Gedanke, dass sich meine Kinder einmal zu mir umdrehen und sagen “Da gab es früher Eisberge?” oder “Diese Insel existiert nicht mehr?”, bringt mich beinahe um.

Fakten zu Plastik, die ihr kennen solltet:

Ich sage nicht, dass das, was ich tue, das Gesamtbild verändern wird. Aber ich denke, wenn wir alle etwas verändern, werden wir gemeinsam dazu beitragen, die Treibhausgase zu senken und den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Wenn ich an 2018 denke, habe ich das Gefühl, dass ich etwas erreicht habe. Sicher, es gibt immer so viel mehr zu tun und manchmal erlebe ich Tage, an denen ich das Gefühl habe, kaum etwas beizutragen.

Aber das vergangene Jahr war sehr transformativ. Und die Veränderungen sind für mich endgültig und dauerhaft. Wenn es darum geht, gegen Plastik vorzugehen und noch nachhaltiger zu leben, bin ich aufgeregt, was 2019 bringen wird, um noch tiefer zu gehen.

Dieser Artikel ist zuerst in der HuffPost UK erschienen und wurde von Uschi Jonas aus dem Englischen übersetzt und redaktionell angepasst

(glm)